Dornburg l So viel Frost im Boden schon vor Weihnachten sei ungewöhnlich, erklärte Ausgrabungsleiterin Johanna Kutowsky. Minusgrade sorgten eigentlich immer erst im Januar oder Februar bei Ausgrabungen für Probleme. Im vergangenen Dezember mussten die Männer aber schon Spitzhacke und Schaufel zur Hand nehmen, um die „massive Steinpackung“ bearbeiten zu können, die sie am Rande Dornburgs, unweit der Straße nach Dannigkow gefunden hatten. Und nicht nur die festgefrorenen, aufgetürmten Feldsteine hatten das Interesse von Johanna Kutwosky und Dr. Dietlind Paddenberg, Referentin im Landesamt für Denkmalschutz und Archäologie, geweckt, sondern auch die vier Gefäße, die dazu quadratisch angeordnet waren.

„Dem Archäologen drängt sich da der Begriff kultisch auf“, sagte Dr. Paddenberg. Es könnte sich um eine Bestattung handeln, war eine ihrer ersten Überlegungen. Allerdings konnte sie auch Anhaltspunkte aufzählen, die gegen ein Grab sprachen. „Es ist auf jeden Fall etwas sehr besonderes.“

Seit Herbst letzten Jahres waren Mitarbeiter des Landesamtes für Denkmalschutz und Archäologie in Dornburg vor Ort, um im Vorfeld des Deichbaus Bodenfunde zu dokumentieren. Ohne den Deichbau wären die Archäologen nicht tätig geworden, aber durch die bevorstehenden Bodenarbeiten und allein aufgrund des Überrollens Tonnen schwerer Lkw ist davon auszugehen, dass die Funde im Boden zerstört worden wären.

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Lkw würden Funde zerstören

So waren im Vorfeld der Ausgrabungen Dokumentationsstreifen angelegt worden. Die flachen Gräben gaben den Experten Auskunft, wo sich Ausgrabungen tatsächlich lohnen würden und wie viel Zeit sie in Anspruch nähmen. Dass in Dornburg viele Funde gemacht werden können, ist beispielsweise durch Entdeckungen bei landwirtschaftlichen Arbeiten oder durch Luftaufnahmen gesichert.

Während auf der Ausgrabungsfläche an der Straße die „massive Steinpackung“ mit den vier Gefäßen herausstach, konnte Johanna Kutowsky hinter dem Deich aus den Spuren ablesen, wo einst ein Flußbett seinen Verlauf hatte. Sehr viel Keramik ist dort reingespült worden. Die prähistorische Landschaft kann man sich mit Ackerflächen, Viehweiden und Fischfangvorrichtung vorstellen. Es müsse sich um eine sehr großflächige Siedlung gehandelt haben, erklärte die Ausgrabungsleiterin. Zwei verschiedene Siedlungsphasen können nachgewiesen werden. Genaue Angaben zur zeitlichen Tiefe seien jedoch erst mit derAufarbeitung der Funde möglich.

Diese findet jetzt im Schloss Dornburg statt. Die Funde werden gereinigt, beschriftet und sortiert. Die ersten Sichtungen und Datierungen werden nach ihrem Abschluss sicherlich einige Ordner füllen, aber eine wissenschaftliche Auswertung ist das noch nicht. Es kann Jahre dauern, bis es so weit ist. Bis Gelder für ein Forschungsprojekt zur Verfügung stehen oder ein Student eine Masterarbeit zum Thema verfasst. So lange kommen die Funde ins Depot und werden die Ordner gut verwahrt.

Auffälliger Befund

„Es ist immer noch ein Rätsel“, sagte Dr. Dietlind Paddenberg zur „massiven Steinpackung“ mit den vier Gefäßen. Die weitere Ausgrabung habe aber bewiesen, dass es sich nicht um ein Grab handele. Vielmehr müsse es sich um einen Hausbefund handeln. Aufgrund der Gefäßdeponierung in den Ecken sei es aber „auf irgendeine Weise besonders“. Jetzt werde untersucht, ob es irgendwo ähnliche Funde gegeben habe. Ihr ist ein Beispiel aus Jeßnitz bekannt. Jedoch drängt sich ein Zusammenhang nicht unbedingt auf: Beide Funde datieren rund 1500 Jahre auseinander. „Es ist ein sehr auffälliger, ungewöhnlicher Befund.“

Schon der erste Abschnitt auf dem künftigen Lagerplatz des Deichbaus, den die Archäologen am Dornburger Ortsausgang in Richtung Prödel untersucht hatten, hatte wichtige Funde geliefert. Darunter ein Grubenhaus, wie es auch in einem Lehrbuch abgebildet sein könnte.

Die Arbeiten der Archäologen in der Dornburger Gemarkung sind fast abgeschlossen. Lediglich Ausgrabungen auf dem Deichschutzstreifen stehen noch aus. Die erfolgen in enger Abstimmung mit dem Landesamt für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft, das auch Bauherr des neuen Deiches ist. Nach letzten Informationen soll Baustart im Frühling sein.