Burg l Nach dem Austritt des FC Ostelbien Dornburg aus dem Landessportbund und dem damit verbundenen Ausschluss aus dem Fußballverband Sachsen-Anhalts (FSA) dürfen die Spieler nun bei anderen Vereinen unterkommen. „Sie dürfen sich ohne Sperre einen neuen Klub suchen“, erklärt Horst Wichmann, Präsident des zuständigen Kreisfußballverbandes Jerichower Land, im Gespräch mit der Volksstimme. Normalerweise müssten sie während der Saison außerhalb der Wechselfristen mit einer solchen Sperre rechnen. „Da sie aber in den vergangenen sechs Monaten durch den Ausschluss aus dem Spielbetrieb nicht gespielt haben“, ergänzt Christian Reinhardt, Geschäftsführer des FSA, „dürfen sie problemlos zu einem anderen Verein gehen.“ Sie haben sich sozusagen nicht festgespielt.

Die ersten Protagonisten hätten diesen Schritt auch schon getan. „Unseren Informationen zufolge ist ein Spieler im Salzlandkreis untergekommen“, sagt Wichmann. Noch habe es laut Reinhardt aber keine Gruppenwechsel der Akteure gegeben. Nach Informationen der Volksstimme ist mindestens ein Spieler auch innerhalb des hiesigen Kreisfußballverbandes gewechselt. „Wenn gegen die Spieler kein sportrechtliches Vergehen vorliegt, können wir sie auch nicht an einem Wechsel hindern“, erklärt Reinhardt. Man müsse sich schließlich an das Grundgesetz halten.

Zudem seien auch schon vor dem Austritt/Ausschluss einige gewechselt. Das bestätigte Vereinsanwalt Mario Hieke der Volksstimme bereits im Dezember. Aktuell war der Jurist für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Verein sucht Rat beim Verband

„Ein Verein kam auf uns als Kreisverband zu und hat um Rat gefragt“, sagt Wichmann. Sie wollten wissen, wie sie sich zu verhalten hätten und ob eine Aufnahme ratsam sei. „Da können wir natürlich nicht viel machen“, sagt der Kreisfußballchef weiter. „Wir haben die Kollegen angehalten, die beiden Spieler an den Ehrenkodex zu erinnern“, sagt er weiter. Generell könne aber jeder Verein für sich selbst sagen, dass er keine neuen Mitglieder aufnehmen möchte. Zudem dürfe man nicht alle Spieler über einen Kamm scheren. Der Verband werde die Augen offen halten, aber es gilt auch: „Jeder Mensch hat eine zweite Chance verdient“, betont Wichmann.

Dennoch sei das Problem an sich noch nicht behoben. „Durch den Ausschluss ist bei den Menschen ja kein Umdenken eingetreten“, beschreibt Reinhardt das weiterhin „akute“ Thema. „Es ist noch nicht zu Ende.“ Aus diesem Grund wird der FSA weiterhin wachsam sein und sich vor allem mit präventiven Maßnahmen beschäftigen. Schon seit Jahren betreibt er gemeinsam mit dem Landessportbund das Projekt „Menschlichkeit und Toleranz“. Es zielt darauf ab, die demokratischen Strukturen des Sports zu stärken und extremistischen Tendenzen entgegenzuwirken. Unter anderem gibt es Berater, die direkt vor Ort bei den Vereinen die Problemlösung betreiben sollen.

„Außerdem erarbeiten wir gerade im Auftrag des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) einen Leitfaden“, erklärt Christian Reinhardt. Dieser soll an die anderen Landesfußballverbände gehen und ihnen bei ähnlichen Situationen helfen.