Körbelitz/Lostau l Die Bahnbrücke zwischen Lostau und dem Vorwerk Körbelitz ist abrissreif. Das hatte 2016 eine Untersuchung ergeben. Der Landkreis hatte die Verantwortung für die Brücke rund ein Jahr zuvor an die Gemeinde Möser übertragen. Deren Gemeinderat fasste 2018 einen Grundsatzbeschluss: Die Brücke soll abgerissen und mit finanzieller Beteiligung der DB wieder aufgebaut werden.

Von Autofahrern wird die Brücke nicht genutzt. Zum einen ist sie für den Autoverkehr zu marode. Zum anderen sind die Zufahrten für den öffentlichen Verkehr gesperrt und auch nicht geeignet. Deshalb nutzen ausschließlich Fußgänger und Radfahrer die Brücke. Radfahrer auch deshalb, weil es keinen Radweg zwischen Lostau und Körbelitz entlang der Landesstraße 52 gibt.

250.000 Euro für Abriss der Brücke

In Vorgesprächen hatten Vetreter der Deutschen Bahn gegenüber der Gemeindeverwaltung von einer 50-prozentigen finanziellen Beteiligung an Abriss und Neubau der Bahnbrücke gesprochen, wie Bauamtsleiter Uwe Gent am Dienstagabend im Bau- und Verkehrsausschuss sagte. Als dann der erste Entwurf einer Vereinbarung vorlag, sei seitens der Bahn nur noch von einer Beteiligung von 15 Prozent die Rede gewesen.

Allein der Abriss der Brücke wird nach aktuellen Berechnungen aber 250.000 Euro kosten. Ein Neubau ist mit 1,3 Millionen Euro veranschlagt. Ein zu großer finanzieller Brocken, meinte Gent im Bauauschuss.

Die Verwaltung hatte darüber hinaus den Entwurf der Vereinbarung mit der DB durch einen Fachanwalt überprüfen lassen. Der hatte schlechte Nachrichten: Weil eine durchgängige Widmung der Straße, auf der die Brücke liegt, nicht gegeben ist, greift das so genannte Eisenbahnkreuzungsgesetz möglicherweise nicht. Das Gesetz gilt nur für öffentlichen Straßen. Die Bahn müsste sich deshalb gegebenenfalls gar nicht an den Kosten beteiligen.

Fachanwalt hatte schlechte Nachrichten

Wegen der Corona-Pandemie im vereinfachten schriftlichen Verfahren, hatte die Gemeindeverwaltung dem Gemeinderat nach diesen Erkenntnissen vorgeschlagen, den Grundsatzbeschluss zum Neubau aufzuheben und die marode Brücke lediglich abzureißen. Dem stimmte die SPD-Fraktion nicht zu. Die Angelegenheit sei zu umfänglich, um sie ohne Beteiligung der Ausschüsse und Ortschaftsräte zu behandeln. Also war der Tagesordnungspunkt zurückgezogen worden.

Brücke werde nicht gebraucht

Die Mitglieder des Bau- und Verkehrsausschusses waren sich am Dienstag aber schnell einig, an dem Grundsatzbeschluss zum Neubau nicht festzuhalten. Marko Simon (SPD) sagte: „Ich hatte damals schon meine Bauschmerzen damit.“ Die Finanzierung eines Neubaus könne man nicht vertreten. Dagmar Gericke (SPD) meinte, die Brücke werde auch nicht gebraucht. Sie sei regelmäßig dort unterwegs. Fußgänger und Radfahrer würden ihr dort aber nicht begegnen. „Ich sehe da nie jemanden drüber gehen. Das ist eine Brücke, die sinnlos ist.“

Einstimmig verwiesen die Mitglieder des Bau- und Verkehrsausschusses einen Vorschlag in den Gemeinderat, wonach der Grundsatzbeschluss gekippt werden soll. Der Abriss soll vorgenommen werden, einen Neubau soll es aber nicht geben. Nun hat der Gemeinderat das letzte Wort.

Fundament der Brücke wird bleiben

Bauamtsleiter Uwe Gent erklärte zum Abriss: „Es werden bei den Arbeiten Brücke und Pfeiler weggenommen. Das Fundament bleibt drin.“ Das wolle die Deutsche Bahn später im Zuge eigener Bauarbeiten an der Strecke beseitigen. Zu einer finanziellen Beteiligung der Bahn am Abriss würden weitere Gespräche geführt.