Burg l Die große Mehrheit des Stadtrates hat ihre Auffassung über den Nutzen einer Ortsumgehung für Burg geändert. Gab es 2013 noch ein Votum für solch ein Großprojekt, hat sich das Blatt mittlerweile gewendet – zur Überraschung vieler.

Der Stadtrat sollte Donnerstagabend im Rahmen des Bundesverkehrswegeplans 2030 seine Stellungnahme abgeben, weil die Frist dazu Anfang Mai abläuft. Das Thema hatte es schon deshalb in sich, weil der Entwurf des Bundesverkehrsministeriums eine andere Trassenführung aufzeigte, als die Stadt vor drei Jahren eingereicht hatte (Volksstimme berichtete). Im Kern wäre die neue Umgehung dichter an die Siedlung gebaut worden, hätte Ober-Gütter tangiert und Reesen eingeschlossen.

Um diese strittigen Punkte wiederum auszuräumen, hatte Sachgebietsleiter Sven Wagener eine geänderte Variante präsentiert, die im Gremium aber kaum Beachtung fand.

Nach einem Wirrwarr zu Anträgen und Änderungsanträgen entbrannte wie 2012 eine Grundsatzdiskussion über Sinn oder Unsinn einer solchen Umfahrung. Einzelhändler Gerry Weber (CDU) lehnte ein solches Projekt nach wie vor kategorisch ab: „Für die gewerbliche Struktur wäre dies eine Katastrophe.“

Schützenhilfe leistete der Reesener Ortsbürgermeister Otto Voigt (SPD-Fraktion). Er verwies auch auf die klare Meinung des Ortschaftsrates zu den Auswirkungen eines solchen Vorhabens. Ein Beispiel sei die negative innerstädtischen Entwicklung von Handel und Gewerbe in der Nachbarstadt Genthin. Auch die örtliche Jagdgenossenschaft, also die Gemeinschaft der Flächenbesitzer, stehe einer B1 n (neu) skeptisch gegenüber, sagte Voigt.

Vor allem die Folgen für Handel und Gewerbe seien alles andere als positiv, meinte Linke-Fraktionschefin Kerstin Auerbach. Auch sie schlug den Bogen zu Genthin. „Die Innenstadt ist jetzt mit der Umgehung tot.“

Erfahrungen

Stadtratsvorsitzender Markus Kurze (CDU) appellierte, auf die Erfahrungen der Nachbarstädte zu hören. So seien die Meinungen in Genthin oder Gommern eindeutig. „Die sagen, wir sollen das bloß nicht machen.“ Auch die Auffassungen von Burger Firmen, die eine Umgehung ablehnen und mit deutlichen Einbußen rechnen, müssten berücksichtigt werden. Kurze erinnerte an eine Unterschriftenliste von 20 Unternehmen. Ähnlich äußerte sich Bürgermeister Jörg Rehbaum (SPD): „Unternehmen haben sich historisch gesehen schon immer an Handelsstraßen niedergelassen.“

Auf den zunehmenden Autoverkehr und die Lärmbelästigungen verwiesen hingegen die Befürworter einer Umfahrung. Clemens Engel (CDU) wohnt an der B 246a: „Morgens um 5 Uhr ist die Nacht zu Ende. Und wenn die Autobahn zu ist, wälzt sich alles durch Burg.“ Dass Lärm auch ein Grund für viele Erkrankungen sei, machte Dr. Hans-Norbert Wolffgang (Fraktion Dr. Wolffgang/Erben) deutlich. Zudem werde der Lkw-Verkehr weiter zunehmen. Das sah auch SPD-Fraktionschef Heiko Jerkowski so. „Es werden im Fernverkehr nicht weniger Autos, sondern mehr. Deshalb sei eine ortsferne Umgehung sinnvoll. „Unsere Enkel werden es nicht verstehen, wenn wir anders entscheiden.“

Eckard Burmester, der auch an der B1 wohnt, mahnte den enormen Lärmpegel in diesem Bereich an, unter dem viele Burger zu leiden haben. Und: „Wir würden uns eine große Chance entgehen lassen.“

Die Abstimmung war jedoch eindeutig: 27 zu acht Stimmen gegen die Umgehung.