Lübs l In eine Streichholzschachtel könnte man die Zwergmaus, das kleinste Nagetier Europas, stecken. Beeindruckend ist da der Unterschied zu seinem Gegenpart, dem Biber, dem mit 1,40 Meter Länge größten Nagetier Europas. Gespickt mit seinem Fachwissen aus einem ganzen (Arbeits-)Leben im Biosphärenreservat Steckby-Lödderitzer Forst/ Mittlere Elbe hielt Biberexperte Peter Ibe auf Einladung des Heimat- und Kulturvereins Lübs einen kurzweiligen Diavortrag in der Heimatstube. Von Kindern bis Senioren hatte er ein großes und buntgemischtes Publikum angelockt.

Arten verschwinden

„Ich bin kein Dunkelgrüner“, sagte er. „Aber bestimmte Sachen sollten einfach umgesetzt werden.“ Er gab sich während des Vortrags stets optimistisch, auch wenn es in manchen Bereichen derzeit nicht gut aussehe. So lebt beispielsweise 60 Prozent des Weltbestandes des Rotmilans in Deutschland und davon wiederum 60 Prozent in Sachsen-Anhalt. Wegen der intensiven Landwirtschaft findet der Greifvogel aber nicht genügend Nahrung. Ähnlich ergehe es dem Feldhasen oder Rebhühnern. „Es ist erschreckend, wie die Arten verschwinden.“

Das Foto des Großen Brachvogels in der Dornburger Aue stamme aus der „guten Zeit“. Auch dieser komme mit der modernen Landwirtschaft nicht klar.

Dort, wo kein Gift mehr gespritzt werde, haben sich die Wiesen gut erholt, wie Peter Ibe anhand von Fotos „blühender Landschaften“ zeigte. Er warb unter den Kleingärtnern im Publikum für wenigstens teilweise naturnahe Gärten, damit Insekten etc. Nahrung finden.

Mit dem Tier Geld verdient

Für Umsiedlungsprojekte unter anderem in Dänemark oder Holland hat Peter Ibe in seinem Berufsleben rund 500 Biber gefangen. „Die Zähne eines Bibers sind immer scharf. Glauben sie mir, ich weiß, wovon ich rede.“ Mit dem Vorurteil, die DDR habe mit dem Biber-Verkauf Geld verdient, räumte Peter Ibe auf. Die 500 D-Mark pro Tier hätten die Kosten nicht aufgewogen.

Momentan ist Paarungszeit bei den Bibern. Im Mai kommt der Nachwuchs zur Welt. Bis zu vier Junge hat ein Paar, das sich nach Möglichkeit ein Leben lang treu bleibt.

„Ihre Wohnstube ist immer trocken und sehr sauber“, erklärte Peter Ibe. Rein äußerlich seien Männchen und Weibchen nicht zu unterscheiden. Mit Ausnahme der Tragezeit, wenn die Weibchen vier Brüste entwickelten. Drei Jungtiere hat er in einem Jahr mit der Flasche aufgezogen. „Das war eine spannende Zeit, aber auch sehr, sehr anstrengend“. Es seien sehr pfiffige Tiere, die schnell den Dreh heraus hatten, wie der Stöpsel der Badewanne zu ziehen ist. Als sie alt genug waren, kamen die Biberkinder in eine Freianlage, suchten dort jedoch ihre Freiheit.

Biber sind reine Vegetarier. Mit ihrem typischen Kegelschnitt an Bäumen wollen sie an Rinde, Zweige und Blüten herankommen. Bis zu anderthalb Kilogramm Nahrung benötigen sie pro Tag. Ihrem sehr dichten Fell haben sie es zu verdanken, sich bis zu zwei Stunden im Wasser aufhalten zu können. „Die Fellpflege ist bei Bibern das A und O.“ Mit der Putzkralle, die Peter Ibe auf einem Foto zeigte, werde das Fell wie mit einem Kamm gepflegt.

Bis Loburg ausgebreitet

Der Elbebiber hat sich mittlerweile bis nach Loburg ausgebreitet. Verkehrsunfälle seien noch vor Lungenentzündungen die häufigsten Todesursachen, beantwortete Peter Ibe Fragen aus dem Publikum. Dass es früher auch bis zu drei Meter große Riesenbiber gegeben hat, rief einiges Erstaunen vor.

Seine Vortragsreihe über die einheimische Natur will der Heimatverein Lübs im nächsten Jahr fortsetzen, kündigte Vorsitzender Marcus Krause an. Nach Elbe, Fledermäusen und Bibern soll die Großtrappe das Thema sein. Der schwerste flugfähige Vogel war einst bei Lübs heimisch und ziert auch das Ortswappen. Peter Ibe kennt Lübs ebenfalls schon aus seiner Zeit in der Großtrappenzucht. In den 1970ern holte er öfter Trappeneier aus Lübs ab.