Dornburg l Ein falscher Handgriff oder eine Unaufmerksamkeit können schon ausgereicht haben, um den Brand zu verursachen. Das Feuer muss schnell um sich gegriffen haben. Die Möglichkeit, den Hausrat zu retten, hatten die Bewohner nicht mehr. „Eine kleine Katastrophe“, fasste Dr. Dietlind Paddenberg, Referentin Bodendenkmalpflege im Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie mit Sitz in Halle, zusammen. Gemeinsam mit Ausgrabungsleiterin Johanna Kutowsky schilderte sie, welche Schlüsse die Funde am vorderen Grubenhaus zulassen.

Wenn man direkt davor steht, erkennt man sehr gut das Miniaturgefäß, das aus dem Sand ragt. Ein Schnapsglas wäre heute wohl der erste Gedanke. Wofür das Gefäß aber vor rund 3000 Jahren tatsächlich genutzt wurde, ist noch offen. Dahinter zeichnen sich am Balken weitere Keramikreste ab: Das Regal mit den Töpfen muss beim Brand umgestürzt sein. Einige Gefäße sind vollständig erhalten. „Vollständig“ heißt bei Archäologen, dass alle Scherben vorhanden sind, um das ursprüngliche Gefäß wieder zusammenzusetzen.

Lagerstätte für Deichbau

„Ein Bilderbuch-Beispiel für ein Grubenhaus“, sagte Dr. Dietlind Paddenberg beim Blick von oben auf die Ausgrabungsfläche. Genauso würde es in einem Lehrbuch abgebildet werden.

Bilder

In dieser Woche legt Johanna Kutowsky mit ihrem Team die Funde noch frei und dokumentiert alles. Ab der nächsten Woche ist die Fläche zwischen Deich und Kreisstraße am Dornburger Ortsrand als Lagerstätte für den Deichbau freigegeben. Das heißt, die schweren Fahrzeuge werden die Grubenhäuser im Boden wahrscheinlich zermalmen.

„Fände die Baumaßnahme nicht statt, würden wir alles so lassen, wie es ist.“ Jede Ausgrabung sei eine Zerstörung. Da die Methoden zur Bestimmung immer weiter fortschreiten, sollten die Funde so lange wie möglich im Boden bleiben.

Schäden durch Schaulustige

Schaulustige, die sich am vergangenen Wochenende die Ausgrabungen angesehen haben, hinterließen laut Johanna Kutowsky ebenfalls große Schäden. Zwar nicht materiell, aber für die Forschung. Erkenntnisse, die man dort gewinnen wollte, seien jetzt nicht mehr möglich. Wer sich über die Ausgrabungen informieren möchte, könne gerne vorbeischauen, bot die Ausgrabungsleiterin an. Sie würde alle Fragen beantworten.

Von den Grubenhäusern erhoffen sich Johanna Kutowsky und Dr. Dietlind Paddenberg umfangreiche Erkenntnisse. Das Holz soll beispielsweise einer C 14-Datierung unterzogen werden. Das könnte wiederum Aufschluss über die Keramik geben, weil deren Art schwer einzugrenzen ist. Im Moment sieht es nach früher Eisenzeit aus.

Die Funde, die in Dornburg bislang gemacht wurden, liegen tausende Jahre auseinander. Einige lassen sich auf die Zeit des Fürstengrabes zu Gommern datieren. „Das macht es natürlich spannend“, sagte Dr. Paddenberg. Auch Zeugen aus dem 11. und 12. Jahrhundert wurden schon entdeckt.

Fast jede Fläche Denkmal

Wenn Dr. Paddenberg auf ihre Karte für Dornburg schaut, ist fast jede Fläche als Bodendenkmal gekennzeichnet. Funde beim landwirtschaftlichen Arbeiten oder Hinweise auf Luftbildern waren unter anderem ausschlaggebend dafür. Das bedeutet jedoch nicht, dass die Archäologen auch überall in Dornburg etwas finden können. Die Gefahr, dass Bodendenkmale durch Bodennutzung zerstört werden, ist immer vorhanden.

Deshalb wurden zuerst Dokumentationsstreifen angelegt, die Aufschluss darüber geben, wo was gefunden werden kann. Umsonst beginnt das Landesamt keine Ausgrabung. Mit dem Wissen aus dem Dokumentationsstreifen kann genau gesagt werden, wie lange die Arbeiten dauern werden, was wiederum dem Bauherrn - in Dornburg das LHW - Planungssicherheit verschafft.

In Dornburg steht das Landesamt noch am Anfang seiner Ausgrabungen. Das Team wird in nächster Zeit aufgestockt. Bis Weihnachten sollen die Arbeiten vor Ort erledigt sein.