Niegripp l Niegripp soll wachsen. Wie kein anderer Ort in der Stadt Burg ist das Dorf zwischen Elbe, Kanal, Seen und viel Wald bei Häuslebauern begehrt. Auch deshalb wurde im vergangenen Jahr der Weg für ein weiteres, rund vier Hektar großes Wohngebiet in der Nähe des Sees freigemacht. Im kommenden Jahr sollen auf diesem Areal, das derzeit landwirtschaftlich genutzt wird, die Erschließungsarbeiten beginnen und anschließend schmucke Eigenheime entstehen. So weit, so gut.

Vor einem Bauvorhaben dieser Größenordnung müssen jedoch zig Planungsverfahren über die Bühne gehen, auch die Bauleitplanung. Der entsprechende Entwurfs- und Auslegungsbeschluss sieht vor, dass die Straßen Am See für die Erschließung genutzt werden kann und fügt hinzu: „Die Straße ,Am See‘ ist zusätzlich (…) über die Straße ,Detershagener Weg‘ erreichbar.“ Das allerdings ruft deren Einwohner auf den Plan. Sie raten der Stadt dringend, vom Detershagener Weg abzusehen. „Das ist die schlechteste aller Lösungen und die gefährlichste“, sagen Anwohner Frank und Andrea Rust. Der enge und in den 30er Jahren mit Kopfsteinpflaster versehene Abschnitt gehört zu den ältesten in Niegripp. „Schon jetzt müssen zwei Fahrzeuge im Begegnungsverkehr aufpassen, wenn sie aneinander vorbeifahren. Wie soll das werden, wenn Laster mit Anhänger hier entlangfahren?“, fragen die Einwohner. Schwere Brummis hätten schon Mühe, auf Grund des engen Winkels von der Hauptstraße aus in den Detershagener Weg einzubiegen. Auch der Ur-Niegripper Fritz Sandmann ist mit der Variante, so sie wie jetzt schriftlich fixiert ist, nicht einverstanden. „Hier an den Rändern liegen alle notwendigen Leitungen – von Gas bis Wasser. Wenn schwere Fahrzeuge ständig drüber hinwegfahren, wird das Erdreich immer mehr verdichtet.“

Anwohner fordern Prüfung der Straßen

Die Anwohner fordern die Stadt nun auf, die Straßen noch einmal unvoreingenommen zu prüfen. „Wir wissen, dass die Erschließung notwendig ist, aber die Zuwegung sollte noch einmal untersucht werden“, so Karin Sandmann. Mit dieser Forderung haben sich die Einwohner auch an den Ortschaftsrat gewandt. Marcel Bösener sagte während eines Lokaltermins, dass der Ortsrat Verständnis für die Bedenken habe und regte an, die Hinweise im Rahmen des Auslegungsverfahrens schriftlich bei der Stadt einzureichen. Auch Ortsbürgermeister Karl-Heinz Summa sieht das so: „Wir haben uns klar positioniert, dass der Detershagener Weg als Zufahrt nicht geeignet ist und müssen jetzt mit der Stadt im Gespräch bleiben.“ Für Summa ist das Wohngebiet ein weiterer Baustein, um den Ort zukunftsfähig zu gestalten, Schule, Kindergarten und ein reges Vereinsleben erhalten zu können.

Stadt-Pressesprecher Bernhard Ruth betonte gegenüber der Volksstimme, dass „die Anregungen der Bürger selbstverständlich aufgenommen werden. Noch ist nichts entschieden.“

Andere Lösung suchen

Das sieht der Vorsitzende des städtischen Bau- und Umweltausschusses, Clemens Engel (CDU) nicht anders. Heute Abend ist die Beschlussvorlage Thema des Gremiums in Burg. „Wir werden darüber beraten und gegebenenfalls auch einen Vor-Ort-Termin ansetzen. Wenn der Weg nicht geeignet ist, muss es eben eine andere Lösung geben.“ Nach Ansicht vieler Einwohner sollte ausschließlich die Straße Am See genutzt werden. Das neue Wohngebiet befindet sich am See hinter einem Wall und ist in fünf Baufelder unterteilt.