Volksstimme: Ihre Bürgerinitiative hat bereits mehr als 400 Unterschriften aus Königsborn und Nachbarorten gesammelt. Welches Problem haben Sie mit der geplanten Umgehung?
Anita Hildebrandt: Wir wohnen im Mittelweg in Königsborn. Wenn die Ortsumgehung in der Variante kommt, wie zum Bundesverkehrswegeplan angemeldet, dann werden wir hier regelrecht eingekesselt durch die Bahn, die alte Bundesstraße 184 und die neue Ortsumgehung. Die Bahn hat gerade alle Sträucher und Bäume und damit den Lärmschutz von der Strecke weggenommen. Die alte Bundesstraße würde weiterhin von den umliegenden Orten genutzt, da zum Teil keine Auffahrten auf die neue Ortsumgehung geplant sind. Die neue Ortsumgehung müsste erhöht zwischen Alt- und Neu-Königsborn gebaut werden, weil das rund um den alten Bullengraben ein sehr nasses Gebiet ist. Der Schwerlastverkehr könnte auf der Straße außerdem recht schnell fahren. Dann kriegen wir es hier im Mittelweg von jeder Seite. Dabei ist der Lärm von Bahn und Bundesstraße schon jetzt schwer auszuhalten.
Andrea Bach: Diese Straße nutzt doch keinem was. Die Lkw stauen sich doch dann trotzdem wieder in Heyrothsberge, weil es da wieder einspurig wird. Wer plant so was? Was wirklich gebraucht wird, ist doch im Grunde eine weitere Zufahrtsmöglichkeit nach Magdeburg.

Sie denken, die Ortsumgehung ist unnötig?
Anita Hildebrandt: Wirklich wichtig wäre aus meiner Sicht eine Verbindung zwischen der Bundesautobahn 2 und der Bundesautobahn 14 anstatt alles in Richtung Biederitz zu leiten, wo sich dann alles konzentriert, weil es in jeder Richtung einspurig wird. Ich bin kein Verkehrsplaner, aber es ist nicht logisch, eine schnelle Ortsumgehung um Wahlitz und Menz herum zu bauen, damit sich dann in Heyrothsberge wieder alles staut. Sinnvoll wäre es, eine Strecke an Pöthen und Gommern vorbei auf die neue Brücke bei Schönebeck und weiter zur Autobahn 14 zu führen. Das Dreieck zwischen A 2 und A 14 muss geschlossen werden. Eine pa- rallele Führung der Umgehung ist Unsinn.

Andrea Bach: Es packt einen wirklich die Wut. Das ist so unlogisch, was da mit der Ortsumgehung der Bundesstraße 184 geplant ist. Wenn das kommt, werden unsere Grundstücke einen starken Wertverlust haben. Wir wohnen seit 17 Jahren hier und die Lärm-Belastung durch zunehmenden Bahn- und Lkw-Verkehr ist ständig gewachsen. Das ist auch ohne Ortsumgehung auf der anderen Seite unglaublich.

Die Wahlitzer und Menzer wollen diese Ortsumgehung aber offensichtlich, damit ihre Orte von den vielen Lkw befreit werden, die täglich durchfahren.
Anita Hildebrandt: Wir sind ja im Grunde nicht komplett gegen eine Umgehung. Sie soll nur auch unseren Ort umgehen anstatt ihn zu teilen. Man kann nicht von Ortsumgehung sprechen, wenn sie unseren Ort nicht umgeht. Unser Dorf soll gespalten werden. Die Lebensqualität wird enorm abnehmen, Lebensraum für Tiere geht verloren.
Andrea Bach: Das heißt übrigens nicht, dass wir dafür sind, die Ortsumgehung durch das Überflutungsgebiet an Gübs vorbeizuführen.
Anita Hildebrandt: Wir wollen als Bürgerinitiative eine Lösung mit allen Orten gemeinsam erreichen. Eine Bündelung der Interessen ist uns wichtig. Wir sollten uns nicht gegenseitig ausspielen, sondern alle an einem Strang ziehen.

Was sind die weiteren Schritte der Bürgerinitiative und mit welchem Ziel?
Anita Hildebrandt: Wir werden das Gespräch mit Gemeindebürgermeister Kay Gericke suchen. Außerdem werden wir weiter Unterschriften sammeln für eine Ortsumgehung, die wirklich Sinn macht. Für die Informationsveranstaltung der Straßenbaubehörde am 2. April in Gommern melden wir eine Demonstration an. Unser Ziel ist es, dass es entweder eine große Umgehungslösung Autobahn 2 – Möckern – Pöthen – Gommern – Autobahn 14 gibt oder, dass die geplante Ortsumgehung hinter Königsborn zur B1 führt. Dann gäbe es keine Teilung des Ortes Königsborn mehr.