Spielplatz für Möser

Angebot der CDU-Fraktion oder dem geschenkten Gaul ...

Zwischen der CDU-Fraktion im Gemeinderat und dem Ortschaftsrat Möser ist ein Streit um das Angebot eines spendenfinanzierten Spielplatzes für die Ortschaft entbrannt.

Von Anke Reppin
Dieser antike Tempel, wie er auf einem Spielplatz in Magdeburg steht, sollte Teil des Spielplatzes sein, für den die CDU-Fraktion im Gemeinderat Möser eigentlich Geld einwerben wollte.
Dieser antike Tempel, wie er auf einem Spielplatz in Magdeburg steht, sollte Teil des Spielplatzes sein, für den die CDU-Fraktion im Gemeinderat Möser eigentlich Geld einwerben wollte. Foto: Stadt Magdeburg

Möser - In der größten Ortschaft der Gemeinde, in Möser, gibt es keinen Spielplatz, der diesen Namen auch verdient. Lediglich eine kleine Spielfläche im Tulpenweg ist als öffentlicher Spielplatz ausgewiesen. Über die Errichtung eines Spielplatzes wird deshalb seit Jahren heiß diskutiert. Da stimmten Gemeinderäte aus der Ortschaft Möser bei Haushaltsverhandlungen auch schonmal anderen Projekten nicht zu mit der Begründung, dass nach wie vor kein Spielplatz für Möser finanziert werde.

Etliche Planungen sind auf den Weg gebracht, aber bisher nicht umgesetzt worden. Neueste Hoffnung war der für die Gemeinde konzipierte Mehrgenerationenspielplatz. Im Zuge der Umsetzung hatten die Gemeinderäte beschlossen, die Ortschaft Möser auf Priorität 1 zu setzen. Der Ortschaftsrat Möser hat dazu, gemeinsam mit dem Sportverein, die Idee von einem „Erlebniswald am Rodelberg“ auf den Weg gebracht. Entstehen soll an Rodelberg und Waldstadion in Möser eine größere öffentliche Spielfläche für Groß und Klein. Doch ob und wann dafür Fördermittel und Gemeindegelder fließen werden - das steht in den Sternen.

Ende März diesen Jahres fragte die CDU-Fraktion im Gemeinderat Möser an, „ob der Ortschaftsrat Möser und der Gemeinderat Möser der Annahme einer zweckgebundenen Spende für einen Kinderspielplatz in der Ortschaft Möser zustimmen würden und das betreffende Grundstück auch zur Verfügung gestellt wird“, heißt es in einer Mail vom CDU-Fraktionsvorsitzenden Frank Winter. Das Angebot greife eine Idee von Gewerbetreibenden aus Hohenwarthe auf, schreibt Winter. Man wolle den bisherigen Einsatz des Ortschaftsrates Möser nicht schmälern, aber vielleicht zeitnah „ein Projekt mit Strahlkraft für die gesamte Gemeinde auf den Weg bringen“.

Winters Mail hängen das Angebot und der Kostenvoranschlag über einen preisgekrönten Spielplatz an, wie er in Magdeburg bereits zu finden ist. Es handelt sich um die Darstellung einer versunkenen antiken Stadt mit verschiedenen Spielmöglichkeiten. Kostenpunkt mit Montage: Rund 53 000 Euro.

„Wenn die betreffenden Gremien zustimmen und die verwaltungsrechtlichen Vorgaben eingehalten werden können, würden die Gewerbetreibenden beginnen, die Mittel für dieses ambitionierte Projekt einzuwerben“, kündigte Winter Ende März auch an. Und betont: „Die Spenden sind insofern ausschließlich zweckgebunden für das Projekt Kinderspielplatz Möser.“

Im Ortschaftsrat Möser steht das Angebot der CDU-Fraktion am 21. April diesen Jahres zur Debatte. Die Möseraner Ortschaftsräte begrüßen zwar die Initiative der CDU, machen aber auch deutlich, dass das Geld aus einem solchen Spendenaufruf unbedingt in die Realisierung des von ihnen favorisierten Erlebniswaldes am Rodelberg fließen soll. Die Spielgeräte, die der CDU-Vorschlag enthalte, würden nicht zu den Planungen eines solchen Erlebniswaldes passen, heißt es in der Sitzung unter anderem. Spenden würden zweckgebunden für den Erlebniswald aber gern entgegen genommen, so die Ortschaftsräte. Sie sind bei dieser Beratung im April unsicher, ob es sich beim CDU-Angebot um eine allgemeine Spendensammlung handeln soll oder um die Errichtung des konkret vorgeschlagenen Spielplatzes „Versunkene Stadt“. CDU-Fraktionsmitglied und Ortschaftsrat Herrmann Lünsmann kann diese Frage bei der Sitzung nicht beantworten.

