Möckern l Am 17. November 1957 gründeten Möckeraner Brieftaubenzüchter den Verein mit der namensgebenden Registriernummer 9639. Damals im Vorsitz waren Karl Wolf, Eugen Stolarczuk sen., Günter Baenke, Fritz Schäfer und Kurt Strobach. Gegründet wurde der Verein als „9639 Blauscheck Möckern“, aber der Zusatz „Blauscheck“ ist schon lange nicht mehr Programm, erklärt der heute amtierende Vereinsvorsitzende Lothar Strube. Die Gründungsväter hatten sich noch alle auf die „Blaugescheckte“ spezialisiert.

Damals verfügten die Zuchtfreunde über ein kleines Waagehäuschen am Möckeraner Bahnhof. Hier erfolgte auch an den Wochenenden die Verladung der Tauben. Von hier ging es per Zug nach Biederitz, dann weiter nach Polen, Ungarn, in die CSSR oder nach Rumänien. Erst später bekam der Verein seinen eigenen Lkw, einen S4000, erinnert sich der Vereinsvorsitzende Strube.

Im Jahr 1994 erfolgte der Bau des Vereinshauses samt Einsatzstelle an der Möckeraner Badeanstalt. Hier erfolgt an Wochenenden die Einsetzung der Tauben in das Fahrzeug der Reisevereinigung Burg/Genthin.

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Im Laufe des Jahres steigert sich die Distanz, welche die Tiere überwinden müssen, um nach Hause zu kommen. Erst sind es 180 Kilometer, am Ende des Jahres 650 Kilometer. Seit 1995 nutzen die Möckeraner Brieftaubenfreunde moderne Funktechnik. Ein so genanntes Konstatiersystem zeigt an, wenn die Taube den heimischen Schlag wieder erreicht hat.

Wissenschaft rätstelt noch

Wie die Tauben das mit der Orientierung hinbekommen, wissen die Möckeraner Züchter auch nicht hundertprozentig: „Es hat mit dem Sonnenstand und dem magenischen Nordpol zu tun“, weiß man in Möckern. Viel mehr weiß auch die moderne Wissenschaft bis heute nicht.

Die Zuchtfreunde wehren sich gegen den Vorwurf der Tierquälerei: „Die Tiere sollen sich nicht quälen. Die Tauben werden über kleine Distanzen gut vorbereitet. Durch moderne Wettersatelliten gibt es auch kaum noch Verluste bei den Flügen“, erläutert Lothar Strube.

Zum Abschluss des Reisejahres gab es für die Vereinsmitglieder mehrere Auszeichnungen. Geehrt werden die Zuchtfreunde sowohl für die schönsten als auch für die erfolgreichsten Tiere. „Bei der Zucht geht es um Schönheit und um Leistung“, führt Erhard Fischer aus. Der Stegelitzer ist langjähriges Mitglied des Vereines und bekam in diesem Jahr den Pokal für die beste Jungtaube.

14 Mitglieder zählt der Verein heute noch. Den Vereinsnachwuchs bekommen die Züchter nicht so leicht hin, wie den im Taubenschlag. Derzeit zählt der Verein als Mitglieder acht „reisende Schläge“ und zwei Mitglieder aus Wörmlitz und Körbelitz. Hinzu kommen vier passive Mitglieder.

Einen herben Rückschlag musste Hilmar Wolter kurz vor Ende des Jahres hinnehmen, als ein Marder in seinen Taubenschlag gelangte und 30 Tauben tötete. Eine Erfahrung, die mehrere Vereinsmitglieder schon machen mussten. Etliche Stunden Zuchtarbeit waren so vergebens.