Brettin l Die ersten zehn Wohnungen waren pünktlich am Donnerstag zur öffentlichen Besichtigung fertig geworden. Ein Hauseingang mit zehn Wohnungen im Hohenbelliner Weg war bis zum Eintreffen der ersten Flüchtlinge am Freitag fertig hergerichtet. Sieben Asylbewerber sollen pro Wohnung untergebracht werden. „Jede Person muss sieben Quadratmeter zum Leben haben. Und dementsprechend sind die Wohnungen auch eingerichtet“, erklärt Kreisvorstand Bernd Girke. Dazu gehören Betten, Schränke, Tische, Stühle und eine Küche. „Der Standard ist nicht hoch, aber ausreichend“, betont Girke. Ein Vierteljahr haben die Sanierungsarbeiten am Wohnkomplex gedauert. Die Investitionskosten werden mit der Miete über einen dreijährigen Vertrag verrechnet.

Sowohl Familien als auch junge Männer werden bunt gemischt in den Wohnungen untergebracht. „Die Nationalitäten müssen natürlich zusammenpassen“, betont Girke. Die Malteser werden sich dann um die Flüchtlinge kümmern. Vier Betreuer werden montags bis freitags vor Ort sein, um Deutschkurse und Beschäftigungsmöglichkeiten anzubieten. Es ist eine von fünf Einrichtungen, die die Malteser in Sachsen-Anhalt betreuen. Ein privater Wachdienst wird das Gebäude ständig im Blick haben. Auch die Polizei wird die Präsenz im Ort verstärken. „Wir halten natürlich engen Kontakt mit den Kommunen und haben ein besonderes Auge auf das Objekt, werden aber nicht 24 Stunden dort sein“, sagt Polizeisprecher Thomas Kriebitzsch.

Trotz der teilweise sehr hitzigen Diskussion während der Bürgerversammlung vor gut einem Monat bezeichnet Jerichows Bürgermeister Harald Bothe die Stimmung im 700-Einwohner-Örtchen als gelassen. „Natürlich bietet die jetzige Situation ein bisschen Sprengstoff, aber manchmal ist es eben doch unberechtigte Angst“, macht er deutlich. Nicht alle dieser Asylbewerber seien schlecht, betont Bothe. Während der öffentlichen Besichtigung kritisiert er den Informationsfluss mit dem Landkreis. „Ich habe heute erst erfahren, wer sich um die Betreuung kümmert“, nennt er am Donnerstag ein Beispiel. Mit den Betreuern hat sich der Jerichower Bürgermeister verständigt, regelmäßig über die Arbeit vor Ort und mögliche Probleme zu sprechen.

Haltestelle wird regulär angefahren

Ein Problem, was die Bürger auch auf der Einwohnerversammlung ansprachen, ist die mögliche Einschränkung des Schülertransports. Hier hat der Landkreis bereits Maßnahmen getroffen. „Ab Montag wird die Haltestelle ‚Bundeswehr‘ nicht nur im Bedarfsfall sondern mit einzelnen Linien regulär angefahren, um ausreichend Kapazitäten gewährleisten zu können“, sagt Kreissprecherin Claudia Hopf-Koßmann auf Nachfrage. Für den Schülerverkehr werde ebenfalls ab Montag ein gesonderter Buszubringer an dieser Haltestelle eingesetzt. „Der normale Linienverkehr steht weiterhin allen Fahrgästen zur Verfügung“, so die Kreissprecherin. Das Beratungs- und Betreuungspersonal vor Ort wurde damit betraut, die Neuankömmlinge darauf hinzuweisen, welche Busse zur Verfügung stehen.