Fakten und Zahlen

Die Burger Lebenshilfe betreut im Jerichower Land rund 500 Menschen. Allein im Bereich der frühkindlichen Bildung sind es 120 Kinder.

Beschäftigt werden im Kreisverband der Lebenshilfe Burg e.V. 108 Mitarbeiter.

In der Werkstatt, mit der beruflichen Bildung, sind 245 Männer und Frauen tätig. Für die Werkstatt-Mitarbeiter stehen 80 Wohnplätze Am Brunnenfeld, Wilhelm-Kuhr-Straße, Straße der Einheit zur Verfügung.

Von ungefähr 330 000 Werkstatt-Arbeitsplätzen in Deutschland betreiben die Werkstätten der Lebenshilfe rund 220 000 Arbeitsplätze.

Die Lebenshilfe, 1958 gegründet, begleitet Menschen mit geistiger Behinderung in ihrem Bestreben, gleichberechtigt am Leben in der Gesellschaft teilzunehmen und tritt für eine barrierefreie Gestaltung aller Lebensbereiche ein.

Burg l Bei Michael Schleth geht es fast zu wie am Fließband. Der 35-Jährige sitzt im Rollstuhl. Das hindert ihn nicht, die Stufenkappen an einem Lüftungsschalldämpfer im Eiltempo zu montieren. Einige Handgriffe mit der Zange – und schon sitzt das Teil. Ein geschulter Blick hilft dem jungen Mann aus Schermen zu beurteilen, ob er alles richtig gemacht hat. Ausschuss wollen er und seine Kollegen nicht produzieren. „Die Arbeit ähnelt sich zwar jeden Tag. Aber es macht Spaß. Wir sind eine gute Truppe, und am Ende eines Tages weiß man, dass man etwas geschafft hat“, sagt Schleth.

Das bestätigt Gruppenleiter Jens Ahnert. Er packt nicht nur mit an, sondern kann auf motivierte Kollegen zählen, mit denen er die Abläufe koordiniert. Dass sie Menschen mit geistiger Behinderung sind, heißt nichts anderes, als dass die Männer und Frauen speziell betreut werden, die Tätigkeit auf sie zugeschnitten ist und sie teilweise zur Arbeit und wieder nach Hause gefahren werden. „Sie leisten genauso Qualität wie Menschen ohne Handicaps“, sagt Lebenshilfe-Geschäftsführer Erik Dietzel.

Noch Vorbehalte in der freien Wirtschaft

Er staunt im Nebenraum selbst, wie geschickt dort Lattenroste für Bettgestelle montiert werden. Ob für Serienproduktion großer Möbelketten oder Einzelanfertigungen – das Team kann sich schnell auf die jeweilige Produktionsart einstellen und die Einzelteile anschrauben. Und weil jeder Mensch gut und möglichst gesund liegen will, kontrollieren die Mitarbeiter selbst die Arbeitsschritte ganz genau. Immerhin gehen die Teile bis nach Portugal, Spanien oder Frankreich. Erik Dietzel ist zufrieden, dass das Rad der Produktion im Burger Brunnenfeld wie am Schnürchen läuft und die Mitarbeiter in der Werkstatt tagtäglich eine sinnvolle Beschäftigung haben. „Wer sich gebraucht fühlt, hat auch ein anderes Selbstwertgefühl als jemand, der nur zu Hause herumsitzt“, sagt Dietzel.

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Und gebraucht werden die Männer und Frauen in den Bereichen der beruflichen Bildung und Werkstätten der Lebenshilfe auf jeden Fall. „Wir verstehen uns als fester Partner der Wirtschaft“, sagt Erik Dietzel. Verträge bestehen beispielsweise mit Burger Küchen, den Firmen Lenneper Leuchten, Damiflex im Industrie- und Gewerbepark und mit Schuberth-Helme in Magdeburg. Für diese Unternehmen werden diverse Leuchtsysteme, kleinste Baugruppen für Visiermechaniken oder Rohrschellen montiert.

Wirtschaftskräfte mit Tatendrang

Auch das Café am Brunnenfeld und der Kantinenbetrieb für Mitarbeiter der Stadtverwaltung in der Alten Kaserne in Burg haben sich fest etabliert. „Das Essen ist immer abwechslungsreich und schmeckt“, bestätigt Stadt-Pressesprecher Bernhard Ruth, der das Angebot regelmäßig nutzt.Seit vielen Jahren sind zwölf Beschäftigte zudem in der Garten- und Landschaftspflege tätig und „können unter Anleitung auch richtig anpacken“. „Bei all diesen Tätigkeiten haben Menschen mit größeren Einschränkungen ihre Erfolgserlebnisse“, versichert Sozialpädagogin Gabriele Grusdas.

Diese positiven Erfahrungen können Menchen mit Handicap auf dem ersten Arbeitsmarkt allerdings seltener machen. In Sachsen-Anhalt waren zu Beginn des Jahres mehr als 4200 Schwerbehinderte ohne Job. Zwar gibt es für Unternehmen auch finanzielle Unterstützung bei Einstellungen, zurückgegriffen wird darauf aber noch viel zu selten. „Es gibt insgesamt gesehen noch zu viele Vorbehalte und auch Unklarheiten in der freien Wirtschaft, Menschen mit Behinderungen einen Arbeitsplatz anzubieten. Trotz der allgemein guten Auftragslage“, meint Dietzel. Das sei auch ein gesellschaftliches Problem.