Burg/Möser l Erinnerungslücken, Feindschaft unter einigen Kameraden und die Suche nach einem Motiv kennzeichnen am Mittwochmorgen den Prozess am Burger Amtsgericht um eine Schlägerei während der Jahreshauptversammlung der Ortsfeuerwehr Möser im Februar 2015. Angeklagt ist Martin I. (*). Er soll laut Vorwurf der Staatsanwaltschaft am 6. Februar kurz vor Mitternacht einen Kameraden mit dessen Krawatte gewürgt haben, so dass dieser ins Krankenhaus gebracht werden musste.

Der 45-Jährige kann sich an jenen Abend nur bruchstückhaft erinnern. Die Polizei stellte damals bei dem 45-Jährigen einen Atemalkoholwert von 1,5 Promille fest. Erinnerungen an eine Schlägerei fehlen. Er könne sich nur daran erinnern, wie sich das Opfer Daniel B. darüber beschwerte, dass ein weiterer Kamerad nicht befördert wurde. „Danach wollte ich dann nach Hause. Mein Bruder hat mich dann blutverschmiert auf der Treppe angehalten. Was genau vorgefallen ist, weiß ich nicht mehr“, so der Angeklagte. „Ich hatte aber keinen Grund ihn anzugreifen“, stellt der 45-Jährige klar.

„Sonst wäre ich tot gewesen.“

Diesen Grund kann auch das Opfer am Mittwochmorgen nicht konkret benennen. „Ich weiß nicht, was er für Probleme mit mir hat“, sagt B. Der 22-Jährige erinnert sich, wie er an diesem Abend einen Schlag von hinten bekommen habe, die Treppe herunterstürzte, gegen die Wand prallte und bewusstlos liegen blieb. Als er wieder zu sich kam, wurde er gewürgt. Er habe nach Hilfe geschrien. Zwei Kameraden rissen den Täter von ihm runter. „Sonst wäre ich tot gewesen“, sagt das Opfer aus. Doch den Täter gesehen hat er nicht, da sein Gesicht durch den Aufprall nach dem Treppensturz geschwollen und blutverschmiert war. „Ich bin mir aber sicher, dass es der Angeklagte war“, so Daniel B. gestern vor Gericht.

Warum er sich so sicher ist, konnte er trotz mehrmaligem Nachfragen der Richterin Konrad nicht beantworten. Doch schon vor dem Vorfall auf der Jahreshauptversammlung sei die Beziehung zwischen den beiden angespannt gewesen. „Es gab Krieg zwischen uns“, dramatisiert B. vor dem Burger Amtsgericht. Auf einer früheren Feier der Feuerwehr habe der Angeklagte eine Freundin des Opfers beleidigt. „Dafür habe ich ihn damals eine reingehauen“, erklärt Daniel B. Auch das Verhältnis zu den beiden Kindern des Angeklagten, mit denen Daniel B. gemeinsam in der Jugendwehr aktiv war, sei schlecht. „Er hat einfach eine Hasskappe auf mich“, sagt B. und schaut dabei zur Anklagebank.

Weitere Zeugen werden nicht mehr gehört. Das Gericht, der Staatsanwalt und auch der Angeklagte mit seinem Verteidiger einigten sich auf einen minderschweren Fall von Körperverletzung. Das Verfahren wurde gegen die Zahlung von 1500 Euro an den Förderkreis krebskranker Kinder Magdeburg eingestellt. Der Angeklagte hat bis zum 31. Mai Zeit, die Summe zu überweisen. Ansonsten wird das Verfahren wieder aufgenommen.

Mit der Einstellung des Verfahrens scheint die Geschichte aber noch nicht zu Ende zu sein. Beide Beteiligten, die nach dem Vorfall keinen Dienst mehr in der Feuerwehr getätigt haben, wollen wieder zurückkommen. „Seit über einem Jahr spricht keiner der Kameraden mehr mit mir“, sagt der Angeklagte aus. „Wie stellen Sie sich dann eine Rückkehr vor?, wollte Richterin Konrad wissen. „Schwierig“, so der Angeklagte.

* Namen von der Red. geändert