Nedlitz l Bevor die Teilnehmer an einer Führung zu den Nedlitzer Mumien einen Blick auf die mumifizierten Körper von Herrn Hake und Frau Pforte werfen können, lernen sie die wechselhafte Geschichte der Nedlitzer Kirche und die Ausstellung „Tod und Begräbniskultur“ kennen. Es geht dem Förderverein der Kirche St. Nikolaus, der die Führungen organisiert, nicht darum, nur die Mumien zu präsentieren, sondern auch ein Nachdenken über Leben und Tod anzuregen, wie Vereinsvorsitzender Dr. Peter Weber immer wieder betont.

Dabei wird bei den Führungen oder auf der Internetseite des Fördervereins nicht verschwiegen, dass die Einheimischen früher auch nicht gerade zimperlich mit den Mumien umgegangen sind. Der eine oder andere Jugendscherz soll passiert sein.

Vor fünf Jahren fiel die Entscheidung, die Sarglage zu restaurieren. Vor allem die Körper der schon erwähnten Johanna Juliane Pforte und Robert Christian von Hake sind sehr gut erhaltene Mumien, deren Anblick alles andere als erschreckend oder unangenehm ist.

Jährlich 2000 Besucher

„Jährlich besuchen etwa 2000 Besucher aus dem In- und Ausland die Nedlitzer Kirche und lassen sich von Mitgliedern des Fördervereins über die Geschichte der Kirche und die Bestattungskultur zwischen dem 16. und 18. Jahrhundert in der Gruft informieren“, sagte Manfred Kuhnert. Er ist erster Ansprechpartner, wenn es um eine Führung in der Nedlitzer Kirche geht. Darunter seien immer mehr Reisegruppen.

„Seit dem vergangenen Jahr ist der Besuch der Ausstellung auch zu einem festen Bestandteil des Studierens ab 50 an der Otto-von-Guericke-Universität in Magdeburg geworden“, setzte Manfred Kuhnert hinzu.

Nicht zuletzt Besucher aus dem Ausland nutzten die Internetseite des Vereins und verknüpften ihre Deutschlandreise mit einem Abstecher nach Nedlitz. Unter anderem Gäste aus der Schweiz, Österreich und den USA konnten bislang begrüßt werden.

Amalie Alterauge, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Rechtsmedizin, Abteilung Anthropologie, in Bern beschäftigt sich seit gut einem Jahr mit den Nedlitzer Mumien.

Ihre Ergebnisse wird sie am Donnerstag, 28. Januar, um 19.30 Uhr in Nedlitz vorstellen. Nur so viel wurde bereits im Vorfeld bekannt: Es wird Überraschungen geben. Der Titel der Veranstaltung „Neuigkeiten aus der Gruft - Forensische Ergebnisse“ verspricht also nicht zu viel.

Mit Dr. Rosendahl, der vor drei Jahren die Restaurierung der Mumien wissenschaftlich begleitete, ist am Abend ein zweiter Experte vor Ort. Er wird in einem Vortrag über „Wenn Körper nicht vergehen - Mumifizierung in Natur und Kultur“ sprechen. Die Veranstaltung im Bürgerraum des Feuerwehrgerätehauses wendet sich an alle Interessierten.

Jeweils mittwochs und sonnabends ab 10 Uhr sind Führungen durch die Kirche und zur Gruft möglich. Andere Termine nach Absprache ebenfalls. Die Telefonnummer lautet: 039224/9 78 67.