Burg l Den perfekten Start als neuer Kinoleiter hatte er nicht gerade. Die erste Amtshandlung von Jochen Frankl war am 15. März die Absage des Kinoprogramms. Die Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus ließen keinen Filmbetrieb mehr zu. Doch die Einschränkungen werden Stück für Stück gelockert. Seit dem heutigen Donnerstag dürfen in Sachsen-Anhalt wieder Filme gezeigt werden, und Frankl kann sich nun als richtiger Kinoleiter fühlen. Der Betrieb im Burg-Theater wird am 4. Juni wieder aufgenommen.

„In diesem Jahr wird es auch keine längere Schließzeit mehr geben, das können wir uns nicht leisten“, sagte er im Gespräch mit der Volksstimme. Die Sommerpause fällt aus, stattdessen werden Filme gezeigt. Das Programm für Juni steht bereits fest. „Die Verleiher sind etwas ins Hintertreffen geraten, es gibt keine Neu- erscheinungen, deshalb zeigen wir zunächst mal das Beste aus dem ersten Halbjahr“, erklärte er. Dazu gehören der Udo-Lindenberg-Film „Lindenberg! Mach dein Ding“ und „Parasite“, der südkoreanische Film, der unter anderem mit vier Oscars ausgezeichnet worden ist. Eine Neuerung gibt es im Spielplan, er wechselt jetzt in einem Vier-Wochen-, nicht mehr in einem Acht-Wochen-Turnus, um flexibler zu sein.

Hygienekonzept wird erprobt

Mit dem Öffnungstermin 4. Juni folgt das Burg-Theater der Empfehlung des Hauptverbands Deutscher Filmtheater. So bleibe genug Zeit, das bereits vorhandene Hygienekonzept im erforderlichen Umfang anzupassen, es zu erproben und dann im Sinne aller Gäste und Mitarbeiter umzusetzen.

Bereits eine Woche, bevor sich um 16.30 Uhr der Vorhang für „Viel zu weit“ – ein Film über die Freundschaft zweier Jungen, die beide ihre Heimat verlassen mussten – öffnet und damit die Zwangspause beendet ist, wurde der neue Fahrstuhl eingeweiht. Er ermöglicht es nun auch Rollstuhlfahrern, ohne fremde Hilfe von der Eingangshalle in den Saal zu gelangen. „Das ist ein neuer kleiner Stein, der unser Juwel noch mehr zum Leuchten bringt“, animierte der Moment Thomas Lalla zur Poesie. Das Vorstandsmitglied des Vereins Weitblick, der das Kino betreibt, sprach aber auch die technische Seite des Unternehmens an. Die Statiker hätten einiges zu tun gehabt, schließlich sei es nicht einfach nur darum gegangen, ein Loch in die Wand zu bohren. „An dem Projekt waren alles tolle Burger Firmen beteiligt“, lobte er. Besonders beeindruckt habe ihn auch, dass jeder der beteiligten Arbeiter eine Beziehung zum Burg-Theater gehabt habe. Nach der Rampe, die im vergangenen Jahr errichtet wurde, ist der Fahrstuhl nun der nächste Schritt in Richtung Barrierefreiheit.

Weitere Schritte zur Barrierefreiheit

„Was ich toll finde, ist, dass wir in die Planungen einbezogen worden sind“, sagte die auf einen Rollstuhl angewiesene SPD-Stadträtin Elke Fenger-Schwindack, die zusammen mit der Teilhabemanagerin Silvia Müller und der Behindertenbeauftragten des Landkreises, Karina Cleve, zur Einweihung des Fahrstuhls gekommen war.

„Manchmal sind es ja nur kleine Sachen, die geändert werden müssen, um den Menschen mit Beeinträchtigungen zu helfen“, sagte Müller. So sei auch der Kontakt zum Vereinsvorsitzenden Bernd Goldbach aufgenommen worden. Das Teilhabemanagement schaut selbst auf Verbesserungswürdiges im Jerichower Land, bietet aber auch einmal im Monat eine Sprechstunde an, um Anregungen aufzunehmen. „Und wir besuchen auch zu Hause, denn nicht jeder schafft es, mit dem Bus zur Kreisverwaltung zu kommen“, ergänzte die Teilhabemanagerin.

Eingangstür ist als nächstes dran

„Manchmal habe ich den Eindruck, dass die Aufmerksamkeit schon wieder schwindet“, sagte die Behindertenbeauftragte. Reflexmäßig werde jedenfalls nicht sofort an Barrierefreiheit gedacht. Sie ist stets in Projektplanungen einbezogen, etwa wenn eine neue Straße gebaut, eine Schule saniert wird.

Mit dem Fahrstuhl sind die Verbesserungen in Richtung Barrierefreiheit aber noch nicht abgeschlossen. Als nächstes ist die Eingangstür an der Reihe. Sie ist zwar noch nicht so alt, lässt sich von einem Rollstuhl aus aber nicht öffnen. „Wir beide haben schon konkrete Vorstellungen, aber es wird sicherlich auch eine Frage des Preises sein“, sagte Lalla.

Unterstützung für Gehörlose

Bei einer umfangreichen Sanierung, unter anderem sollen der Teppichboden, die Wände und die Elektrik überarbeitet werden, sollen auch Gehörlosenschleifen installiert werden. Diese Anlage kann den Ton des Films auf spezielle Hörgeräte übertragen. Sehbehinderte können sich hingegen mit Apps weiterhelfen, die den Film bildlich beschreiben.

Natürlich kann der Verein die umfangreichen Arbeiten nicht aus eigener Kraft stemmen. Für finanzielle Unterstützung soll das Zukunftsprogramm Kino sorgen. Das Bundesprogramm will vor allem Kinos in kleinen Städten zu unterstützen. Bean- tragt werden können bis zu 60.000 Euro. Bis Jahresende muss der Antrag gestellt sein. „Und da schreiben wir alles rein, was uns einfällt“, meinte Kinoleiter Frankl.