Möckern l „Die Abstinenz ist der wichtigste Besitz. Das klingt leicht, ist aber sehr schwer“, sagte Wolfgang Auerbach in seiner Begrüßungsrede zu den zahlreich erschienenen Gästen. Darunter zahlreiche „trockene“ Alkoholiker. Menschen, die den Weg aus der Sucht geschafft haben. „Wer sagt, er hätte das ganz alleine geschafft, der schummelt. In der Nassphase hilft dir eine ganze Armee“, so der Leiter der Suchtkrankenhilfe weiter. Auerbach ist eines der Gründungsmitglieder der Suchtkrankenhilfe. Was vor einem Vierteljahrhundert als Freundeskreis einiger Betroffener in Burg begann, ist heute ein gut organisiertes Projekt unter der Trägerschaft des Deutschen Roten Kreuzes mit Anlaufstellen in Burg, Möckern und Gommern.

Längst ist aus der reinen Selbsthilfe schon Hilfe für andere geworden. Die Suchtkurve organisiert die ehrenamtlichen „Tafeln“ in Möckern und Gommern. Darüber hinaus Kleiderkammern und Gebrauchtmöbellager. Eigentlicher Sinn dieser Angebote ist die Beschäftigung der Klienten, wie Auerbach all jene nennt, die bei der Suchtkurve Hilfe suchen. Tagesstruktur ist das „A und O“. Ohne Beschäftigung keine Abstinenz, lautet die Regel. Wer etwas mit den Händen zu tun hat, kann keine Flasche halten, lautet das Motto.

Wohnidyll für Klienten

Und die Hände hatten viel zu tun. In Möckern haben die Mitglieder der Suchtkurve aus einem ruinösen Fabrikgelände ein kleines Wohnidyll für Klienten gemacht. Hier, zwischen Streuobstwiesen und Kreativwerkstatt wurde das Jubiläum am Sonnabend gefeiert. Auerbach konnte viele ehemalige Klienten begrüßen. „Es ist ein großes Geschenk, wenn man die Leute nach 15 Jahren wieder trifft und sie immer noch trocken sind“, sagt Auerbach. Zwei der damaligen Gründungsmitglieder sind zum Mitfeiern gekommen: Mike Becker und Klaus Thomas.

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Geschenk für Region

Viele haben inzwischen erkannt, dass auch die Suchtkurvler zu einem Geschenk für die Region geworden sind: „Ohne Sie hätte die Stadt Möckern manches Projekt nicht realisieren können“, sagt etwa Möckerns Hauptamtsleiter Holger Maier. Auch der Landrat des Jerichower Landes, Steffen Burchhardt (SPD) , lobt die Arbeit der Selbsthilfegruppe: „Ich kann nur wünschen, dass Sie hier noch lange wirken und Leuten Halt geben können.“ Dafür, dass er am Sonnabend mit dabei ist, bekommt der Landrat von Wolfgang Auerbach eine Medaille: „Sie sind in den 25 Jahren der erste und einzige Landrat des Landkreises, der sich hier blicken lässt“, sagt Auerbach.

Grüße ließ auch jemand ausrichten, der nicht kommen konnte: „Ich soll von Kerstin Ott schöne Grüße ausrichten lassen“, sagt Ute Kilz, Leiterin der Tagesstätte und Begegnungsstätte in Burg. Auf der Bühne stehen am Sonnabend in Möckern stattdessen die drei Musiker von „Pax“. Bei bestem Sonnenschein, Gegrilltem und Gulasch, Kaffee und Kuchen, saßen Gastgeber und Gäste den ganzen Sonnabend lang zusammen.

Und bewiesen ganz nebenbei, wie gut es sich auch ganz ohne Alkohol feiern lässt.