Burg l Wenn andere erst langsam aus den Federn kommen, ist Andreas Höll schon unterwegs – als Ermittler. Wie die anderen Mitstreiter der fünfköpfigen Truppe ist er in dieser Eigenschaft acht Stunden in der Woche in der Stadt anzutreffen. Es ist ein Nebenverdienst, der nicht jedem liegt. Konsequenz auf der einen Seite und Einfühlungsvermögen auf der anderen bestimmen den Alltag. „Wir sind ja keine Detektive, sondern gehen offen und freundlich auf die Bürger zu“, sagt der 53-Jährige. Sein Vorteil: Höll ist ein waschechter Burger, der fast jeden kennt – und weiß, wie er den einen oder anderen zu nehmen hat.

Viele haben Verständnis

Ein altbekanntes Problem ist das Parken im Halteverbot von 7 bis 8 Uhr, wenn die Kehrmaschine den Dreck aufsaugen soll. Wie in der Friedenstraße. Während dieser Zeit muss der Abschnitt frei sein. Doch es gibt immer wieder Fahrzeuge, die noch abgestellt sind. Jetzt ist der Ermittler gefragt. Nach Aufnahme der Daten haftet ein Zettelchen am Scheibenwischer eines Pkw. 15 Euro muss der Halter nun zahlen, eine Ordnungswidrigkeit. „Beim nächsten Mal wird er sich bestimmt daran halten, dass während dieser einen Stunde nicht geparkt werden darf“, sagt Höll. „Das muss eben sein.“ In solchen Situationen müsse man zum Stift greifen, sagt der Familienvater bestimmend. „Die meisten Bürger haben dafür auch Verständnis und wissen, dass wir hier nicht die Sheriffs spielen.“

Im Gegenteil. Ganz oft würden die Ermittler angesprochen und auf Schmierereien, wilde Müllhaufen oder übermäßiges Unkraut im öffentlichen Bereich angesprochen. Gerade in dieser Zeit, wo Regen und Sonne das Grün besonders üppig wachsen lassen, vernachlässigten manche Grundstücksbesitzer ihre Pflichten. Wie auch in der Johannestraße in der Altstadt, wohin die Fahrt führt. An der ohnehin schmalen Straße wuchert das Unkraut vermutlich schon einige Zeit auf die Fahrbahn. Andreas Höll dokumentiert den Fall, damit die Kollegen im Ordnungsamt den Besitzer herausfinden und ihn auffordern können, in diesem Bereich schnellstmöglich Hand anzulegen. „Das kann mitunter aufwendig sein, ist aber nötig. Denn wir haben alle Interesse an einer sauberen Stadt“, begründet Höll. Bei manchen Eigentümern sei die Post von der Stadt dann eine Art Lerneffekt. „Wir zeigen die Fehler auf, nichts weiter.“

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Alles in Ordnung

Die Ermittler-Tour führt zum Parkplatz Deichstraße. Hier kontrolliert Höll, ob die Parkscheiben gut sichtbar und richtig eingestellt in den Ablagen liegen und die Schwerbehindertenparkplätze nicht widerrechtlich zugeparkt sind. Alles in Ordnung.

Das gleiche Prozedere folgt am Parkplatz Stadthalle. Ein älterer Mann hat es offenbar eilig. Er stellt seinen Wagen ab und will schnellen Schrittes Richtung Bahnhofstraße gehen. Dass Andreas Höll fast auf Tuchfühlung neben ihm steht, bemerkt der Rentner gar nicht. Nach zwei Metern fragt Höll den Senior ganz freundlich, ob er nicht etwas vergessen habe. Der stutzt erst und geht schnell zum Auto, um die Parkscheibe einzulegen. „Eigentlich habe ich nur einen Weg von zwei Minuten“, sagt der Mann. „Aber ich weiß: Es muss sein.“ Höll und der Rentner wechseln noch einige Worte, bevor der Ermittler wieder in seinen Skoda steigt und einen weiteren illegalen Müllhaufen, auf den Einwohner hingewiesen haben, dokumentieren will.

Anschließend geht es in die Stadtverwaltung, wo die Ermittler ihr Büro haben und die Fälle mit den Kollegen im Ordnungsamt detailliert ausgewertet werden. Für Fachbereichsleiter Jens Vogler ist die Arbeit der Ermittler in jedem Fall ein Gewinn für die Stadt: „Wir haben das Projekt über zwei Jahre vorgesehen. Ich empfehle eine Verlängerung auf unbestimmte Zeit. Die Präsenz des Ordnungsamtes hat sich erhöht. Und es gibt einen direkten Draht zur Bevölkerung.“