Burg l Hauptmann René R. nimmt am vergangenen Sonnabend die Anerkennungsmedaille des Landtages entgegen. Überreicht wird sie ihm vom Vizepräsidenten des Landtages, Gerhard Miesterfeldt. Mitte Dezember fliegt er in den Einsatz nach Mali. Für die Bundeswehr. Die Medaille bekommt er stellvertretend für alle Soldaten, die über Weihnachten und Silvester im Ausland sind. Zuhause bleiben dann seine Frau und die 15-jährige Tochter. „Wir haben uns damit bereits arrangiert. Es ist mein fünfter Auslandseinsatz“, sagt der Hauptmann.

Neuland ist das allerdings für Andreas Schnelle aus Schönebeck. Sein Sohn ist im Juli nach Afghanistan aufgebrochen. Am Dienstag ist er wieder heimgekehrt. Schnelle ist ebenfalls bei der Weihnachtsfeier in Burg. „Natürlich hat man sich am Anfang des Einsatzes Gedanken gemacht. Je öfter man dann Kontakt hatte, desto mehr verflüchtigt es sich allerdings“, sagt er. Alle 14 Tage hat er sich mit seinem Sohn über WhatsApp geschrieben. „Das hat einem die Angst genommen“, erklärt der Schönebecker. Mulmig ist ihm nur dann geworden, wenn er etwas in den Medien gehört habe. Dann musste er sich ablenken.

Diese Ablenkung fand er im Familienbetreuungszentrum der Clausewitz-Kaserne in Burg. Die Weihnachtsfeier am vergangenen Sonnabend stellte den Höhepunkt des Jahres dar. Zurzeit kümmern sich die fünf Mitarbeiter um 355 Familienangehörige aus der Region. „Wir sind dafür da, wenn die Mütter, Väter oder Frauen einfach Kontakt suchen. Wir helfen aber auch in der Not“, betont Philipp Schütte, seit 1. Dezember Leiter des Familienbetreuungszentrums in Burg. Zu den fünf Mitarbeitern gehören noch vier Kindererzieher. „Bei größeren Problemen können wir aber auch über das Netzwerk der Hilfe Psychologen oder Ärzte um Rat fragen“, erklärt Schütte. Pro Jahr organisiert das Betreuungsszentrum zehn Veranstaltungen für die Angehörigen der Soldaten. Unterstützt wird der Mitarbeiterstamm noch von sechs ehrenamtlichen Helfern. Eine von ihnen ist Dagmar Schmitt aus Drewitz.

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Als ihr Mann vor einigen Jahren im Einsatz war, suchte sie den Kontakt zum Familienbetreuungszentrum, beteiligte sich an den Veranstaltungen. „Ein Ansprechpartner zu haben, ist in dieser Zeit sehr gut“, sagt die Drewitzerin. Vor allem treffe man auf Menschen, die das gleiche durchmachen und Verständnis haben. „Viele sehen nach außen nur den Soldaten im Einsatz, aber die Familie, die sich täglich Gedanken macht, wird dabei oft vergessen“, betont Schmitt. Sie beschreibt diese Zeit als „Ausnahmesituation“. Nach dem Einsatz ihres Mannes hat sie 2013 entschieden, sich im Betreuungszentrum zu engagieren. „Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass man hier in guten Händen ist“, sagt Schmitt mit einem Lächeln im Gesicht.

Es müsse eine Entscheidung sein, die wehtut, wenn man jemanden in eine Krisenregion schickt, sagt Gerhard Miesterfeldt auf der Weihnachtsfeier. „Es ist eine Entscheidung, die das Leben anderer Menschen beeinflusst“, so der Vizepräsident des Landtages und fügt an: „Wir haben alle Angst.“ Darum hofft er auf Verbundenheit und Anteilnahme für die Angehörigen. Und hebt dabei die Freiwilligen im Betreuungszentrum heraus. „Eine Gesellschaft ohne Ehrenamt hört auf zu existieren.“

Oberst Axel Lautenschläger, Kommandeur des Landeskommandos Sachsen-Anhalt, hofft darauf, dass die Medaille ein Glücksbringer ist, der den Rückhalt symbolisiert. Aber es gehe auch darum für die Sorgen und Nöte der Angehörigen Verständnis zu haben. „Ohne die Liebe meiner Familie hätte ich meine Einsätze nicht überstanden“, macht er deutlich. Dreimal war der Oberst bereits in Afghanistan im Einsatz.

Während Andreas Schnelle und Dagmar Schmitt über mulmige Gefühle sprechen und froh über die Ablenkung mit Hilfe des Familienbetreuungszentrums waren, sieht der Soldat René R. die Situation ganz rational. „Es gehört zu meinem Beruf. Und den mache ich gern.“