Dannigkow/Leitzkau l Eigentlich, warf Dannigkows Ortsbürgermeister Heinz-Hellmer Wegener (CDU) ein, gebe es den Radweg von Dannigkow nach Kressow ja schon. Bloß ist der Abschnitt entlang der B 184 kaum noch zu befahren, seitdem die Schotterstrecke nicht mehr mit dem Unkrautvernichtungsmittel Roundup behandelt werden darf. Die Natur holt sich den Weg zurück.

Wenn das Land den Radweg nach Kressow und weiter bis Leitzkau ausbaue, sei das nur zu begrüßen, setzte Heinz-Hellmer Wegener hinzu. Allerdings machte er auch keinen Hehl daraus, dass der Radweg in Richtung Gommern für die Dannigkower eine größere Bedeutung habe. Der Radweg läuft auf der Trasse der ehemaligen Kleinbahn „und war einmal in einem besseren Zustand“.

Radweg nach Gommern am wichtigsten

Wobei der jetzige Zustand umstritten ist. Torsten Bluhm, Leiter des Gommeraner Bauhofs, hatte die Strecke selbst mit dem Fahrrad zurückgelegt, wie Stadtbürgermeister Bürgermeister Jens Hünerbein (parteilos) den Dannigkower Ortschaftsrat und den Hauptausschuss vor der Coronavirus-Pandemie informierte. Fazit: Auch nebeneinander zu radeln sei möglich.

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Durch das Verlegen der Abwasserleitung habe der Radweg gelitten, sagte Heinz-Hellmer Wegener. Nach dem Verlegen der Erdkabel habe die Avacon die Abschnitte ordentlich hergerichtet, auf denen sie arbeiten musste, aber eben nicht mehr. Der Ortsbürgermeister denkt bei der Benutzung nicht nur an die Radfahrer, sondern auch an Rollstuhlfahrer, deren Batterien durch den Schotter schnell aufgebraucht werden.

Autofahrer sind Gefahr für Radler

Er sieht zwei mögliche Lösungen. Entweder der Radweg könnte in das Flurordnungsverfahren einbezogen und als ländlicher Weg befestigt werden oder die Stadt Gommern stellt den Radweg in ihren Haushalt ein. Mit vergleichbaren Kosten (rund 920.000 Euro) wie für den Radweg zwischen Nedlitz und Pöthen sei nicht zu rechnen, da die Strecke kürzer und auf der Kleinbahntrasse bereits ein Unterbau vorhanden sei. Im Grunde gehe es nur darum, die Strecke mit Bitumen zu überziehen, argumentierte der Ortsbürgermeister. Da nach der Sanierung der Sanitäranlagen die Arbeiten an der Begegnungsstätte am Sportplatz abgeschlossen wären, könnte der Ortschaftsrat den Radweg nach Gommern für den Stadthaushalt beantragen.

Zurück zum geplanten Radweg entlang der B 184 zwischen Dannigkow und Leitzkau: Zwar gebe es die Verbindung bereits als ländlichen Weg, setzte Heinz-Hellmer Wegener hinzu. Jedoch lebten Radler dort gefählich, weil die Autofahrer - oft die, die den Weg gar nicht nutzen dürften - wenig Rücksicht nehmen.

Radweg hätte schon fertig sein sollen

Noch befindet sich der Radweg zwischen Dannigkow und Kressow in der Planungsphase, streng genommen: befindet er sich dort wieder. Denn eigentlich hätte der Radweg längst fertiggestellt sein sollen. Im Frühjahr 2017 war jedoch die Verbreiterung der Fahrbahn der B 184 zwischen Dannigkow und Leitzkau und die Entschärfung der Kuppe bei Leitzkau vorgezogen worden. Damit war die Radweg-Planung hinfällig.

Bis Mitte 2021 soll die neue Planung vorliegen, teilte Stefan Hörold, Regionalbereichsleiter der Landesstraßenbaubehörde, auf Nachfrage der Volksstimme mit. Dann entscheidet sich, ob ein „zeitlich aufwendiges“ Planfeststellungsverfahren notwendig ist oder nicht. Veräußern alle Grundstücksbesitzer die notwendigen Flächen, kann auf das Verfahren verzichtet und der Bau wesentlich schneller begonnen werden.

Seite für Radweg nicht festgelegt

Noch ist nicht absehbar, auf welcher Seite der B 184 der Radweg zwischen Dannigkow und Leitzkau gebaut werden soll.

Aus Leitzkauer Sicht wäre eine Verlängerung nach Zerbst sinnvoll, sagte Ortsbürgermeister Dr. Peter Randel (Freie Wählergemeinschaft Leitzkau). Im Moment sei es sehr umständlich, per Fahrrad nach Zerbst zu gelangen - wolle man nicht die gefährliche B 184 nutzen.

Verbindung zwischen Schloss und Elberadweg

Wie sein Dannigkower Amtskollege begrüßte Peter Randel das Vorhaben der Landesstraßenbaubehörde, sah aber ebenfalls eine größere Dringlichkeit bei einem anderen Radweg, und zwar bei der Anbindung in Richtung Lübs und damit an den Elberadweg. Zwischen beiden Ortschaften der Einheitsgemeinde Gommern fehlt ein Lückenschluss von etwa 900 Metern, der „jedes Jahr für die Haushaltsplanung angemeldet, aber nie realisiert“ wurde. Der Stadt sei es bislang nicht gelungen, einen geeigneten Fördertopf zu finden. Dabei sei die Strecke für die touristische Anbindung zwischen dem Schloss Leitzkau und dem Elberadweg wichtig.

Mit dem Verlegen von Erdkabel durch die Avacon auf dem betreffenden Abschnitt und einer ordentlichen Schotterung im Anschluss will sich der Leitzkauer Ortsbürgermeister nicht abfinden. „Wir wissen alle, dass Radtouristen nicht auf Schotterpisten fahren wollen.“

Wunsch nach Radweg seit über 50 Jahren

Nur im „weiteren Bedarf“ des Landesradverkehrswegeplans befindet sich der Radwegebau zwischen Leitzkau und Ladeburg. Vor 2030 ist hier also weder an eine Planung noch an die Realisierung zu denken. Eine Weiterführung des Radweges bis nach Möckern wäre sinnvoll, sagte Peter Randel. Allerdings weiß er auch, dass der Wunsch nach diesem Radweg schon seit über 50 Jahren besteht.