Burg l Es war noch einmal Glück im Unglück an diesem 19. November, als ein dreijähriges Kind in der Einkaufsstraße einem Laubblatt nachrannte, dabei vermutlich von einem blauen Opel Corsa erfasst wurde und unter das Auto geriet. Dass das Kind nur leichte Verletzungen davontrug, grenzte schon an ein Wunder. Unfassbar dabei: Der Fahrer, laut Polizeiangaben ein älterer Mann mit Gehstock, der aus einem Imbiss kam, fuhr einfach davon.

Unser Leser Peter Jähnigen wohnt am Magdalenenplatz und kann jeden Tag den Durchgangsverkehr in der Bummelmeile beobachten. Seine Frage: „Wann tun die Polizei und die Stadt endlich etwas gegen die rücksichtslose Nutzung der Fußgängerzone als öffentliche Straße? Da fahren alle mit dem Auto zum Einkaufen, Geldabheben und selbst zum Kaffeetrinken. Sogar fremde Autos mit Kennzeichen OPR (Ostprignitz) und BRB (Brandenburg) parken tage- und nächtelang im Parkverbot vor privaten Häusern, ohne dass die Polizei etwas unternimmt...“ Fremde würden sogar ihren Hausmüll in den Papierkörben entsorgen, so Peter Jähnigen.

Auch eine Rentnerin meldete sich gestern am Telefon: Bei einem Spaziergang sei ihr Enkel von einem jungen Radfahrer angerempelt worden.

Den Frust der Anwohner kann die Polizei auch angesichts dieses Unfalls nachvollziehen, versichert Pressesprecher Thomas Kriebitzsch. Er macht aber auch klar, dass die Beamten nicht den ganzen Tag über in der Straße den Verkehr kontrollieren könnten. „Wir sind vor Ort und haben auch schon diverse Verwarngelder ausgesprochen.“ Das sei aber nicht dauernd möglich. Für geordnetere Verhältnisse könnten nur funktionierende Polleranlagen sorgen, sagt Kriebitzsch.

Diese werden seit Wochen im Bereich am Markt, Magdeburger Straße und Gummersbacher Platz installiert, nachdem die alten Anlage über Monate defekt und verschlissen war. Knapp 80 000 Euro hat die Stadt dafür in die Hand genommen. „Die Arbeiten sind noch im Gange“, so Stadt-Pressesprecher Bernhard Ruth gestern.

Anfang des Jahres ist die Inbetriebnahme vorgesehen, dann müssen die entsprechenden Benutzerkarten ausgegeben werden. „Die derzeitige Situation ist auch für uns unbefriedigend. Gerade deshalb haben wir dies in den Gremien des Stadtrates besprochen und investiert“, so Ruth. Kontrollen seien aber auch von den städtischen Mitarbeitern nicht zu jeder Zeit machbar.

Mit der neuen Anlage wird es auch Neuerungen geben:

1. Der Verkehr in der Schartauer Straße und den umliegenden Bereichen wird auf Fußgänger, Anwohner, Krankenwagen, Polizei und Lieferverkehr beschränkt;

2. Die Lieferzeiten über die Polleranlage sind werktags zwischen 6 und 9, 12 und 14 sowie 18 und 20 Uhr, an Sonn- und Feiertagen zwischen 6 und 9 und 19 und 20 Uhr.

3. In die Fußgängerzone dürfen nur Fahrzeuge mit einem tatsächlichen Gewicht von bis 17 Tonnen einfahren. Sie dürfen nur zwischen den offenen Regenrinnen verkehren.