Burg l Die Integration von Flüchtlingskindern wird an der Grundschule auch im Rahmen des LAP-Projektes „Aktiv gegen Menschenfeindlichkeit“ gelebt und umgesetzt. „Man sollte Verständnis dafür erwarten, warum wir Flüchtlinge aufnehmen“, machte Grundschulleiterin Simone Henes deutlich. An der Schule lernten schon zu DDR-Zeiten ausländische Kinder. Damals waren es rund 40. Zur Zeit besuchen 19 Flüchtlingskinder die Grundschule. Die Kinder nehmen eine Stunde am Tag am regulären Unterricht teil. Die übrige Zeit lernen sie bei Mariola von Ditfurth-Siefken. Ziel ist es, die Mädchen und Jungen nach einem Jahr in die Klassen zu übernehmen.

Die Gymnasiasten um Klassenlehrerin Petra Büttner hatten für die Flüchtlingskinder kleine Geschenke mitgebracht. Die Augen der Kinder leuchteten bei diesen Spenden. Sie konnten es kaum erwarten, die Päckchen zu öffnen. Als Dankeschön sangen sie das Lied „Hip hop, Schule ist top“ und malten Bilder, die sie den Gymnasiasten überreichten. Gemeinsam führten alle Schüler ein Pantomimenspiel durch, was allen sichtlich Freude bereitete. Die Kinder sind seit zwei bis vier Monaten in der Schule.

Ein großes Herz

„Spenden sind etwas für Bedürftige. Ihr habt ein großes Herz“, dankte auch Mariola von Ditfurth-Siefken den Gymnasiasten. Es heiße häufig, so Mariola von Siefkau-Ditfurth, dass Flüchtlinge in Deutschland über viel Geld verfügen. „Das stimmt nicht. Sie erhalten nur Sozialleistungen.“ Simone Henes: „Die Flüchtlinge kommen nicht mit dem Kühlschrank auf dem Rücken zu uns.“ Für ein Flüchtlingskind werden in Deutschland im Monat zwei Euro für Bildung, fünf Euro für Bücher und zwei Euro für Schreibwaren bereitgestellt. Mariola von Siefkau-Ditfurth: „Die Bibliothek in Burg nimmt für die Ausleihe im Monat fünf Euro.“ Die Diakonie in Hannover hat berechnet, dass pro Jahr 200 bis 400 Euro für Bildung pro Kind benötigt werden. „Unsere Kinder hier an der Schule sind die ersten Wochen mit Frauentaschen gekommen. Aber stolz darauf, dass sie zur Schule gehen dürfen. Ihre Eltern mussten für die Schulranzen sparen“, so Mariola von Ditfurth-Siefken.

Bilder

Zum besseren Verständnis für die Lage von Flüchtlingen in Deutschland erzählten Flüchtlinge aus Syrien und Afghanistan von ihren Fluchten und dem Leben in Deutschland.

Faride aus Afghanistan lebt seit fünf Jahren in Deutschland. „Es hat ein Jahr gedauert, bis wir von Afghanistan nach Deutschland gelangten“, erzählt Faride.

Zu Fuß war die Familie Tag und Nacht unterwegs. Nur mit zwei Taschen. Das beeindruckte die Gymnasiasten. Man sah es ihren Gesichtern an. Faride ist Schneiderin, ihr Mann Goldschmied. Sie haben fünf Kinder.

Vor Taliban geflohen

Die Eltern haben in Afghanistan einen Lebensmittelladen gehabt. „Mein Mann kam über eine andere Route, damit die Taliban uns nicht finden“, berichtet Faride. Noch hat sie keine Aufenthaltsgenehmigung für Deutschland. Sie arbeitet in einem Pflegeheim und macht dort eine Ausbildung. Sie kann aber keinen Führerschein machen. Das lassen die Gesetze in Deutschland nicht zu. Seit einem Monat hat sie nun ein eigenes Konto und kann sich Sachen kaufen.

Zwei ihrer Kinder besuchen die Grundschule. Zwei andere Kinder leben noch in England. Auf die Frage der Gymnasiasten, wie sie denn da Kontakt hält, antwortete Faride: „Nur über das Handy.“ Erstaunt zeigten sich die Gymnasiasten auch darüber, dass Faride Jeans trägt. In Afghanistan, so Faride, war das nicht möglich. Mariola von Ditfurth-Siefken: „Es wäre schön, wenn sie bleiben könnte. Afghanistan ist nicht sicher.“

Die syrische Moslem-Familie Daoud hat vier Töchter und einen Sohn. Vor elf Monaten kam Vater Bahzad, Apotheker, allein, die Familie fünf Monate später. Seit zwei Monaten absolviert er einen Deutschkurs in Friedensau. In Burg gibt es nicht genügend Schulen, die Deutschunterricht anbieten. Auch fehlen Wörterbücher. Tochter Rawa hat in Syrien zwölf Jahre die Schule besucht und studiert jetzt Apothekenwesen. „Deutsch ist eine schwere Sprache“. Aber Vater und Töchter können sich schon gut verständigen.

Klassenlehrerin Petra Büttner wollte von Familie Daoud wissen, was der größte Unterschied zwischen Syrien und Deutschland ist. Antwort: „In Deutschland ist alles gut.“ Und Mariola von Ditfurth-Siefken ergänzte: „Die Freundlichkeit ist sehr groß. Es wird geholfen. Man ist über Nachrichten auf Facebook miteinander vernetzt.“

Stoff zum Nachdenken

Das Treffen zwischen den Flüchtlingskindern und den Gymnasiasten sollte Stoff zum Nachdenken geben. Durch die Berichte von Faride und der Familie Daoud ist dies wohl gelungen. Aber auch die Flüchtlingskinder hinterließen mit dem, was sie in der kurzen Zeit schon alles gelernt haben, gewaltigen Eindruck. So sagte Hossam ganz stolz: „Ich mag die Schule.“ Und dem kleinen Flavio aus Albanien merkte niemand an, dass die Familie abgeschoben werden soll. Zum Abschied wurde manches Kind einfach mal herzlich gedrückt.