Burg | In der Kreisvolkshochschule leitet sie am Donnerstagabend, 21. März, ein Seminar zum Thema. Mit Volksstimme-Redakteurin Susanne Klose hat sie vorab über Träume, Analysen und den Wert für den Menschen gesprochen.

Volksstimme: Frau Preß, braucht das Jerichower Land eine Traumanalyse?

Johanna Preß: (lacht) Gute Frage! Das Interesse scheint es zu geben. Das Land braucht sicher keine Traumanalyse! Aber, zu dem Thema: ‚Warum träumen wir und kann man Träume interpretieren‘, habe ich schon mehrere Vorträge gehalten und wurde nun von der Kreisvolkshochschule Jerichower Land angefragt. Ob ein Mensch, der unter seinen Alpträumen leidet, Hilfe bei der Interpretation seiner Träume braucht, oder Aufarbeitung von traumatischen Erlebnissen, wird jeder für sich selber entscheiden.

Schlägt Ihnen oft Skepsis entgegen?

Ja auch. Jedoch kommen eher Menschen, die für das Thema aufgeschlossen sind. Natürlich gibt es auch Leute, die sagen: „Träume sind Schäume“. Tiefenpsychologisch-analytisch ausgebildete Therapeuten tuen die Träume nicht als Quatsch ab, da das interpretieren manchem Klienten schon geholfen hat, sich selber besser zu verstehen. An der Bedeutung eines Traumes zu arbeiten liegt mir näher als das Deuten. Träume beispielsweise in eine Therapie einzubeziehen, ist Teil einer psychoanalytischen Behandlung. Dennoch, nicht jeder Traum ist bedeutsam. Aber die Träume, die wir uns merken, die uns manchmal noch über den Tag begleiten, uns Rätsel aufgeben, können uns bei der eigenen Persönlichkeitsentwicklung helfen.

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Was können wir aus unseren Träumen für Erkenntnisse ziehen?

Träume bieten uns teilweise einen Zugang zu unserem Unterbewusstsein und damit zu unserem verschütteten Potenzial. Unser Unbewusstes ermöglicht uns nicht selten einen Blick in Verdrängte Inhalte, die durch Prägungen aus der Kinderzeit in uns Hemmungen oder übertriebene Moralvorstellungen zurück lassen. Im Traum kommen wir manchmal der Lösung von Konflikten auf die Spur. Die Entschlüsselung von Träumen und Alpträumen, die nicht selten gerade durch ängstigende und gruslige Übertreibungen etwas Wichtiges für den Träumer thematisieren wollen, helfen verborgene Seiten unseres Selbst zu erkennen.

Warum träumen wir überhaupt?

Damit unser Gehirn das, was wir am Tage erlebt haben, verarbeitet. Wichtiges wird vom Unwichtigen getrennt, was nicht gebraucht wird, sinkt ins Vergessen. Gleichzeitig bringen wir unsere Erfahrungen aus der Vergangenheit sowie auch zukünftige Vorhaben in Verbindung mit dem, was gerade ist. Der Zugang zu unserem Unbewussten und all dass, was uns im Hier und Jetzt beschäftigt, gelangt so in unsere Träume.

Was sagen denn dann Albträume über mein Seelenleben aus?

Da sollte man zunächst unterscheiden zwischen „normalen“ Albträumen, also beispielsweise wenn ich träume, dass mich jemand verfolgt. Oder aber ob es sich um Träume nach einem selbsterlebten Trauma handelt, wo in Traumszenen immer wieder das Schreckliche reproduziert wird, beispielsweise ein schwerer Unfall. Nehmen wir das Beispiel eines aggressionsgehemmten Menschen. Möglicherweise träumt er, dass er gewalttätig ist – eine Schattenseite der Persönlichkeit.

Haben Sie in Ihrer Arbeit auch Fälle gehabt, in denen eine Traumanalyse den Patienten einen entscheidenden Schritt nach vorn gebracht hat?

Ja, definitiv. Ich hatte eine Patientin, die öfter die gleichen „Filmszenen“ träumte: Eine Puppe sitzt in einem Auto, dass immer wieder im Kreis fährt, obwohl sie das gar nicht will. Ihr Ehemann stand in diesem Traumszenario am Rand der Szene und immer, wenn die Puppe an ihm vorbei fuhr, rief er ihr zu: ‚Fahr weiter ‘. Nach einem Gespräch über diesen Traum kam sie mit etwas Hilfe auf die Idee, dass sie selbst das Püppchen sein könnte und sie im Leben das Gefühl hat, auf der Stelle zu treten. Der Vater hatte sie und später der Ehemann immer „meine Puppe oder Püppchen“ genannt.

Sie hatte in dem Modus gelebt – ich will denen, die mich lieben, gefallen – und war für sie das Püppchen geblieben. Das hatte als Kind gut funktioniert, aber nicht mehr in einer Lebensphase, in der sie Weiterentwicklung brauchte, weg von der Marionette, die immer gut funktionierte, sondern hin zu eigenen Aktivitäten, die Ihr Mann zunächst nicht verstand. Es ging darum, eigene Lebensinhalte zu finden, verbunden mit dem Gefühl von Lebendigkeit. Dieser innere Zwiespalt zeigte sich in ihrem Traum. Als sie das begriffen hatte, hörte der Traum sofort auf.

Berühren Sie solche Fälle?

Ja, sehr! Wenn ein Patient durch eine Traumanalyse und im therapeutischen Gespräch eine Erkenntnis gewinnt, ist das schon toll. Eine Psychotherapie ist ein Prozess, der unter Umständen mit seelischem Schmerz einhergeht. Wenn der Betreffende eine Erkenntnis gewinnt, manchmal auch durch die Interpretation eines Traumes und dadurch in der Selbsterkenntnis einen ganz neuen Entwicklungsschritt wagt. Das ist ein gutes Gefühl für Patient und Therapeut.