Burg/Genthin l Bundesweit leiden die Menschen vor allem an Rückenschmerzen, Infektionen der Atemwege oder Zahnerkrankungen. Dazu kommen weitere Erkrankungen, die zu Krankschreibungen führen. Im Jerichower Land waren im Jahr 2015 Arbeitnehmer durchschnittlich 20,9 Tage, und damit einen halben Tag länger als noch im Jahr zuvor, arbeitsunfähig. „Damit liegen die Krankschreibungen im Landkreis zwar geringfügig unter dem Landesdurchschnitt, jedoch drei Tage über dem Bundesdurchschnitt“, sagt Thomas Nawrath, Pressesprecher der Barmer GEK in Sachsen-Anhalt.

Auch wenn das Jerichower Land etwas gesünder dasteht als der Durchschnitt Sachsen-Anhalts, stimme es die Krankenkasse nachdenklich, dass die Dauer der Krankschreibungen 2015 im Vergleich zum Vorjahr weiter angestiegen ist. 2014 fehlten die Versicherten im Jerichower Land im Schnitt 20,39 Tage. Eine mögliche Ursache sei auch die Zunahme der Atemwegserkrankungen wie Grippe und grippaler Effekt. So stieg die Zahl der Grippe-Kranken im Jerichower Land von vier im Jahr 2014 auf 176 im Jahr 2015. In diesem Jahr sind es bereits 362 Grippe-Erkrankungen. „Insofern erwarten wir auch im Jahr 2016 keinen Rückgang der Krankschreibungen“, sagt Nawrath.

Die längsten Krankschreibungen von Mitarbeitern im Jerichower Land resultieren aus Krankheiten des Muskel-Skelett-Systems (4,4 Fehltage). Es folgen Krankheiten des Atmungssystems (3,5), der Psyche und Verhaltensstörungen (3,3) sowie Verletzungen (2,7). „Deutlich über dem Bundesdurchschnitt liegen die Krankschreibungen unserer Versicherten in Sachsen-Anhalt bei Wirbelsäulen- und Rückenbeschwerden sowie bei akuten Infektionen der oberen und der unteren Atemwege“, ergänzt der Krankenkassensprecher.

Die Gründe dafür seien zwar spekulativ, aber: „Nach unseren Beobachtungen gibt es hier oftmals noch immer einen sorgloseren Umgang mit der eigenen Gesundheit als beispielsweise in Süddeutschland. Regelmäßige sportliche Aktivität und gesunde Ernährung genießen bei den Berufstätigen in Sachsen-Anhalt nur selten einen hohen Stellenwert“, betont Nawrath. Zudem sei weiterhin die demografische Entwicklung, die sich negativ in der Statistik niederschlage, nicht von der Hand zu weisen. „Wo vor 25 Jahren viele junge Menschen weggezogen sind, fehlen heute die mittleren und jüngeren Jahrgänge und es gibt eine Überalterung der Bevölkerung“, ergänzt der Pressesprecher.

Der Krankenstand werde gerade in Zeiten rückläufiger Ausbildungs- und Facharbeiterzahlen zunehmend zu einem Gradmesser für die Personalpolitik. Die Folge ist: Einige Firmen und Behörden bieten bereits ein gezieltes Gesundheitsmanagement an, um den Krankenstand zu reduzieren und auch ältere Mitarbeiter länger fit zu halten.

Die gesündesten Sachsen-Anhalter kommen laut Barmer übrigens aus dem Altmarkkreis Salzwedel (18 Tage) und dem Landkreis Stendal (18,6 Tage). Die Landkreise Mansfeld-Südharz (22,2) und Anhalt-Bitterfeld (22,5) bilden die „gesundheitlichen Schlusslichter“ im Bundesland. Gerade ein Blick nach Anhalt Bitterfeld bereitet der Krankenkasse Sorgen. 27 Prozent liegt der Krankenstand hier über dem Bundesdurchschnitt. „Auf Dauer ist das natürlich zu hoch. Und deshalb ist es richtig, dass sich der Landkreis bemüht, gemeinsam mit Sportvereinen, Kommunen, Firmen und Krankenkassen die Präventionsangebote zu bündeln und so mittelfristig den Gesundheitszustand in der Region zu verbessern“, betont Nawrath.