Burg l Die dickwandige Kelleranlage unter dem Weinberg sollte ursprünglich ein Bestandteil der Laga sein und war in der Vergangenheit bei Veranstaltungen wie zum Tag des offenen Denkmals auf großes Interesse gestoßen. So wurde an einem kleinen Nutzungskonzept gearbeitet. Auch mit dem Eigentümer konnte Einigkeit erzielt werden, sagte An-drea Gottschalk von der städtischen Laga-Projektgruppe am Mittwochabend während er Sitzung des zuständigen Ausschusses.

Laut Voruntersuchungen eines Ingenieurbüros waren die Reaktivierung eines zweiten Rettungsweges, die Instandsetzung des Mauerwerkes der Gewölbe, die Abgrenzung der seitlich abgehenden Räume mit Gitter sowie die Erneuerung der Elektroanlage und Beleuchtung mit 185 000 Euro beziffert worden. Das war der Stand vom Frühjahr. Wohl gemerkt für jeweils 50 Personen im Keller.

Ende August habe das Bauordnungsamt jedoch einen kompletten Bauantrag auf der Basis einer Versammlungsstätte, das heißt ab 200 Personen, gefordert. Die Behörde hätte der Stadt unterstellt, dass diese nicht nur die im Nutzungskonzept genannten Veranstaltungen durchführen wolle. Das hätte jedoch zur Folge, dass in der gesamten Kelleranlage, die in acht Gewölbekeller unterteilt ist, eine mechanische Entrauchungsanlage installiert werden müsste. Allein dafür wären 160 000 Euro zusätzlich notwendig.

Darüber hinaus hätten Tragwerksplaner festgestellt, dass die Konstruktion des ehemaligen Ausgangs Unterm Hagen sehr marode sei und dieser nicht als zweiter Rettungsweg zur Verfügung stehe, ein Neubau aber sehr kompliziert und teuer sei.

Unterm Strich müsste die Stadt statt der geplanten 185 000 Euro nun 756 000 Euro in die Hand nehmen. „Das steht in keinem Verhältnis für ein Grundstück, das uns nicht gehört und wo eventuell drei bis vier Veranstaltungen im Jahr stattfinden“, urteilte Andrea Gottschalk.

Auch Bürgermeister Jörg Rehbaum (SPD) sah keine Alternative, als von einer Sanierung abzulassen. Otto Voigt (SPD-Fraktion) stimmte zu. „Die Summe sprengt alles. Und Laga hat auch was mit über der Erde zu tun.“

Ausschusschef Dr. Udo Vogt (CDU/FDP/BFW) war eher skeptisch. „Was haben wir dann noch für Highlights? Schauen wir uns dann Papierkörbe an?“, fragte er. Rehbaum erwiderte, dass der Bereich Weinberg „auch ohne Keller ein Anziehungspunkt werden wird“.

Nützliche Zwecke erfüllt

Wie auch immer: Auf jeden Fall ist die Tradition des Kellers beeindruckend. Die Anlage wurde 1861 vom Brauereibesitzer Friedrich Pabst in den Weinberg gegraben - mit Einführung des Bayerischen Lagerbiers. Im Winter wurde das Eis in den Kolken gebrochen und in den Kellergewölben verbracht. Der Eisvorrat reichte bis zur neuen Eissaison. So konnte das Bier bei kühlen Temperaturen gelagert werden. Dieses Verfahren endete mit der Erfindung der Linde Kältemaschine.

Friedrich Pabst hatte seine Brauerei und die Gastwirtschaft im Breiten Weg 5. Der Keller wurde in den dreißiger Jahren zur Einlagerung von Kartoffeln genutzt. Während des Krieges soll er als Luftschutzkeller und Lazarett gedient haben. Er soll auch laut Zeugen mit Gasschutztüren ausgerüstet worden sein. Nach dem Krieg lagerte die OGS dort Obst und Gemüse ein.