Am Tag nach der Sitzung des Ortschaftsrates Mösers konkretisiert Frank Winter per Mail, dass die Mittel konkret für die Umsetzung dieses Spielplatzes eingeworben werden sollen. Der vorgeschlagene Spielplatz sei Ausschreibungssieger in Magdeburg gewesen. Hohe Kosten für eine erneute Ausschreibung könnten vermieden werden, indem genau dieser Spielplatz umgesetzt werde. „Helft uns dieses langjährige Trauerspiel zu beenden. Wenn jeder Einwohner 6,70 Euro spenden würde, dann können wir das schaffen“, schreibt Winter an Mösers Ortsbürgermeister Peter Hammer.

Hammer sieht mit der Mail von Winter „die wichtigste Frage geklärt“. Nämlich die, dass es sich um zweckgebundene Geldspenden handeln soll. Ein Spendenaufruf solle ähnlich wie der für die Blumenampeln in der Gemeinde erfolgen, so Hammer. Der Ortsbürgermeister betont allerdings trotz der Konkretisierung Winters erneut, dass die Auswahl der Spielgeräte in das Konzept „Erlebniswald am Rodelberg und Waldstadion“ passen müsse.

Es dauert einige weitere Mails und Telefonate, bis klar ist, dass Winter und Hammer aneinander vorbeireden. Am 5. Mai schreibt Peter Hammer, er habe erfahren, dass es doch nicht um zweckgebundene Geldspenden, sondern um eine Sachspende für den angebotenen Spielplatz handeln solle. Winter antwortet: „Der Unternehmerstammtisch Hohenwarthe und die CDU-Fraktion wollen Geld einwerben, um ein konkretes Projekt umzusetzen. Genau deswegen haben wir im Vorfeld recht viel recherchiert, sind gereist, haben besichtigt und am Ende ein konkretes Angebot eingeholt.“ Der Vorschlag der CDU-Fraktion beinhalte „ein sofort umsetzbares Projekt mit Maßen und Preisen“.

Auf diese Mail erhält Winter nach eigenen Angaben keine Antwort mehr. Im Gemeinderat Möser, der am 25. Mai 2021 tagt, erklärt Winter, die Spielplatzspende sei offensichtlich nicht gewollt. Der Ortschaftsrat Möser habe das Angebot zerredet, die CDU-Fraktion nehme zur Kenntnis, dass das Projekt nicht gewollt ist.

Am 4. Juni veröffentlicht Peter Hammer einen offenen Brief an Mösers Gemeindebürgermeister Bernd Köppen (parteilos), die Gemeinderäte und die Ortschaftsräte Möser. Es sei aus seiner Sicht als Ortsbürgermeister von Möser „dringend geboten“, richtigstellende Informationen zum Sachverhalt zu geben. Die Behauptung, der Ortschaftsrat habe das Projekt zerredet und abgelehnt sei falsch, so Hammer. Der Ortschaftsrat habe das Projekt konstruktiv und nicht kontrovers beraten. „Wir haben uns für die Initiative bedankt und zielführende Hinweise gegeben“, schreibt Hammer. 

„Für den Ortschaftsrat Möser war es wichtig, dass das Vorhaben als Anfang für das Gesamtkonzept gesehen werden soll“, betont Hammer in seinem offenen Brief abermals, also für den geplanten Erlebniswald. Dafür stünde am Rodelberg Möser eine Fläche von zirka 20 Meter mal 16 Meter, also 320 Quadratmeter für das Vorhaben zur Verfügung.

Die Initiative der CDU-Fraktion sollte aus Sicht von Hammer „wieder aufleben“ und „nicht begraben“ werden. Das seien die Räte den Kindern und Jugendlichen gemeinsam schuldig. Hammer bittet darum, „die Möglichkeiten zur Umsetzung des initiierten Vorhabens nochmals zu prüfen“. Frank Winter schreibt daraufhin, es sei nicht so, dass die CDU-Fraktion generell nicht mehr zur Verfügung stehe. Nun sind Winter und Hammer zu einem weiteren Gespräch zum Spielplatzprojekt verabredet.

Peter Hammer ist Ortsbürgermeister von Möser.
Peter Hammer ist Ortsbürgermeister von Möser.
Foto: Volksstimme-Archiv
Frank Winter ist Fraktionsvorsitzender der CDU im Gemeinderat Möser.
Frank Winter ist Fraktionsvorsitzender der CDU im Gemeinderat Möser.
Foto: Gemeinde Möser