Burg l  Am Mittwoch ist der neugestaltete Schulhof offiziell eingeweiht worden. Manchmal sind es die kleinen Dinge, die den Großen Unterschied machen. Die Frage, wie ein Kind, das im Rollstuhl sitzt, in einem Sandkasten buddeln kann, hat ein kluger Kopf mit einem Hochsandgarten beantwortet. So ein Exemplar steht nun auf dem Schulhof der Lindenschule, der am Mittwoch nach der Neugestaltung eingeweiht wurde.

„Diese Maßnahme war uns eine Herzensangelegenheit“, sagte Landrat Steffen Burchhardt (SPD). Die Förderschule für Geistigbehinderte ist eine von 15 Schulen in Trägerschaft des Landkreises. Und an denen sollten beste Voraussetzungen eben nicht nur für den Unterricht, sondern auch für die Pausen geschaffen werden. Eigentlich wäre die Neugestaltung des Schulhofes noch nicht an der Reihe gewesen, die Schule aber war sehr umtriebig. Nicht nach dem Prinzip, man müsse nur laut sein und komme dann vorwärts sei gehandelt worden, sondern die Schule nahm 2019 an einem Wettbewerb teil.

Kinderhilfswerk prämierte Konzept

„Am Anfang war es gar nicht so leicht, die Kollegen zu überzeugen, es gab viele Zweifler, die meinten, die Zeit an einem Konzept zu arbeiten, könne man sich sparen“, erinnerte sich die stellvertretende Schulleiterin Almut Stutzer. Unterstützung hingegen habe es von Anfang an durch Lehrerin Susan Kalmbach und Hausmeister Bert Böselt gegeben. Und der Aufwand lohnte sich dann eben doch. Das Konzept „Lindenhof – barrierefrei, mit Spiel und Spaß dabei“ wurde vom Deutschen Kinderhilfswerk prämiert und mit 20 000 Euro bedacht. „Das hat es uns schwergemacht, das Projekt nicht vorzuziehen“, meinte Burchardt schmunzelnd. Mit der symbolischen Scheckübergabe und dem ersten Spatenstich begannen die Arbeiten dann am 27. Februar vergangenen Jahres. Und das änderte auch die Stimmung an der Schule. „Immer mehr waren von der Umgestaltung des Schulhofes begeistert“, freute sich Stutzer. Aber auch Schüler und Eltern waren mit Feuereifer dabei, legten selbst mit Hand an. So wurden bestehende Bänke und Spielgeräte auf dem Hof geschliffen und gestrichen. Der alte Fallschutz aus Kies wurde abgetragen. Nun sorgen Matten für eine sanfte Landung bei einem Absturz. Es wurde ein Memoryspiel an der Außenmauer gebaut, außerdem soll im Frühjahr noch eine Kompostecke angelegt werden.

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Und es wurde Geld gespendet. Zusammen mit dem Werben für das Projekt bei verschiedenen Burger Firmen kam so ein Eigenanteil von 7500 Euro an den Investitionskosten von insgesamt 110 000 Euro zusammen. Das zeige auch die Identifikation aller Beteiligten mit der Schule, lobte der Landrat. „Es sind neue Beziehungen entstanden, aber es wurde auch eine alte Partnerschaft wiederbelebt“, sagte die stellvertretende Schulleiterin. Mit der Bundeswehr hatte es viele Jahre regen Kontakt gegeben, etwa durch Gartenpraktika von Lindenschülern auf dem Kasernengelände und gemeinsame Feiern. Nun halfen Soldaten beim Wegräumen alter Schulhofmöbel.

Im August konnten nach langer Coronapause die Bauarbeiten richtig beginnen, Einweihung hätte im September sein sollen. Die ersten Spielgeräte wurden aber am 9. November eingeweiht. Und nun zeigt der Schulhof komplett sein neues Gesicht. Seit dem Einzug der Schule in das Gebäude auf dem ehemaligen Kasernenkomplex im Oktober 1998 hatte sich außer Reparaturen nichts getan.

Bewegung hilft der Entwicklung

Nun bieten neben dem erhöhten Sandkasten unter anderem eine Kletteranlage mit Liegeplatz, eine Stegwippe, ein Bodentrampolin und eine Spieltankstelle aus Holz viele Möglichkeiten für eine abwechslungsreiche Pause. Aber nicht nur für die. „Wir beziehen den Schulhof auch in den Unterricht ein“, erklärte Almut Stutzer, „denn Entwicklung vollzieht sich auch in der Bewegung“.