Möser l Damit soll nun Schluss sein, versichert der Betreiber des Abwassernetzes. Das Pumpwerk in der August-Bebel-Straße war nicht schuld, dass am 10. Mai die Gullis überliefen und Fäkalien auf die August-Bebel-Straße flossen. Das hat eine Auswertung der Betriebszeiten des Hauptpumpwerkes durch den Wolmirstedter Wasser- und Abwasserzweckverband (WWAZ) ergeben.

Warum also ist dann passiert, was laut Anwohnern seit der Sanierung der Straße und des Hauptpumpwerkes 2012 bereits mehrmals vorgekommen ist? Auch dafür liefert der WWAZ, der sich am 31. Mai mit Vertretern der Gemeinde Möser getroffen hatte, eine Antwort.

Vor-Ort-Termin

Der technische Leiter des WWAZ, Thomas Klingner, erklärt nach einem Vor-Ort-Termin: „Eine der Ursachen für das Ereignis ist, dass das Regenwasser von der Straße in unseren Schmutzwasserkanal über die Schächte gelangt und irgendwann durch diese, mit Schmutzwasser angereichert, wieder nach außen gedrungen ist.“

Ein scheinbar häufiges Problem, dem mit wenigen Handgriffen und einem besonderen Zusatz im Kanalschacht entgegengewirkt werden kann – dem sogenannten Aquastop. Das ist ein Einsatz, der das Eindringen von Regenwasser verhindert.

„Den Einbau des Aquastop-Moduls werden wir sofort veranlassen, damit beim nächsten Mal der Regen nicht mehr von der Straßenoberfläche in die Schmutzwasserkanäle dringen kann“, erklärt Klingner. Der WWAZ hielt offenbar Wort: Die ersten Zusatzmodule sind bereits verbaut worden. Bleibt nur noch ein Problem: die Masse an Regenwasser, die zum Überlaufen geführt hat.

Illegales Ableiten

Gemeinde und WWAZ sind sich einig – So viel zusätzliches Wasser, wie notwendig ist, um das Abwasserkanalsystem auszulasten, kann nicht allein von der Straße über die Gullis dorthin gelangen. Der WWAZ vermutet deshalb, dass Anwohner ihr Regenwasser in den Schmutzwasserkanal illegal ableiten. Der WWAZ will deshalb demnächst Kontrollen durchführen, um diese Vermutung zu be- oder widerlegen.

Klingner sagte: „Die Schmutzwasserkanalisation ist ausschließlich für Schmutzwasser ausgelegt und kann daher nicht die Funktion einer Regenentwässerung übernehmen. Dem stimmt die Gemeinde über ihren Fachbereichsleiter Hoch- und Tiefbau, Uwe Gent, zu.

Er hat gemeinsam mit dem WWAZ einen Maßnahmenplan entwickelt, der sowohl kurzfristige als auch mittel- und langfristige Maßnahmen enthält, die zur Beseitigung und Abstellung von überquellenden Gullis führen sollen.

Aquastop-Module und Prüfung

Zwei dieser Maßnahmen wurden bereits benannt. Die Installation der Aquastop-Module und die Prüfung auf illegale Einleitung von Regenwasser. Ebenfalls kurzfristig, so Gent, wird auch der Betrieb und die Funktion der vorhandenen Regenwasseranlagen ein Punkt sein, dem die Gemeinde nachgeht. „Sollten dabei Betriebs- und Funktionseinschränkungen festgestellt werden, werden diese über kontinuierliche Unterhaltungsmaßnahmen abgestellt“, ergänzt Gent.

Mittelfristig würden aber nur investive Maßnahmen im Bereich Straßenbau, inklusive der Regenwasserbeseitigung, eine echte Abhilfe schaffen. Das weiß auch Gent, der sich dafür einsetzen will, dass es Neuerrichtungen und Erweiterungen zu den vorhandenen Regenentwässerungsanlagen gibt

Lücke im Satzungsrecht

Der Fall der August-Bebel-Straße hat in der Gemeindeverwaltung dazu geführt, dass eine Lücke im Satzungsrecht erkannt wurde, die laut Gent nun geschlossen werden soll. „Die Schaffung rechtlicher Rahmenbedingungen zur Regenwasserbeseitigung wird über eine Satzung erfolgen müssen“, erklärt Gent. Diese zu erarbeiten dürfte allerdings noch einige Zeit in Anspruch nehmen. Ehe sie dann im Gemeinderat verabschiedet wird, „könnten gut und gerne zwei Jahre vergehen“.

Natürlich kennt auch der Fachgebietsleiter Hoch- und Tiefbau die haushaltspolitische Lage der Gemeinde insgesamt, deshalb lässt er für den Maßnahmenkatalog auch ein Hintertürchen offen. „Die insgesamt dargestellten Maßnahmen stehen unter dem ausdrücklichen Vorbehalt, dass im Haushalt und im Finanzplan der Gemeinde Möser auch entsprechende Haushaltsmittel vorgesehen und freigegeben werden.“

Gemeinderat ist gefragt

Damit ist dann der Gemeinderat wieder gefragt, denn er hat über den Haushalt und darüber zu entscheiden, für was die Gemeinde Geld ausgeben kann. Im Zweifel steht die Frage im Raum: Ist Geld für einen Lärmaktionsplan ohne rechtliche Wirksamkeit da oder für Maßnahmen zur Gesunderhaltung und Hygiene in den Ortschaften?

Bemessung ist Kriterium

Schließlich gibt es für alles, was gebaut wird, auch eine Bemessungsgrundlage. So auch beim Abwassersystem. Starkniederschläge, wie sie mit dem Klimawandel einhergehen, sind dabei schlicht nicht berücksichtigt, das gibt auch Gent zu.

Der Bemessungsregen, wie es im Amtsdeutsch heißt, ist für Deutschland im Mittelwert mit 311 Litern pro Sekunde und Hektar errechnet. Starkniederschläge, wie die vom 10. Mai in Möser, fallen da aus dem Rahmen oder laufen, wie in diesem Falle, aus den Gullis – ganz einfach weil sie in der Betrachtung nicht vorkommen.