Dornburg l Als Bauopfer wurden Hunde häufig unter der Schwelle begraben. Ein fast erhaltenes Skelett konnten die Archäologen bei ihren Ausgrabungen in Dornburg sichern. Die zahlreichen Zuhörer, die für den Plaudernachmittag mit Johanna Kutowsky und Dr. Dietlind Paddenberg vom Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie in den Saal des „Schlosskruges“ gekommen waren, schauderten kurz.

In ihrem Vortrag zu den archäologischen Arbeiten rund um den Dornburger Deichbau erklärte Johanna Kutowsky, die das Projekt vor Ort geleitet hatte, sehr anschaulich die Funde, indem sie diese mit Zeichnungen und Grafiken für den Laien übersetzte. So wurde aus den unterschiedlichen Schattierungen im Sand auch für das ungeübte Auge ein Grubenhaus.

Grubenhäuser freigelegt

Mehrere Grubenhäuser, zum Teil sehr gut erhalten, wurden an beiden Bauabschnitten des Deiches freigelegt. Ihre identischen Ausrichtungen lassen darauf schließen, dass sie zusammengehörten. Dass das Gebiet seit 1000 vor Christus also vom heutigen Ortsausgang Prödel bis zum Ortsausgang Dannigkow besiedelt war. „Eine Siedlungsgröße von 20 Hektar und mehr ist schon ein Hammer“, sagte Dr. Dietland Paddenberg.

Bilder

Bislang ist die Forschung davon ausgegangen, dass die Slawen ab 800 in Dornburg siedelten. Laut einer C-14-Probe – einer Radiokohlenstoffdatierung, mit der das Alter von Funden bestimmt werden kann – sind die Slawen sogar schon Mitte des 7. Jahrhunderts in der Region zu verorten. Auch das gilt als ein „sehr spannender Befund“ der Ausgrabungen bei Dornburg.

Bislang handele es sich jedoch nur um einen Vorbericht. „Deshalb ist vieles noch mit einem Fragezeichen versehen“, erklärte Dietlind Paddenberg. Eine richtige wissenschaftliche Auswertung könnte es geben, wenn ein Studierender beispielsweise seine Doktorarbeit darüber schreibt. Solange bleiben die ordentlich gesäuberten und katalogisierten Funde im Fundus.

Nachweis aus Bronzezeit

Wobei das große Speichergefäß, das in einem Stück geborgen werden konnte, gute Chancen hat, einmal Bestandteil der Dauerausstellung des Landesmuseums für Vorgeschichte in Halle/Saale zu werden. Die im Gefäß gefundene weiße Schicht stellte sich als Mörtel heraus. „Es ist einer der ersten Nachweise, dass Mörtel hier in der Bronzezeit verwendet wurde“, erklärte Johanna Kutowsky. Das Mörtel-Gefäß wird in der nächsten Ausgabe des Fachmagazins „Archäologie in Deutschland“ vorgestellt.

Die gesamte Ausgrabung in Dornburg gehört außerdem zu den rund 30 Projekten, über die in einem Sonderband „Archäologie in Sachsen-Anhalt“ geschrieben wird. Erscheinungstermin ist im September.

Insgesamt beläuft sich die Zahl der Funde in einem vierstelligen Bereich. Darunter befinden sich vor allem klassische Keramik wie Töpfe oder Speichergefäße, vor allem deren Scherben, aber auch Spinnwirtel oder Steingeräte zum Wetzen oder Mahlen.

Funde fehlen

Zugleich sei die „Metallarmut“ auffallend. Mit dem Knopf einer Gewandnadel wurde nur ein einziger Metallfund gemacht. Das lasse darauf schließen, dass vor den Archäologen schon „Räuber“ mit Metallsonden da waren. „Dass uns diese Funden fehlen, ist bitter. Mit ihnen könnten wir noch ganz andere Schlussfolgerungen ziehen“, sagte Dietlind Paddenberg.