Burg l Gut zwei Wochen nach dem Brandanschlag auf sein Lebensmittelgeschäft „Al Salam“ in der Burger Innenstadt hat der syrische Ladenbesitzer schriftlich Fragen der Volksstimme beantwortet. Seine Antworten zeigen, welche schweren Folgen die Tat hat, selbst wenn sie nicht geglückt ist. „Mir geht es nicht gut, ich habe Angst um meine Familie“, beschrieb er seinen allgemeinen Gefühlszustand.

Groß ist auch der wirtschaftliche Schaden. So habe das Gesundheitsamt gesagt, dass 90 Prozent der Waren nicht mehr verkaufsfähig seien. Sie waren durch den Brandbeschleuniger verunreinigt. Der entstandene Schaden liege bei ungefähr 100 000 Euro. Doch die Konsequenz ist für ihn noch viel größer. Zum ersten Mal fühle er sich massiv bedroht und habe Angst, dass er jederzeit getötet werden könne. „Deshalb werde ich das Geschäft definitiv nicht mehr öffnen“, ließ er die Volksstimme wissen.

Unsicherheit als Reaktion

Seine Zukunft ist allerdings ungewiss. Seit dem Anschlag gehe es seiner Familie überhaupt nicht gut. „Wir fühlen uns als Zielscheibe, obwohl wir keinen Fehler gemacht haben“, formulierte er es. Er denkt, dass er mit seiner Familie Burg verlassen werde und irgendwo anders einen kompletten Neuanfang wagt.

Für die Mobile Opferberatungsstelle in Magdeburg ist diese Reaktion nicht ungewöhnlich, ganz im Gegenteil. Sehr viele Betroffene von rechter und rassistischer Gewalt hätten nach entsprechenden Angriffen mit dem Verlust des eigenen Sicherheitsempfindens zu kämpfen

Unsicherheit wirkt verheerend

Da die Taten willkürlich alle Personen treffen könnten, die nicht in das Weltbild der Täter passen, werde den Betroffenen deutlich, dass sie jederzeit wieder Ziel von Angriffen werden können, ohne dass sie irgendeine Mitschuld trifft oder dass sie daran etwas direkt ändern können. „Das Verheerende rechter und rassistischer Anschläge liegt also neben der konkreten Gewalt vor allem in der langfristig wirksamen Unsicherheit für die Betroffenen und andere potenziell betroffene Personen“, so ein Sprecher der Mobilen Opferberatung. In der Nacht vom 8. auf den 9. März hatten sich Unbekannte Zutritt zu dem Geschäft verschafft, großflächig Brandbeschleuniger verteilt und versucht, den Innenraum anzuzünden. Das Feuer erlosch nach kurzer Zeit von selbst, so dass die Bewohner des Mehrfamilienhauses, in das der Laden eingebettet ist, verschont blieben.

Zehn Tage zuvor waren die Besitzerin eines anderen ausländischen Lebensmittelgeschäftes in der Innenstadt und ihre Tochter von einer Gruppe jugendlicher Mädchen rassistisch beleidigt worden.

Die Mobile Opferberatung hat eine Spendenaktion für „Al Salam“ ins Leben gerufen und bittet um Überweisung auf folgendes Konto: Kontoinhaber: Miteinander e.V., IBAN: DE84 8102 0500 0008 4734 01, BIC: BFSWDE33MAG, Bank für Sozialwirtschaft Magdeburg, Verwendungszweck: Opferfonds/Burg 2020.