Wettbewerb

Achtungserfolg für das Burger Sokuz

Das Burger Soziokulturelle Zentrum hat es mit seinem Beitrag ins Finale des Landeswettbewerbs „Reflect“ geschafft. Zwar reichte es für das Video mit dem Titel „Mensch, du hast Recht“ nicht für den Sieg, aber für Leiterin Anja Schwarzfeld ist auch der Platz unter den ersten Zehn große Motivation.

Von Thomas Pusch
Streetworkerin Lisa Gerlach machte auch mit beim Beitrag des Soziokulturellen Zentrums, Gebärdendolmetscherin Isabell Gaudes übersetzte.
Streetworkerin Lisa Gerlach machte auch mit beim Beitrag des Soziokulturellen Zentrums, Gebärdendolmetscherin Isabell Gaudes übersetzte. Screenshot: Thomas Pusch

Burg - „Mensch, du hast Recht“, unter diesem Motto fand in diesem Jahr der Landeswettbewerb Reflect statt. Alle Menschen, Initiativen und Organisationen waren dazu aufgerufen, sich mit dem Thema Menschenrechte künstlerisch auseinanderzusetzen, ob als Video oder Tonaufnahme mit Bildergalerie. Das Soziokulturelle Zentrum, kurz Sokuz, fühlte sich angesprochen, und gemeinsam ging es ans Werk.

„Da sind Mitarbeiter aus mehreren Bereichen zusammengekommen, es ging uns darum, etwas gemeinsam zu machen“, erklärte Leiterin Anja Schwarzfeld im Gespräch mit der Volksstimme. Auch sei es darum gegangen, Jugendliche einzubeziehen, um auch verschiedene Perspektiven auf die Menschenrechte abzubilden. Sechs Bereiche zum Thema Menschenrechte suchte man sich beim SoKuz heraus: Gesundheit, Bildung, Schutz, Selbstbestimmung, Teilhabe, Wohnen und Zuflucht.

Fertiggestellt kurz vor Einsendeschluss

Hortleiterin Liane Wendefeuer meinte beispielsweise, dass nicht von außen bestimmt werden sollte, Kinder zu wenig Mitspracherecht hätten. Für den 14-jährigen Leon bedeutet Selbstbestimmung, selbst zu entscheiden, welchen Beruf man ergreifen, wofür man sein Geld ausgeben möchte oder wo man hinfliegen will. Beim Wohnen sind ihm drei Dinge wichtig: Strom, Essen, Fernseher. Auch für Florian Borghardt, Mitarbeiter im Kinder- und Jugendtreff, bedeutet Wohnen nicht nur ein Dach über dem Kopf, sondern auch die Möglichkeit, sich zurückzuziehen.

Teilhabe bedeutet für Alex (16), dass man beim Sport mitmachen kann, egal, ob man im Rollstuhl sitzt oder nicht. Streetworkerin Lisa Gerlach musste zwar einräumen, dass es kein Recht auf Gesundheit gibt, wohl aber ein Recht auf den höchstmöglichen Stand körperlicher und geistiger Gesundheit.

Eine Vorstellung der Einrichtung und einzelner Mitarbeiter rundete den Beitrag ab, der tatsächlich erst kurz vor dem Einsendeschluss fertiggestellt werden konnte. „Wegen Corona konnten wir ja lange Zeit nicht öffnen“, erklärte die Leiterin. Doch es sollten ja Jugendliche eingeladen werden, mitzumachen, um die unterschiedlichen Sichtweisen darzustellen. Die Idee funktionierte, die Vorjury wählte den Burger Beitrag aus den rund 30 Einsendungen fürs Finale aus.

In diesem Jahr fand der Wettbewerb zum 13. Mal statt. Erfunden wurde er 2007, im Europäischen Jahr der Chancengleichheit für alle. Das war der Impuls für den damaligen Regionalleiter des Paritätischen, Bernd Zürcher, und den Geschäftsführer des Offenen Kanals Stendal, Andreas Bredow, sich dazu eine Aktion einfallen zu lassen. Das Ergebnis ihres Denkspiels: der Wettbewerb Reflect, zu dessen Unterstützern auch der Stendaler Verein Kunstplatte und das Theater der Altmark gehören. Die Idee dahinter war zu zeigen, was jemanden behindert, egal in welcher Form.

Diesmal als Sendungim Internet

Wegen der Eindämmungsmaßnahmen musste der Wettbewerb im vergangenen Jahr ausfallen. In den Jahren zuvor hatte das Finale stets im Großen Haus des Theaters der Altmark stattgefunden. Das war diesmal anders. Die Präsentation lief als Fernsehsendung auf der Facebook-Seite des Wettbewerbs. Unter der Leitung von Franziska Bredow waren die Beiträge beim Offenen Kanal zusammengeschnitten, die Moderationen von Lars Johansen und Sylke Szemkus, Managementassistentin beim Paritätischen und Jurymitglied, im Studio des Stendaler Fernsehens aufgenommen worden. Übersetzt wurde wieder von den beiden Gebärdendolmetscherinnen Isabell Gaudes und Bianca Ewald.

Zur Jury gehörten außerdem Ralf Hattermann, Referent für Menschen mit Beeinträchtigung beim Paritätischen, Susanne Borkowski, Professorin für kindliche Entwicklung und Gesundheit an der Hochschule Magdeburg-Stendal, Manfred Göbel vom Genthiner Amateurtheater, Sebastian Hammer, Schauspieler am Theater der Altmark in Stendal. Die hatten es diesmal auch schwerer als in den vergangenen Jahren, konnten sie sich doch nicht wie sonst nach der Präsentation zur Beratung zurückziehen, sondern mussten sich die Beiträge allein ansehen.

Das könnte im kommenden Jahr wieder anders sein. Dann will auf jeden Fall auch das Soziokulturelle Zentrum wieder mitmachen. „Dass wir dieses Jahr in der Endrunde waren, war so ein Ansporn für uns, da sind wir nächstes Jahr wieder dabei“, kündigte Anja Schwarzfeld an.