Pietzpuhl/Burg l Mit 90 zu 37 Stimmen gab es ein deutliches Votum der knapp 130 Parteimitglieder zu Gunsten Gottschalks. Sie sagte: „Ich habe nicht aus Kalkül kandidiert, sondern weil es mir eine Herzensangelegenheit ist.“ Als Nachfolgerin von Gerd Mangelsdorf aus Genthin wird Gottschalk nun die Geschicke der Partei mit 420 Mitgliedern im Jerichower Land lenken.

Treffender als Hans-Horst Borg aus Schartau kann man das Wahlergebnis nicht analysieren: „Der jeweilige Applaus nach der kurzen Vorstellung der Kandidaten spiegelt das Wahlergebnis wider.“ Erst im nichtöffentlichen Teil verteidigte Gerd Mangelsdorf seinen Rücktritt im September mit „mangelndem Vertrauen des Kreisvorstandes“. Hintergrund war der umstrittene Rauswurf von Kreisgeschäftsführerin Yvette Below.

Mit 130 Mitgliedern kamen deutlich mehr als erwartet zum Parteitag auf dem Reiterhof von Lutz Gotzel in Pietzpuhl. Lutz-Georg Berkling: „Mit so vielen Leuten hatten wir nicht gerechnet.“ Außer der Wahl der Vorsitzenden gab es einige bemerkenswerte Äußerungen der Parteiprominenz mit Generalsekretär Sven Schulze und dem Landtagsabgeordneten Markus Kurze an der Spitze. Beide verteidigten den heftig umstrittenen Redebeitrag von Kurze im Landtag. Die Volksstimme dokumentiert die wichtigsten Aussagen.

Harter Wind vom Domplatz

Kurze sagte in Pietzpuhl zu seinem Auftritt im Landtag: „Meine Performance war nicht die beste. Ist halt so, wenn am Abend zuvor eine Weihnachtsfeier stattfindet. Ich hatte mir vorgenommen, keine Rede zu halten nach dem Muster, alles ist gut. Ich stehe zu dem was ich gesagt habe, dass die öffentlich-rechtlichen Sender ihre Kameras auf Flüchtlingskinder halten – und nicht auf die 80 Prozent männlichen Flüchtlinge. Mit dem Hintergrund, dass man für den öffentlich-rechtliche Rundfunk bezahlt, kann man Menschen verstehen, die diese Fernsehbilder kritisieren. Viele Menschen haben mir seit der Rede Recht gegeben, immerhin gab es 2500 Klicks auf der Landtagsseite im Internet. Einige meinten: Endlich mal einer mit Eiern! Seit meinem Auftritt kurz nach der Landtagswahl bei der Demo von Landwirten auf dem Domplatz bläst mir ein harter Wind ins Gesicht. Dabei dachte ich, es sei ganz normale Basispolitik, mich mit den Leuten auf die Straße zu stellen. Ich habe meine Wahl mit 1750 Stimmen Vorsprung zur AfD gewonnen. Im Gegensatz dazu hat der gesamte Süden des Landes gegen die AfD verloren. Die Politik ist ein Haifischbecken, das muss man aushalten. Aber man muss überlegen, ob man die Kraft für verschiedene Funktionen aufbringen kann. Zur CDU im Jerichower Land kann ich nur sagen: Wir sind ein geeinter Kreisverband, wir lassen uns keine Gräben einreden.“

Der Quedlinburger Schulze ist Europaabgeordneter und seit Kurzem Generalsekretär seiner Partei in Sachsen-Anhalt. Er sagte beim Parteitag: „Die CDU in Sachsen-Anhalt steht hinter Markus Kurze. Wir können alle mal einen Scheißtag haben.“ Zum Streit zwischen Ministerpräsident Reiner Haseloff und Innenminister Holger Stahlknecht um eine abgesagte Podiumsdiskussion Stahlknechts mit dem AfD-Mann Götz Kubitschek wiederholte Schulze seine vorherigen Aussagen: „Stahlknecht wollte die Sichtweise der CDU darstellen. Wir lassen uns weder von der SPD noch von den Grünen vorschreiben, mit wem wir diskutieren.“ Zur neue Ausrichtung der CDU im Land sagte Schulze: „Für Regierungsmitglieder wie Webel, Schröder oder Stahlknecht ist es schwer, reine CDU-Politik zu transportieren. Da habe ich als Generalsekretär einen ganz anderen Handlungsspielraum. Und ja, es gab in der Vergangenheit Parteiaustritte. Oft sind das Menschen, die noch nicht lange in der Partei waren. Daher ist es gut, dass sich mit Mario Karschunke ein Mitgliedsbeauftragter darum kümmert.“

Alle Mitglieder aufgefordert

Mit Matthias Fickel bleibt Lutz-Georg Berkling stellvertretender Kreisvorsitzender. Er nahm Stellung zu den Vorwürfen, dass es keine klare Trennung zwischen der Kreisgeschäftsstelle und dem Abgeordneten-Büro von Markus Kurze gäbe: „Dies ist ein nicht zu beanstandender Vorgang. In der Schartauer Straße gibt es noch eine bessere Trennung als es vor dem Umzug an der Magdeburger Straße der Fall war. In dem Haus an der Schartauer gibt es eine gemeinsame Treppe, einen gemeinsamen Flur, gemeinsame Toiletten und die Teeküche. Die Büros haben eine abschließbare Zwischentür und sind getrennt voneinander zu erreichen. Die Miete für die Kreisgeschäftsstelle beträgt 5,28 Euro für 30 Quadratmeter. Es gibt einen gemeinsamen ISDN-Anschluss mit unterschiedlichen Telefonnummern. Lediglich die Faxnummer ist identisch. Der Mietpreis ist in dieser Innenstadtlage sehr günstig, deshalb streben wir eine Fortsetzung des Mietverhältnisses an. Ich fordere alle Mitglieder auf, dieses Thema nicht mehr zu verwenden.“ Warum er nicht für den Kreisvorsitz kandidierte, erklärt er so: „Ich habe meinen Wohnsitz Anfang Oktober nach Magdeburg verlegt. Laut unseren Statuten hat dies keinen Einfluss auf meine Wählbarkeit. Weil es zu dem Thema im Vorfeld Diskussionen gab, habe ich auf eine Kandidatur verzichtet.“

Es gibt nicht wenige CDU-Mitglieder, die behaupten, Heike Gotzel mit ihrer zauberhaften Bewirtung ist „Schuld“ daran, dass mit 130 Parteimitgliedern sehr viel mehr als erwartet nach Pietzpuhl gekommen waren. Durchgängig Lob gab es für ihren pikanten Kartoffelsalat mit Knacker, Bockwurst oder Wienern. Ehemann Lutz besorgte umgehend die Antwort auf die Frage, welche Kartoffelsorte zum Salat verarbeitet wurde: Adretta. Lutz Gotzel und sein Team hatten auf den unerwarteten Andrang blitzschnell reagiert. Schnell waren ausreichend Tische und Stühle herangeschafft.