Burg l „Bis zur 10. Klasse musste ich nicht allzu viel lernen, genau genommen gar nicht“, schmunzelt Laura Noßmann aus Burg. „Aber jetzt umso mehr, vor allem Mathe.“ Ihren erweiterten Realschulabschluss hatte sie mit 1,2-Notendurchschnitt „gebaut“. Damit war der Weg frei fürs Abitur-Machen am Fachgymnasium der Berufsbildenden Schulen „Conrad Tack“.

Lernen ist Pflicht

Beim Info-Tag am Sonnabend wollte sie niemanden verschrecken. Abitur an der „Tack“ ist aber keine reine Spaß-Veranstaltung. „Jetzt muss man lernen. Man darf es nicht auf die leichte Schulter nehmen“, sagt Laura

Das sehen auch ihre Mitschülerinnen Marie-Sophie Klitsch, Sophie Annecke und Josephine Grobler so. Alle vier stehen an diesem Tag ihren Lehrerinnen Inga Rohde und Susann Eiselt zur Seite, um vor allem den interessierten Acht- und Neuntklässlern zu berichten, wie es an der Schule läuft und ob es sich lohnt.

Natürlich ist Fachgymnasium anders als Sekundarschule. Etwa in Mathematik. Es ist kein einfaches Fach, wie Laura, Marie-Sophie, Sophie und Josephine wissen. Es ist ein Hauptfach und kann eben nicht abgewählt werden.

Mathe wesentlich

Gerade für Wirtschaft oder Technik ist Mathematik aber wesentlich, weiß Fachlehrerin Inga Rohde. Bei Rechnungswesen, Marketing, Betriebs- und Volkswirtschaftslehre steht Mathematik eben überall an.

„Die Umstellung in der 11. Klasse ist schon hart. Aber man wird nicht zurückgelassen. Die Lehrer sorgen dafür. Sie ziehen uns mit, sind immer da“, sagt Laura.

Persönlicher, familiärer

Das bestätigen auch die Fachlehrerinnen Inga Rohde und Susann Eiselt. „Die Klassen sind kleiner. Da geht es persönlicher, ja familiärer zu. Wir können uns viel intensiver kümmern“, sagt Susann Eiselt.

Auf dem Weg zum Abitur ist die 11. Klasse am Fachgymnasium das Vorbereitungsjahr. „Mich hat gewundert, wie unterschiedlich das Niveau war, als wir in der neuen Klassen mit Schülern aus verschiedenen Schulen zusammenkamen“, sagt Marie-Sophie.

„Es war schwierig, aber es hat mir den Weg geebnet“, findet Sophie. „Es ist mir schon schwer gefallen“, sagt Josephine. „Vor allem Mathe.“ Doch sie hat sich reingefuchst.

Laura macht Abitur mit dem Fachprofil Gesundheit. „Das ist eine gute Vorbereitung auf Medizin. Wir beschäftigen uns mit Krebs, waren schon bei einer Operation dabei, haben ein Herz seziert.“

Sophie findet aber auch: „Das Klassenklima ist besser. Es ist reifer.“ Sie will nach dem Abitur Geschichte studieren. „Das interessiert mich.“ Auch Lehramt kann sie sich vorstellen - für Geschichte natürlich.

Marie-Sophie will etwas mit Kindern machen. „Das interessiert mich mein ganzes Leben schon. Ich möchte ihnen auf ihrem Weg helfen, vor allem, wenn er nicht einfach ist.“

Da kann das Abitur Chancen eröffnen: Josephine und Laura haben noch ein Jahr an der „Tack“. Für Marie-Sophie und Sophie stehen jetzt die Prüfungen vor der Tür.

Mit dem Info-Tag ist Koordinatorin Dr. Gabriela Stein mehr als zufrieden. Der Zuspruch war gut. Erste Bewerbungen brachten Schüler schon am Tag mit. Besonders der Zuspruch für das Technik-Abi-Profil macht Gabriela Stein Hoffnung. Es war der zweite Anlauf. Im vorigen Jahr kam die Klasse nicht zustande. Es gab nur vier Bewerbungen.

15 Schüler wären nötig, um eine solche Klasse aufzumachen. Die Wirtschaft ruft nach Ingenieuren, die Universitäten und Fachhochschulen wollen sie ausbilden. Auch das duale Studium, wenn der Betrieb im Beruf ausbildet und zum Studium entsendet, wird mit dem Abschluss zur realen Chance.

Bis 18. März sind Bewerbungen möglich, zunächst mit dem Halbjahreszeugnis. Dass der erweiterte Realschulabschluss oder der Zugang zur gymnasialen Oberstufe geschafft wurde, muss dann nachgereicht werden.

Kein Schmalspur-Abi

Das Abitur am Fachgymnasium entspricht dem, was an den Gymnasien erteilt wird. „Das ist absolut kein Schmalspur-Abitur“, sagt Lehrerin Susann Eiselt. Es gibt die gleichen Pflicht- und Wahlfächer. Das Besondere ist eben ein berufsfachliches Profil. In Burg sind es Gesundheit und Soziales, Wirtschaft und Technik.

Doch das Fachgymnasium ist mehr als nur Schule: Im Winter gibt es jedes Jahr einen Skikurs in Österreich.

Und es wird eine Patenschaft zu einer Berufsschule in Frankreich gehalten. Auch im vorigen Jahr gab es eine Fahrt dorthin. Sophie Annecke war mit und ist immer noch begeistert: „Es war unheimlich spannend.“

Zurzeit besuchen knapp 1500 Schüler die Berufsbildenden Schulen in Burg. 140 davon gehen auf das Fachgymnasium, 120 auf die Fachoberschule.