Burg/Genthin l Die fünfjährige Lucy aus Burg ist ein aufgewecktes Kind. Eine Tonne, ein Boot oder eine Flasche erkennt sie sofort. Auch das Zählen fällt der Kleinen überhaupt nicht schwer, als Dr. Silke Koerth-Bauer einige Fragen stellt. Eigentlich sind die Eltern Marcus und Doreen noch aufgeregter als Lucy, die sich wacker schlägt und richtig Spaß daran hat, die bunten Knöpfe farblich richtig hinzulegen. Die Fachärztin findet schnell einen Draht zu Lucie, die im kommenden Jahr eingeschult wird. Dann folgt ein kleiner sportlicher Test: Fünfmal auf dem linken Bein und fünfmal auf dem rechten Bein hüpfen. Anschließend greift die Ärztin zum Stethoskop und untersucht Lucy. Auch ein Blick in die Ohren gehört dazu.

Nach einem persönlichen Gespräch mit Dr. Koerth-Bauer sind die Eltern zufrieden. Nicht nur, weil sich Lucie gut entwickelt hat, sondern auch, weil die Tochter künftig in die Einsteinschule gehen wird. „Modern ausgestattet und neu. Das ist wirklich top hier“, sagt Marcus Käding erleichtert. „Dann kann es mit dem Unterricht bald losgehen.“

Hören, sehen, malen

Unterdessen haben bereits die nächsten Kinder im Vorraum Platz genommen. Teil der Untersuchung sind unter anderem ein Hör-,Seh- oder ein Maltest. Sabine Schwarz und Antje Richter betreuen dabei die Jungen und Mädchen. Daneben werden Blutdruck, Größe und Gewicht gemessen sowie Vorsorgeheft und Impfpass kontrolliert.

Dr. Koerth-Bauer hatte mit ihrem Team gestern bis zum Mittag reichlich zu tun. „Die Untersuchungen und Test weiter auszudehnen macht keinen Sinn“, sagt sie. „Am Nachmittag lässt die Konzentration bei den Kindern, die zwischen vier und fünf Jahre alt sind, merklich nach. Das ist aber ganz normal.“ Ein Vorteil für Eltern und Kinder: In den meisten Fällen wird die Untersuchung in Schulen durchgeführt, nur die angehenden Abc-Schützen in Genthin werden ins Gesundheitsamt in das Kreishaus eingeladen.

Im vergangenen Jahr wurden 747 Kinder untersucht – 373 Jungen und 374 Mädchen. Elf Prozent der Kinder waren übergewichtig, und bei 16 Prozent lagen motorische Probleme vor, resümierte Claudia Hopf-Koßmann, Pressesprecherin der Kreisverwaltung. „Bei etwa der Hälfte der Vier- bis Fünfjährigen wurden motorische Auffälligkeiten festgestellt.“

Hinweise für Therapien

Die verbleibende Zeit bis zur Einschulung konnte dann genutzt werden, um mit entsprechenden Therapien zu beginnen. „Etwa ein Drittel der auffälligen Kinder erhielten einen Hinweis, sich beim Kinder- und Hausarzt vorzustellen“, so Hopf-Koßmann. Eine Besonderheit stellt auch Ärztin Koerth-Bauer immer wieder fest: „Die Stifthaltung hat sich in den zurückliegenden Jahren etwas verändert. Vielleicht, weil schon zeitig mit dem Finger-Scrollen begonnen wird ...“

Die so genannte U8-Vorsorgeuntersuchung für Vierjährige beim Kinderarzt wurde von 13 Prozent der Eltern nicht genutzt. Neben der Einschulungsuntersuchung stoßen auch die Impfungen im Jerichower Land auf eine hohe Resonanz. So sind 97 Prozent der Kinder ausreichend gegen Diphtherie und Tetanus geschützt und haben Impfungen gegen Masern, Mumps und Röteln erhalten. „Damit ist die Durchimpfungsrate im Landkreis in dieser Altersgruppe sehr gut“, sagte Hopf-Koßmann.