Ausbildung

Busfahrer wagen sich für die Fähre Ferchland aufs Wasser

Drei Mitarbeiter der Nahverkehrsgesellschaft Jerichower Land (NJL) lernen derzeit, wie eine Fähre ans andere Ufer übergesetzt wird.

Von Thomas Pusch 15.07.2021, 16:21
Anika Strübing von links), Elias Fichtner und Paul Oelze lernen in Barby, wie eine Fähre sicher übergesetzt wird. In kurzen Momenten können sie den Ausblick auf die Elbe genießen.
Anika Strübing von links), Elias Fichtner und Paul Oelze lernen in Barby, wie eine Fähre sicher übergesetzt wird. In kurzen Momenten können sie den Ausblick auf die Elbe genießen. Foto: Thomas Pusch

Barby/Parey - Normalerweise sitzen sie hinter dem Lenkrad eines Busses auf den Straßen des Jerichower Landes. Einer von ihnen arbeitet in der Verwaltung der Nahverkehrsgesellschaft Jerichower Land (NJL). Doch nun haben Anika Strübing, Paul Oelze und Elias Fichtner das Element gewechselt. Als Praktikanten sind sie auf der Gierseilfähre Barby unterwegs und lassen sich zeigen, wie man auf dem Wasser die Fahrgäste sicher ans Ziel bringt. „Bei uns wurde angefragt, ob wir helfen können“, sagt Barbys Bürgermeister Torsten Reinharz (SPD) im Gespräch mit der Volksstimme auf einer Bank mit Blickrichtung zum Fähranleger. An diesem Nachmittag ist viel los, gute Gelegenheit für die NJL-Praktikanten, das Geschäft zu lernen.

Unterschiedliche Beweggründe

Die Stadt Barby betreibt gleich drei Fähren. Die Fähre Barby verbindet die Stadt mit dem Zerbster Ortsteil Ronney, die Fähre Breitenhagen verkehrt zwischen Alt Tochheim in Barby und Tochheim in Zerbst, die Fähre Groß Rosenburg fährt zwischen dem Ortsteil und der Stadt Barby über die Saale. „Die Fähren haben natürlich auch touristische Bedeutung, sind aber vor allem auch für die Pendler wichtig“, so Reinharz. Wenn die Fähre Barby beispielsweise nicht fährt, müsste auf den Straßen ein Umweg von etwa 40 Kilometern in Kauf genommen werden.

„Wir haben uns in der Umgebung umgehört, wer Praktikanten aufnehmen kann, in Barby hat es sofort geklappt“, freut sich NJL-Geschäftsführer Thomas Schlüter, der mit Prokuristin Daniela Kramper an die Elbe gekommen ist. Ein e gute Gelegenheit, nochmals Bürgermeister Reinharz für seine Zusammenarbeit zu danken, und den Mitarbeitern ein paar lobende Worte mit auf den Weg zu geben. „Die haben wir wirklich handverlesen“, sagt Schlüter. Doppelt so viele hatten sich auf einen Platz auf der Fähre beworben. Trotz der kurzen Überfahrt spiele auch ein Hauch Seefahrerromantik eine Rolle, der Wind, das Wasser. Der Spaßfaktor sei natürlich dabei, die Euphorie groß, aber die NJL müsse auch auf Beständigkeit setzen. So seien intensive Gespräche geführt worden, und die drei hätten nun das vollste Vertrauen ihrer Chefs. „Sie müssen natürlich im Fahrdienst ersetzt werden“, merkt Daniela Kramper an, die auch Fahrdienstleiterin bei dem Nahverkehrsunternehmen ist.

Großes Lob auch vom Kapitän

Die Fähre ist wieder am Barbyer Ufer angekommen. Autos, Fahrräder, Fußgänger werden an Land gelassen. Dann sind die NJL-Praktikanten damit beschäftigt, Autos einzuweisen, die Überfahrt vorzubereiten. Schließlich setzt sich die Fähre in Richtung Ronney in Bewegung, kurze Chance, miteinander ins Gespräch zu kommen, nach den Beweggründen für die Bewerbung auf der Fähre zu fragen. „Ich wollte mal etwas Neues machen“, sagte Elias Fichtner. Der 40-Jährige ist seit acht Jahren Busfahrer. Das gehe manchmal auf den Rücken. Er hofft, auch mehr Zeit für die Familie zu haben. „Außerdem bin ich auch gerne draußen in der Natur, klar, bei Schneeregen morgens zur Arbeit zu fahren, ist nicht so schön, aber sonst mag ich jedes Wetter“, fügt er hinzu.

Anika Strübing hat sich beworben, „damit ich in allen Bereichen der NJL eingesetzt werden kann“. Für die 30-Jährige ist die Arbeit auf der Fähre auch eine neue Herausforderung. Paul Oelze, der Verwaltungsmitarbeiter, hat ohnehin eine Verbindung zum Wasser. „Ich bin aus Hohenwarthe“, sagte er. 180 Decktage müssen die drei absolvieren, eine Funkerausbildung machen und für die Fähre Ferchland-Grieben noch eine Revierprüfung ablegen. Schließlich sind die Bedingungen an jeder Anlegestelle anders. Sie werden dann die drei ausgebildeten Fährleute ergänzen, die von der NJL bereits unter Vertrag genommen worden sind. „Zwei davon kennen die Fähre auch schon“, so Schlüter.

Mittlerweile hat die Fähre wieder auf der Barbyer Seite angelegt. Nun soll doch noch Kapitän Stefan Teubner sagen, wie sich die Praktikanten aus dem Jerichower Land machen. „Das läuft mit ihnen einwandfrei“, sagt er spontan. Autos und Fußgänger füllen das Deck. „Ich komme nur noch dazu, den Fahrpreis abzukassieren, sie machen den Rest“, ruft er noch, dann geht es wieder nach Ronney.