Gommern: Schlendern durch die Rathenauer

Ab Sonntag zeigt der Heimatverein Gommern seine neue Sonderausstellung zur Entwicklung der Straßen der Stadt

In wenigen Schritten durch die Stadt nimmt die neue Sonderausstellung des Heimatvereins Gommern mit. Die Straßen des Stadtkerns wie die Walther-Rathenauer-Straße stehen im Mittelpunkt.

Als die historische Ansichtskarte verschickt wurde, handelte es sich bei den Häusern in der Burgstraße noch um Neubauten.
Als die historische Ansichtskarte verschickt wurde, handelte es sich bei den Häusern in der Burgstraße noch um Neubauten. Repro: Heimatverein Gommern

Gommern - mla

Groß war die Freude und Erleichterung im Heimatverein Gommern, als feststand, dass die Sonderausstellung zu den Gommeraner Straßen am Sonntag eröffnet werden kann. Die Besucher müssen lediglich einen Mund-Nase-Schutz tragen und die Abstandsregeln einhalten.

Jeweils in einer Vitrine werden mit vielen Fotografien, Dokumenten und Exponaten die Salzstraße, Manheimerstraße, Walther-Rathenau-Straße, Karither Straße, Hagenstraße, Brauhausstraße und Bahnhofstraße vorgestellt.

Wer in Gedanken den Stadtkern durchquert, wird die größte Straße vermissen. Die Martin-Schwantes-Straße – früher Breite Straße – erhält zu einem späteren Zeitpunkt eine eigene Sonderausstellung. Die Gommeraner Hauptstraße bietet so viel Geschichte und Geschichten, dass das umfangreiche Material unmöglich in eine Vitrine eingepasst werden konnte.

Schlossmühle und Wasserburg in Gommern sind prägend

Im Februar 1947 fasste der Magistrat den Beschluss, die bisherige Burgstraße in Walther-Rathenau-Straße umzubenennen. Prägend für die Straße sind ihre repräsentativen Gebäude, mit der Wasserburg und der Schlossmühle an der Spitze. Von der ehemaligen Schuhfabrik, die über hundert Jahre den Straßencharakter prägte, ist nach ihrem Abriss eine Brache übriggeblieben.

Eine Adresse in der Burgstraße hatte früher auch die bekannte Gärtnerei C. A. Krause (Burgstraße 5a). Über ihre Geschichte berichtet der Heimatverein in seiner Dauerausstellung im Raum des Handwerks.

Zudem hat Fritz Heicke einen Aufsatz über die Geschichte des Grundstücks geschrieben, beginnend mit der urkundlichen Ersterwähnung 1422 für Heinrich Alemann aus Magdeburg. Er erhielt von Albrecht III., Herzog von Sachsen, zwei Burglehen in Gommern und den Hof vor dem Schlosse nebst Zubehör. Als Magdeburg im Dreißigjährigen Krieg völlig zerstört wurde, hatten die Alemanns mit ihrem Gommeraner Besitz noch Glück im Unglück.

Über die Schicksale der Menschen in der Burgstraße

Wohnhaft waren in der Burgstraße unter anderem die wohlhabenden Steinbruchbesitzer Louis und Richard Schröder. Dieter Dreyer verwies in „Gommern und Umgebung in alten Ansichten“ auf den Anbau des Treppenhauses 1890 an das Haus in der Burgstraße 4 und auf das neue Tor an der Grundstückszufahrt 1905. Ein Enkel Richard Schröders war Eberhard Nachmann, der nach Kriegsende 1945 kurzzeitig Bürgermeister in Gommern war und 1953 für seinen Versuch, am 17. Juni für Ruhe zu sorgen, wegen Landfriedensbruch zu einer mehrjährigen Haftstraße verurteilt wurde. Nachmann wohnte mit seiner Frau in der Walther-Rathenau-Straße 6. Das Haus ist seit vielen Jahren für seine wunderschöne Magnolie im Vorgarten bekannt.