Heyrothsberge l Lutz-Georg Berkling gab zu Beginn der zum Teil emotionalen und von Beifall, Unmutsäußerungen und ungläubigem Hohngelächter geprägten Versammlung einen Überblick über die Flüchtlingsproblematik. Er bezifferte die Zahl der 2015 in Sachsen-Anhalt ankommenden Flüchtlinge mit schätzungsweise 30 000. Für sie wird es zentrale Anlaufstellen (Zast) in Halberstadt und künftig in Halle und Stendal geben. Notwendig sind bis zur Fertigstellung der zentralen Aufnahmestellen zeitweilige Landesaufnahme-Einrichtungen (Lag) wie in Heyrothsberge oder auf dem Truppenübungsplatz Altengrabow für 400 Personen.

1. Wie viele Flüchtlinge kommen? Wie sind sie untergebracht?

Es wird mit bis zu 250 Flüchtlingen gerechnet. Sie sind im IBK in der Sporthalle, in der Villa Heyroth und im Kultursaal untergebracht. Im Kultursaal erfolgt auch die Essenausgabe. Die wertvollen Fußböden sind mit Platten abgedeckt. Zusätzlich wird die untere Etage eines Unterkunftsgebäudes zum Duschen genutzt. Helfer haben Betten aufgebaut. Der Lehrbetrieb der Feuerwehrschule soll aufrecht erhalten bleiben. Es ist jedoch mit Einschränkungen zu rechnen.

2. Woher kommen die Flüchtlinge? Sind es nur Männer oder auch Familien?

Es ist ein Durchschnitt dessen, was auch im Land ankommt. Überwiegend Flüchtlinge aus Syrien, aber auch aus Afghanistan oder Albanien und Serbien. Nicht aus Schwarzafrika. 20 bis 25 Prozent sind Kinder. Es findet keine Selektion statt.

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3. Was geschieht mit den Flüchtlingen?

Sie werden natürlich versorgt und sozial betreut. Das übernehmen Helfer des Roten Kreuzes. Die Personen werden einem Erstaufnahmeverfahren unterzogen. Sie werden registriert, um einer erkennungsdienstlichen Behandlung unterzogen werden zu können. Von Zeige- und Mittelfinger werden Abdrücke genommen. Pässe werden registriert. Die Personen werden fotografiert. Es erfolgt eine ärztlich Untersuchung. Der Thorax wird geröntgt. Die Leistungen werden ausgezahlt.

4. Wie lange bleiben die Flüchtlinge in Heyrothsberge?

Flüchtlinge in Erstaufnahmestellen dürfen dort bis zu drei Monaten verweilen. Dann muss eine Verteilung auf die Kommunen erfolgen. Laut neuer Gesetzeslage am 1. November ist diese Frist auf sechs Monate ausgedehnt worden. Das bedeutet, dass die Belegung in Heyrothsberge ständig wechselt. Es ist jedoch das Ziel, das IBK so schnell wie möglich wieder zu räumen.

5. Wird es bei den 250 Personen bleiben?

Es ist nicht vorgesehen, weitere Flüchtlinge in Heyrothsberge aufzunehmen. Sollte es dennoch notwendig werden, können in der Übungshalle rund 300 Personen Platz finden. In den Unterkunftsgebäuden gibt es 140 Plätze. Die Flüchtlinge können sich frei bewegen. Kinder unterliegen nicht der Schulpflicht.

6. Wie wird das finanziert?

Die Unterbringung von Flüchtlingen in Deutschland ist steuerfinanziert. Wir alle zahlen sie. Die Ausgaben selbst werden aus dem Landeshaushalt bestritten. Die Kosten für die Verpflegung bewegen sich um rund 15 Euro pro Tag. Es liegt ein Angebot vor, das Betreuung, auch soziale, einschließt und bei 40 Euro je Person und Tag liegt.

7. Wie ist die Sicherheit gewährleistet? Zum Beispiel auch in öffentlichen Verkehrsmitteln?

Die Polizei wird rund um die Uhr im Objekt präsent sein. Zum Schutz vor allem in Schulbussen müsse man schnell nachdenken. Diese Frage habe sich bisher noch nicht gestellt. Erfahrungen aus Genthin, wo schon Flüchtlinge in Gemeinschaftsunterkünften untergebracht sind, belegen, dass von diesen Flüchtlingen keine Gefahr ausgeht.

8. Wie können die Bürger helfen?

Die Biederitzer Gemeindeverwaltung wird eng mit den Betreuern in Heyrothsberg zusammenarbeiten. Wenn von dort Signale kommen, dass Hilfe gebraucht wird, wird das den Bürgern unverzüglich mitgeteilt. Auch die Kirche wird aktiv werden.