Burg/Lostau l Dienstag, Krähenberge, kurz nach 20 Uhr – dicht an dicht drängen sich an diesem Abend die Lkw auf dem Parkplatz an der A2. Freie Plätze nahezu Fehlanzeige. Ein polnischer Lkw-Fahrer versucht es dennoch. Vorsichtig lenkt er seinen Koloss die Auffahrt zum Parkplatz rauf. Entnervte Kollegen haben ihre Lkw dort abgestellt. Die Zufahrt ist schmal wie ein Nadelöhr. Er hat Glück, er findet eine letzte versteckte Lücke.

Aber ohne einen Einweiser geht nichts. Zu eng ist der Platz zum Einparken. Einer der anderen Fahrer springt aus seinem Wagen und dirigiert. Trotzdem ist das Rangieren für den Mann aus Polen Millimeterarbeit. Am Ende steht sein Lkw in der Lücke, aber kaum ein Löschblatt passt zwischen die Kolosse links und rechts von seiner Zugmaschine. Wer jetzt noch kommt, hat Pech gehabt. Der Parkplatz zwischen Burg und Lostau ist rappel- voll – mal wieder.

Auch Frank Schaar aus Neuredekin bei Jerichow kennt das Problem: „Spätestens 17 Uhr sind die Parkplätze voll“, sagt der 46-jährige Brummifahrer zur Volksstimme. Seit 14 Jahren lenkt er seinen Lastwagen über die Straßen Europas. Er sagt: „Nirgendwo ist die Parkplatz-Situation so angespannt wie in Deutschland.“ Als positives Gegenbeispiel nennt er Frankreich: „Erstens gibt es hier ausreichend Parkplätze und zweitens sind die Lkw-Stellplätze weiter entfernt von der Autobahn, damit die Fahrer nachts Ruhe finden.“

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„Ausweichen? Dann schickt dich die Pol

Hierzulande versuchen seine Kollegen abends oft auf Pkw-Stellflächen auszuweichen: „Aber dann kommt die Polizei und schickt sie weg. Mit der Konsequenz, dass die Fahrer ihre Ruhezeiten nicht einhalten können und dann ebenfalls von der Polizei belangt werden.“

In welche Nöte manch Lkw-Fahrer steckt, zeigt ein Polizeibericht von Mitte Juli: Ein junger Mann (23) stirbt bei einem Unfall auf der A38 bei Querfurt, nachdem er mit seinem Transporter auf einen Sattelzug auffuhr, der vor einem Parkplatz auf dem Verzögerungsstreifen stand. „Kein Einzelfall“, sagte ein Sprecher des Autobahn-Polizeireviers Börde zur Volksstimme: „Die überfüllten Parkplätze sind ein Problem und schwere Unfälle schon fast eine logische Konsequenz.“ Das Polizeirevier ist auch für die Autobahnabschnitte im Jerichower Land zuständig.

Lkw-Fahrer sind gesetzlich verpflichtet, ihre Ruhezeiten einzuhalten - mindestens elf Stunden am Tag. Wenn er seine Ruhezeit splitten will, müssen es sogar zwölf Stunden täglich sein, in denen der Motor aus bleibt. Kontrollieren kann das die Polizei anhand des Fahrtenschreibers im Lkw-Cockpit. Zur täglichen Ruhezeit kommt noch die wöchentliche – mindestens 45 Stunden.

Um diese Zeiten einzuhalten, müssen Frank Schaar und seine Fahrer-Kollegen auf Autohöfe jenseits der Autobahnen ausweichen. Allerdings: Hier kostet der Stellplatz pro Nacht zwischen 7 und 25 Euro. „Das kann und will sich nicht jeder Fahrer leisten“, sagt Schaar. Zwar bekomme man einen Verzehrgutschein in Höhe von 5 Euro: „Bei Preisen von 10 Euro für eine Bockwurst mit Brötchen und Kaffee ist das wenig lukrativ.“

Nur 1600 Stellplätze an Autobahnen im La

Schaar ist derzeit mit einem Mercedes-Laster für die Genthiner Schwerlast-Spedition Schmechtig unterwegs. Auf seinen Touren innerhalb Deutschlands transportiert er Schwellen, Gleise und Weichen für die Deutsche Bahn. Seine Erfahrung: „Es interessiert niemanden, wie und wo die Fahrer ihre Ruhezeiten einhalten können. Das sollte sich dringend ändern, damit auch die Unfallzahlen zurückgehen.“

Sachsen-Anhalts Verkehrsministerium mit Thomas Webel (CDU) an der Spitze liefert auf Anfrage einige Zahlen zur Parkplatz-Situation in unserem Bundesland. Demnach gibt es in Sachsen-Anhalt an Tank- und Raststätten lediglich 875 Lkw-Stellplätze, an Parkplätzen mit WC sind es 765. Hinzu kommen laut Ministeriums-Sprecher Peter Mennicke knapp 1200 Lkw-Stellplätze an privaten Autohöfen.

Mennicke sagt: „Wir gehen davon aus, dass wir derzeit einen Mehrbedarf von 700 Stellplätzen entlang der Autobahnen haben.“ Zunächst sollen bis zum Jahr 2022 auf den Autobahnen 270 zusätzliche Parkstände geschaffen werden. Mennicke: „Schwerpunkte sind Erweiterungen an unbewirtschafteten Parkplätzen wie Wüstenforst an der A2 sowie Plötzetal und Sülzegrund an der A14. Geplant ist auch der Ausbau der Tank- und Rastanlage Osterfeld an der A9.“ Das Ministerium geht davon aus, dass private Autohöfe neben den Autobahnen wachsen werden.

Interessant: Im Gegensatz zur Polizei sieht das Ministerium keinen Zusammenhang zwischen überfüllten Parkplätzen und schweren Unfällen. Peter Mennicke: „Zu dieser Frage habe ich die Kollegen des Innenministeriums einbezogen. Dort wurde bisher keine Kausalität zwischen den Warteschlangen an Parkplätzen und mehr Unfällen an solchen Stellen festgestellt.“

Ob das die Unfallbeteiligten in Querfurt auch so sehen?