Burg l Die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt, Bezirksverband Altmark-Börde-Harz, blickt sorgenvoll in die Zukunft, was die Wohnsituation von älteren Menschen im Jerichower Land angeht. Die Gewerkschaft geht davon aus, dass im Landkreis bis zum Jahr 2035 die Zahl der Personen, die über 65 Jahre alt sind, auf 28 200 anwachsen wird. Das wären 24 Prozent mehr als noch im Jahr 2017. Der Anteil von über 65-Jährigen an der Bevölkerung läge dann bei 38 Prozent. 2017 waren es noch 25 Prozent. Diese Annahme wird auch von der Website „Wegweiser-Kommune“ bestätigt. Bei den dort aufgeführten Prognosen wird davon ausgegangen, dass der Anteil der Menschen, die über 65 sind, in den kommenden Jahren kontinuierlich steigen wird. Im Jahr 2030 wird von einem Bevölkerungsanteil der über 65-Jährigen von 25,4 Prozent ausgegangen. Das ist deutlich mehr als beispielsweise die Prognose für die Stadt Magdeburg, wo von einem Wert von 18,9 Prozent ausgegangen wird.

Der Trend, dass Menschen immer älter werden und dass Ältere einen größeren Anteil der Gesellschaft ausmachen, setzt sich also fort. Doch ältere Menschen haben oft andere Bedürfnisse beim Wohnen als Jüngere. Die IG Bau spricht sich deswegen dafür aus, dass mehr Anstrengungen bei der Schaffung seniorengerechter Wohnungen nötig sind. „Lift statt Treppe, breitere Türen für Rollator und Rollstuhl, barrierefreie Duschen – nur ein kleiner Teil der Wohnungen im Landkreis ist für die rasant wachsende Generation Ü65 geeignet. Das muss sich ändern“, erklärt Elke Bobles, Bezirksvorsitzende der IG Bau Altmark-Börde-Harz, in einer Pressemitteilung.

In Erweiterung des Wohn-Angebotes investiert

Die Volksstimme wollte wissen, wie die Verwaltung des Landkreises die Situation einschätzt. „In den vergangenen Jahren sind im Landkreis Investitionen für die Erweiterung des Wohn-Angebotes für Senioren getätigt worden. Dabei handelt es sich um Neubauten, Umbauten und Sanierungen vorhandener Bausubstanz sowie die Installation von Fahrstuhlaufzügen“, heißt es von der Pressestelle des Landkreises. Einen akuten Mangel würde man derzeit in diesem Bereich nicht sehen. „In allen Wohnformen, von barrierefrei über betreutes Wohnen bis zum Pflegeheim, sind im Kreisgebiet in den vergangenen Jahren immer wieder auch freie Kapazitäten verfügbar gewesen. Dabei gab und gibt es durchaus regionale Unterschiede. Auf dem gesamten Wohnungsmarkt sind weiterhin hohe Leerstände zu verzeichnen, insbesondere in den Städten.“

Auch wenn laut Kreisverwaltung derzeit noch kein Mangel an verfügbarem, altersgerechten Wohnraum bestehe, heißt es nicht, dass dies in Zukunft auch so bleiben wird, wenn man die Berechnung der IG Bau hinzuzieht.

In kommenden Jahren kann Wohnungsnot drohen

Elke Bobles spricht von einer „demografischen Notwendigkeit“. Es müssten nicht nur zusätzliche Seniorenwohnungen neu gebaut werden. Auch bei der altersgerechten Sanierung bestehender Wohnungen sei der Nachholbedarf groß. „Wenn die Rentner-Generation nicht stärker berücksichtigt wird, droht vielerorts schon in einigen Jahren eine graue Wohnungsnot“, betont Bobles. Dieses Problem werde bereits jetzt durch die Corona-Pandemie verschärft, weil gerade ältere Menschen einen Großteil des Tages zuhause verbringen müssten.

Die staatliche Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) biete mit ihrem Programm „Altersgerecht Umbauen“ zwar Zuschüsse und Kredite. Das Fördervolumen von 150 Millionen Euro in 2020 reiche allerdings nicht aus, kritisiert die IG BAU. Der Bund müsse die Förderung von Renovierungen und Neubau mindestens verdoppeln, um das altersgerechte Wohnen von Senioren voranzubringen. Danach sieht es laut der Industriegewerkschaft derzeit allerdings nicht aus: Laut Haushaltsplan stehen für die altersgerechten Sanierung im Jahr 2021 nur noch 130 Millionen Euro zur Verfügung. Also rund 20 Millionen Euro weniger als im vergangenen Jahr.

Lebensqualität steht auf dem Spiel

Am Ende stehe die Lebensqualität älterer Menschen auf dem Spiel. „Es kann nicht sein, dass ein Rentner nur deshalb ins teure Pflegeheim muss, weil eine ambulante Betreuung an der seniorengerechten Ausstattung der eigenen Wohnung scheitert“, spricht sich Bobles für eine höhere Förderung aus.