Burg l Anlässlich der bundesweiten Herzwochen im November hat die Helios Klinik Jerichower Land in Burg ihren jährlichen Aktionstag unter dem Motto: "Herz außer Takt! Vorhofflimmern und Gerinnungsfaktoren" durchgeführt.

Stress, Koffein, Schlafmangel

In dem gut besuchten Vortrag von Dr. Sabine Reinhold, leitende Oberärztin im Zentrum für Innere Medizin, ging es also um Vorhofflimmern und Gerinnungshemmung. Vorhofflimmern ist die häufigste Herzrhythmusstörung in Deutschland und kann zum Beispiel durch Vorerkrankungen, wie Bluthochdruck, oder auch durch eine Schilddrüsenüberfunktion ausgelöst werden. "Aber auch wenn keine Vorerkrankung vorliegt, kann es zu Vorhofflimmern kommen. Meist ausgelöst durch einen hohen Alkoholkonsum, Schlafmangel, emotionalen Stress, Koffein oder opulente Mahlzeiten", erklärt Sabine Reinhold.

Zudem ist Vorhofflimmern Hauptauslöser für Schlaganfälle, wie die Medizinerin weiter erklärt: "Der Vorhof des Herzens arbeitet nicht mehr richtig und kann das Blut nicht vollständig weiter pumpen. Dadurch können kleine Gerinsel entstehen, die über das Halsgefäß ins Hirn wandern."

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Unterschiedliche Beschwerden

So vielfältig wie die Auslöser von Vorhofflimmern sein können, so unterschiedlich können auch die Beschwerden sein. Bei einigen Menschen wird ein Vorhofflimmern erst nach einem Schlaganfall bemerkt. Andere Personen wiederum bemerken Herzrasen oder -stolpern oder sind in ihrer Leistungsfähigkeit eingeschränkt. Letztes geht meist mit Atemnot oder Schwindelgefühlen einher.

Nicht nur einen Vortrag über das Herz konnte man sich Mittwoch anhören. Die Klinik stellte auch ein großes Modell auf, um einmal den Aufbau des Herzens plastisch zu verdeutlichen. Dazu passend wurden unregelmäßige Herzgeräusche simuliert. Vom ärztlichen Dienst wurden Fragen rund um das Herzmodell beantwortet, egal ob zum eigenen Krankheitsbild oder zur Anatomie.

Blutzucker gemessen

Auch der medizinisch-technische Dienst der Helios Klinik war vertreten, bestimmte Blutzucker und Blutdruck bei den Besuchern. "Ein Blutzuckerwert zwischen 3,3 mmol/l und 5,6 mmol/l ist normal. Zumindest wenn man nüchtern ist und nicht an Diabetes leidet", erklärt Kathleen Vogt. Zudem gab es die Möglichkeit, die Funktions- sowie Ultraschalldiagnostik zu besichtigen.

Zahl der Todesfälle sinkt langsam

Herz-Kreislauf-Erkrankungen zählen weiterhin zu den häufigsten Todesursachen in der Bundesrepublik. Zu den Spitzenreitern zählt hier Sachsen-Anhalt. 2017 starben hier 82 Personen pro 100.000 Einwohner, neben Brandenburg die meisten Herzinfarkttoten in der gesamten Bundesrepublik. Ebenfalls erschreckend ist die geringe Kardiologendichte in Sachsen-Anhalt.

Zwar hat sich die Anzahl der Verstorbenen seit 2014 deutlich verringert, damals waren es noch 391 pro 100.000 Einwohner, dennoch sind die Zahlen weiterhin dramatisch hoch.

2015 wurden 4280 Patienten aus dem Jerichower Land in Kliniken aufgrund von Herz-Kreislauf-Erkrankungen eingeliefert. 541 von ihnen überlebten ihre Herzerkrankung nicht. 32 der Verstorbenen litten an Vorhofflimmern. Im Jahr darauf waren es 19 Patienten weniger. Von den Verstorbenen litten 49 an Vorhofflimmern.

Jährlich 1000 Patienten

In die Helios Klinik Jerichower Land werden laut Chefarzt Prof. Dr. Steffen Rickes jährlich rund 1000 Patienten mit Herzerkrankungen eingeliefert. Zu diesen Erkrankungen zählen unter anderem Bluthochdruck, Herzschwäche, Vorhofflimmern und Herzinfarkte.

Das zuständige Katheterlabor sitzt in Neindorf. Die dortigen Ärzte sind auch für die kardiologische Versorgung in Burg zuständig.