Niegripp/Burg l Nur langsam löste sich auf der jüngsten Sitzung des Niegripper Ortschaftsrates die Spannung, nachdem der Ausbau der mehr als 400 Meter langen und teils desolaten Feldstraße auf der Tagesordnung stand. Rund 760.000 Euro sind im Haushalt eingestellt. Die Stadt hält an dem Projekt fest, weil sich der Investor des Wohngebietes südlich des Detershagener Weges an den Kosten beteiligen will und dadurch der Eigenanteil der Anwohner minimiert werden kann. Nach Informationen der Volksstimme würde der Erschließungsträger etwa 350.000 Euro beisteuern.

Stadt-Pressesprecher Bernhard Ruth spricht von einem großen Fortschritt, der im Interesse der Anwohner erzielt worden sei. „Das ist eine Chance, den Abschnitt kostengünstiger erneuern zu können.“

Anwohner zahlen 90 Prozent der Kosten

Dabei handelt es sich weiterhin um eine Erschließung. Das heißt: 90 Prozent der Kosten müssten die Anwohner zahlen. Soweit die Ausgangslage.

Rückblick: Es war im Sommer vergangenen Jahres, als Stadtverwaltung und Ortschaftsrat das Projekt für Nie-gripp im Feuerwehrgerätehaus erstmals vorstellten. Schnell kippte die Stimmung. Nicht etwa, weil das Projekt technisch angezweifelt wurde, sondern die Einwohner ihren Beitrag als unverhältnismäßig hoch betrachteten. 27 Anwohner stimmten nach hitziger Diskussion gegen einen Ausbau, drei enthielten sich. Mehrere Niegripper machten auf ihre persönliche Situation und Härten aufmerksam. Für ein etwa 1000 Quadratmeter großes Grundstück hätten nach alter Rechnung im Groben rund 30.000 Euro berappt werden müssen. Zu viel, lautete die einhellige Meinung.

Anwohner müssen weniger zahlen

Jetzt hat sich die Situation etwas geändert: Die Planungen stehen nach wie vor, nur die Anwohner müssten weniger zahlen. Für die Stadt und auch Ortsbürgermeister Karl-Heinz Summa eine Möglichkeit, die Straße „endlich“ grundhaft auszubauen. „Ich habe jahrelang für eine Prioritätenliste auch für die Ortschaften gekämpft, damit die Bedingungen in den Dörfern verbessert werden. Jetzt sollten wir das nicht leichtfertig vom Tisch wischen“, sagte er.

Anwohner der Feldstraße, die inzwischen eine Bürgerinitiative (BI) gebildet haben, fordern vor einer Bau-Entscheidung erst eine zweite Bürgerversammlung zu diesem Thema. „Der Ortschaftsrat hat 2019 das Versprechen gegeben, bei einer veränderten Situation erneut alle Anwohner zu informieren und die Einzelheiten zu klären. Es ist nicht nachvollziehbar, dass jetzt nur im Ortsrat darüber beraten und das Projekt ganz schnell im Stadtrat durchgezogen wird“, sagt Ingrid Malolepsy. Andere Anwohner erinnern daran, dass zahlreiche Rentner in der Straße wohnen. Etliche müssten immer noch einen höheren fünfstelligen Betrag aufbringen. Mit dem geplanten Ausbau sieht die BI ein weiteres Problem: „Wir bekommen zwei neue Wohngebiete, aber haben kein Konzept für die Verkehrsanbindung“, sagt Malolepsy.

Grüninseln für Verkehrsberuhigung

Der Ausbau der Feldstraße soll kurz hinter dem Abzweig zur Hauptstraße beginnen und hinter dem Kurvenbereich Sandschelle enden. Vorgesehen ist eine Asphalt-Fahrbahn, während für die Zufahrten und Gehweganbindungen Betonsteinpflaster geplant ist. Zur Verkehrsberuhigung werden mehrere Grüninseln vorgeschlagen.