Möckern l Die Idee: Für jedes neu geborene Kind der Einheitsgemeinde an zentraler Stelle einen Baum pflanzen. Macht bei erfahrungsgemäß durchschnittlich 100 Kindern pro Jahrgang schnell einen ganzen Wald. Einen Kinderwald. „So etwas gibt es in ganz Deutschland nicht“, sagt Robert Waldmann, der Ideengeber des Möckeraner Kinderwaldes. In der Sitzung des Kulturausschusses am Dienstagabend wurde weiter an der Umsetzung dieser Idee gefeilt.

Als möglichen Ort hat man ein Waldstück direkt gegenüber vom Möckeraner Freibad und der Kindertagesstätte „Birkenhain“ ausgemacht. Zwar wurde dieser Platz schon in vorangegangenen Sitzungen thematisiert, jedoch der Ortschaftsrat Möckern dazu noch nicht offiziell angehört. Dies solle nun geschehen, sagte Möckerns Stadtbürgermeister Frank von Holly zum Ende der Beratung. Die Fläche zieht sich entlang des Pabsdorfer Weges etwa bis zum Ende des Waldbades hin, am Hohenziatzer Weg bis zu den Gärten des Birkenweges.

Mehr Einnahmen als Kosten durch Holzeinschlag

Der Fichtenbestand in dem Waldstückchen solle zu einem Drittel ausgelichtet werden, führte Robert Waldmann gegenüber den Ausschussmitgliedern aus. Das bringe auch schon die erforderlichen Einnahmen für das Projekt, ist der Forstwirt überzeugt. Kosten sollen ihm zufolge keine entstehen. Durch den Verkauf des ausgelichteten Holzes sei mit Einnahmen zu rechnen, so Waldmann. Und auch Stadtchef Frank von Holly glaubt: „Das Projekt beginnt mit einer Einnahme, nicht mit Ausgaben.“ Dennoch werde man für das Projekt im kommenden Haushaltsplan wohl mit etwa 35 000 Euro Einnahmen und 30 000 Ausgaben kalkulieren.

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Auch eine intensive Pflege des Kinderwaldes ist nicht vorgesehen. „Es ist ein Wald und keine Parkanlage, macht Waldmann deutlich. Die dennoch anfallenden Arbeiten in dem Kinderwald könnten möglicherweise in den Zuständigkeitsbereich des Kita-Hausmeisters integriert werden, so Robert Waldmann.

Wildes Klettern für Kinder

Investiert werden müsste zu Beginn des Projektes nur in den vorderen Bereich, in dem laut ersten Plänen ein Aufenthaltsbereich mit Sitzgelegenheiten und Material zum „wilden Klettern“ entstehen soll.

Gepflanzt werden sollen im Möckeraner Kinderwald einheimische Laubbaumsorten, Buchen, Eichen, Linden. Außerdem könnten die jeweiligen „Bäume des Jahres“ den hier geplanten Rundweg säumen. Hinter dem jeweiligen „Baum des Jahres“ schließe sich laut aktueller Planung das Baumfeld des jeweiligen Jahrgangs an. Die dortigen Bäume sollen nicht der jeweilige „Baum des Jahres“ sein.

Zuordnung von Baum und Kind umstritten

Diskussionsbedarf gab es hinsichtlich einer möglichen namentlichen Kennzeichung der einzelnen Bäume. Anfängliche Idee war gewesen, dass jeder Baum personifiziert, also einem konkreten Kind zugeordnet werden könnte.

Dagegen sprechen jedoch mehrere Gründe. Wie wolle man einem Kind erklären, wenn ein Bäumchen es nicht schaffe, zum Baum heranzuwachsen? Neben natürlichem Verlust käme hier auch bewusste Absicht durch Vandalismus oder forstwirtschaftliches Handeln in Frage.

Schaden durch Vandalismus oder Wachstum

Denn bei dem geplanten Abstand von maximal zwei Metern zum nächsten Baum bleibt nicht aus, dass es irgendwann für manchen Baum eng wird.

Auch datenschutzrechtliche Gründe, die von Möckerns Hauptamtsleiter Holger Maier angeführt wurden, sprechen gegen eine namentliche Zuordnung von Baum und Kind samt Geburtsdaten.

Einen dritten Grund brachte Ausschussmitglied Alexander Schulze ins Spiel. Angesichts des aufkommenden Trends der Bestattungsform „Friedwald“ – also die Bestattung unter einem Baum – könnte der Trugschluss aufkommen, dass der Möckeraner Kinderwald ein Friedwald ausschließlich für Kinder ist.

Zustimmung von Möckerns Ortschaftsrat nö

Es setzte sich bald die Idee durch, die Bäume anonymisiert aufwachsen zu lassen. Bei einem tatsächlichen Abgang von Bäumen ließe sich auch besser so eine Nachpflanzung organisieren.

Wann aus der Idee ein echter – und möglicherweise Deutschlands erster – Kinderwald wird, ist noch offen. Zunächst werde der Ortschaftsrat von Möckern zu dem Thema und dem Standort angehört, sagte Stadtbürgermeister Frank von Holly gegenüber der Volksstimme.