Möckern l Das hätte sich Gustav sicher nicht träumen lassen, dass seine Grußkarte aus dem Schützenhaus Möckern viele Jahrzehnte später mal in einer Ausstellung landen würde. „Von unserer heutigen Radtour nach Möckern sende ich dir die besten Grüße“, hatte besagter Gustav auf die Vorderseite der Karte geschrieben. Zu sehen sind das Schützenhaus Möckern, mit Schwarz-Weiß-Aufnahmen vom Biergarten, dem Schießstand und Kindern an einem Schleifstein. An wen Gustav die Karte schickte und in welchem Jahr, ist für den Betrachter nicht erkennbar, die Karte ist eine von etwa 90 Ablichtungen, die für drei Monate im Alten Bahnhof Möckern zu sehen sind.

Die Möckeranerin Ilka Vorbrodt hatte aus ihrem Fundus historischer Fotos und Postkarten eine Auswahl getroffen, um sie einer interessierten Öffentlichkeit zu zeigen. „Ich möchte die jungen Möckeraner dafür interessieren, wie Möckern früher einmal aussah, und die älteren Einwohner ermuntern, die Geschichte und Geschichten weiterzuerzählen.

Wo verläuft die Albert-Werlitz-Sraße?

Und erzählt wurde am Eröffnungsabend am Donnerstag eine Menge. Wohl an die 80 Interessierte waren zur Vernissage gekommen. Ilka Vorbrodt und André Menke als Hausherr waren erfreut und beeindruckt von der Resonanz auf die Ausstellung. Seitdem André Menke mit seiner Firma Sinnovo IT Räumlichkeiten im Alten Bahnhof bezogen hat, stellt er den ehemaligen Schuppen für Ausstellungen zur Verfügung.

Bilder

Besonders gespannt verfolgten die Gäste der Vernissage den historischen Einkaufsbummel, zu dem Ilka Vorbrodt einlud: Mit Hilfe von Skizzen der Straßenzüge in Möckerns Innenstadt lebten vor den geistigen Augen der Gäste wieder die alten Geschäfte auf. Ob „Niederlag“, „Schneider Straßke“ oder die Boutique von Frau Krüger aus Hohenziatz – unterhaltsam öffnete die Ausstellungsmacherin für die Zuhörer sogar die Türen zu den Geschäften, erinnerte etwa an die Schwierigkeiten beim Öffnen der Apothekentür oder an den ganz besonderen Geruch in so manch einem Ladengeschäft.

Als Telefonnummern noch zweistellig waren

Gleich zu Beginn der Shopping-Tour durchs alte Möckern wurde – auch mit Hilfe des ebenfalls anwesenden Stadtbürgermeisters Frank von Holly (CDU) – noch einmal erörtert und geklärt, wo die Ortsdurchgangsstraße denn nun Bahnhofstraße, wo Albert-Werlitz-Straße“ und wo Magdeburger Straße heißt.

Auch für zugezogene Neu-Möckeraner war die Ausstellung interessant, erfuhren sie doch etwa von der Badeanstalt im Mühlenweg und wie sie im Jahr 1920 aussah. Oder von der Tankstelle in der Magdeburger Straße. Bis in die 70er-Jahre hinein stand eine Zapfsäule am Straßenrand. „Die Anwohner hatten immer Sorge, dass hier mal der Blitz einschlägt“, weiß Ilka Vorbrodt zu berichten. Im Laufe des Abends sollten noch viel mehr solche Anekdoten zu hören sein. Das Schloss in alter verzierter Pracht ist zu sehen und ganz viel Straßen ohne Asphalt.

Schwarz-Weiße und bunte Aufnahmen

Postkarten aus umliegenden Dörfern zeigen etwa den Vehlitzer Gasthof „Zur Sonne“ im Jahr 1923, einer Zeit, als die Fernsprecher noch so selten waren, dass die Rufnummern zweistellig waren. Viele Aufnahmen sind in Schwarz-Weiß, manche koloriert. An diesem Abend aber waren alle Erinnerungen bunt.

Angesichts der großen Resonanz wurde schon am Vernissageabend überlegt, den geistigen Stadtrundgang zu wiederholen. Von Stadtchef Frank von Holly kam die Anregung, in weiteren Veranstaltungen einzelne Straßenzüge noch mal vorzustellen, „vielleicht sogar mit der Möglichkeit, dass Besucher eigene alte Fotos mitbringen“, so von Holly nach der Veranstaltung.

Telefonische Anmeldung

Wer sich die Ausstellung in den kommenden drei Monaten ansehen möchte, muss telefonisch einen Termin mit André Menke vereinbaren unter der Rufnummer 039221/65 68 80.