Burg l „Vielleicht laufen wir den Havelbergern bei dem ältesten Mann Deutschlands bald den Rang ab“, sagte Burgs Bürgermeister Jörg Rehbaum (SPD), als er am Sonnabend Karl-Heinz Muß zu seinem 100. Geburtstag gratulierte. Im DRK-Seniorenzentrum an der Berliner Straße gab es zu Ehren des Jubilars eine kleine Feierstunde, die Tochter Monika organisiert hatte. Zu den offiziellen Gratulanten gehörte auch Landrat Steffen Burchhardt (SPD).

Karl-Heinz Muß ist nun der älteste männlicheEinwohner der Stadt und auch des Seniorenzentrums. „Wir könnten seine Kinder sein“, scherzte eine Mitbewohnerin. Dabei wohnt der hellwache Rentner erst seit wenigen Monaten in der Seniorenresidenz. Türschwellen und Treppen beschreiten habe ihm Schwierigkeiten bereitet, so die Tochter, deswegen sei das Heim nun die bessere Alternative.

Gelernter Lokführer

Karl-Heinz Muß stammt ursprünglich aus Tangermünde. 1939 wurde er Soldat und marschierte durch das Haupttor der Neuen Kaserne in Burg. Von hier aus zog er in den Zweiten Weltkrieg. Doch nicht nur das Soldatsein schmiedete ihn an Burg. Hier lernte er auch seine spätere Ehefrau kennen, die er 1942 heiratete. Tochter Monika kam ein Jahr später zur Welt. Bis 1945 in Frankreich stationiert, geriet der Artillerist dort in Kriegsgefangenschaft – eine für ihn prägende Zeit: „Ich musste in den belgischen Kohlegruben einfahren und schwer arbeiten.“ Aus Hunderten Metern Tiefe förderte er die Kohle, und sie ließ ihn von da an nicht mehr los. Nach zwei Jahren im Bergwerk kehrte er zu Frau und Tochter nach Burg zurück. Hier fing er an, bei der Kleinbahn zu arbeiten – als Heizer. Die Reichsbahn bildete den jungen Mann dann in Magdeburg zum Lokführer aus. Seine Fahrstrecken führten ihn durch ganz Mitteldeutschland und auch in die damalige Westzone. „Wenn ich die Strecke Uelzen-Magdeburg fuhr“, so Karl Heinz Muß, „schaufelte ich acht Tonnen Kohle in den Tender, dann die acht Tonnen in den Heizkessel und auf der Rücktour das gleiche nochmal.“ Nach bestandener Prüfung zum Lokomotivführer fuhr Muß bis 1984 jede Art von Lok und Zug. Er war nicht oft zu Hause, sagte Tochter Monika, doch wenn, „dann wurde etwas unternommen“. Mit dem Berliner Roller tourte Familie Muß zwischen Arendsee und Harz. „Dort, wo es schön war, sind wir auch hingefahren.“ Später dann saßen die Enkel auf dem Kindersitz.

Die zweite Leidenschaft des Burgers war der Garten. Nachbar und Gartenfreund Klaus Schüßler aus der Deichstraße stand ihm immer zur Seite, wenn er dienstbedingt „auf Reisen“ war. Daraus entwickelte sich eine Freundschaft, die über Jahrzehnte bis zum heutigen Tag hält. Nach den Gründen für sein hohes Alter, verbunden mit sichtbarer Vitalität gefragt, verrät die Tochter: „Die Gene sind‘s.“ In ihrer Verwandtschaft gäbe es viele, die weit über 90 Jahre geworden sind. Karl Heinz Muß blickt auf sein Leben und sagt: „Man muss immer aktiv sein.“