Rosian l Es ist fürchterlich kalt in dem kleinen Gotteshaus, aber noch interessiert das Martina Klinkert nicht. Die 28-jährige Dresdenerin lässt sogar den bereitgestellten Gasheizer aus. Denn die beim Heizen mit Gas entstehende Feuchtigkeit ist nicht gut für den historischen Mauerputz der Kirche. Und auf genau den hat es die angehende Restauratorin abgesehen.

Die Ursprünge des Rosianer Gotteshauses gehen auf das 13. Jahrhundert zurück. Im Bereich des Chores, vorne beim Altar, sind noch ein paar Wandmalereien aus der Zeit um 1500 mehr schlecht als recht erhalten geblieben. Sie zeigen in zwei Reihen Darstellungen von Heiligen. Erkennbar sind noch Petrus, Andreas, Paulus und Jakobus sowie ein Bischof.

Vielleicht hatte sich Martina Klinkert von diesen Beschreibungen leiten lassen, als sie das Rosianer Gotteshaus zum Gegenstand ihrer Diplomarbeit machte.

Bilder

„Man findet in dieser Kirche eine seltene Form von Mischtechniken“, erklärt Martina Klinkert. Sie hat Ritzungen untersucht, die vor Jahrhunderten in den feuchten Putz geführt worden waren, sie dokumentierte die sehr linearen und grafischen Darstellungen: „Eine sehr interessante Symbiose aus Malerei und Grafik. Das ist kunsttechnologisch spannend. Diese Zeichnungsart ist wenig erforscht“, ist sie begeistert. Vermutlich wurde in eine helle Tünche erst geritzt und dann mit Rötelfarbe gemalt. Als Vorlagen der damaligen Künstler, die heute nicht mehr bekannt sind, dienten möglicherweise Holzschnitte.

Im Winter folgen Auswertung und Analyse

An der Hochschule für Bildende Künste in Dresden studiert Martina Klinkert Kunsttechnologie, Konservierung und Restaurierung von Kunst und Kulturgut. Dort besucht sie die Fachklasse von Dr. Thomas Danzl. Ein Schwerpunkt liegt hier auf der Restaurierung von Wandmalerei und Architekturfarbigkeit.

Jetzt im Winter, wo es wirklich kalt in der Rosianer Kirche geworden ist, folgen die ersten Auswertungen der bisher gesammelten Erkenntnisse und Dokumentationen. Dazu gehört auch die chemische Analyse der Putz- und Farbproben.

Das Hauptziel der Untersuchung ist eine Bestandsaufnahme und damit verbunden ein Restaurierungskonzept für das Rosianer Gotteshaus. Das evangelische Kirchspiel Loburg-Leitzkau und die Hochschule in Dresden sind dafür eine entsprechende Vereinbarung eingegangen. Loburgs Pfarrer Georg Struz – auch für Rosian zuständig – sagt: „Wir hatten einen bezahlbaren Weg gesucht, die Malerei in der Kirche zu sichern.

Seit Mitte Oktober arbeitet Martina Klinkert in der Kirche, das Projekt wird wohl bis Juni 2016 dauern.

Was dann alles in der Kirche entsprechend des Konzeptes auch wirklich saniert werden kann, ist wohl eine Geldfrage. Es geht ohnehin nicht darum, die Kirche komplett neu auszumalen. Wer die wenigen überhaupt noch sichtbaren, aber verblichenen Farben und die überwiegend stumpfweißen Wände sieht, ahnt das auch. Struz und Klinkert machen deutlich: Der Bestand soll bewahrt und optimal präsentiert werden. Ästhetische Fehler und Störungen werden behoben, aber nicht aus der Fantasie neues hinzugemalt werden. „Es ist aber durchaus möglich, mehr von den Ausmalungen sichtbar zu machen, als bisher zu sehen ist“, glaubt Martina Klinkert.