Genthin l Sebastian Witte kann sich zu Recht ein Chemie-As nennen. Als Außenseiter im Teilnehmerfeld von fast ausschließlich aus Spezialschulen angetretenen Schülern aus ganz Mitteldeutschland erkämpfte er sich in seiner Klassenstufe in der Finalrunde einen hervorragenden 3. Platz. Damit hat er den Sprung an die Spitze der jungen Chemie-Eliten geschafft. Um in Merseburg antreten zu können, hatte der 15-jährige Sebastian Witte bereits das Siegertreppchen bei der Landesrunde der Chemie-Olympiade in Schulpforta bestiegen.

An der Olympiade nahmen dieses Jahr über 3000 Schüler der 8., 9. und 10. Klassen in zwölf Bundesländern teil. Nur die 60 besten Schüler Sachsens, Sachsen-Anhalts, Thüringens und erstmals auch Baden-Württembergs und Nordrhein-Westfalens sind nach Merseburg eingeladen worden, darunter auch der Genthiner Gymnasiast.

Vorbereitet hatte er sich anhand der Aufgaben des Vorjahres. Dazu gehörten Lösungsbesprechnungen mit seinem Chemie-Lehrer Klaus Krüger, aber auch tägliches, mehrstündiges Büffeln.

Sebastian Wittes Erwartungen, die er mit der Teilnahme an der Finalrunde verbunden hatte, darf er abhaken.

„Mein persönliches Ziel war es, in die Finalrunde zu kommen. Mein Traumziel waren die Top Ten, die ich tatsächlich erreicht habe. Außerdem habe ich natürlich viele neue Leute kennengelernt, mit denen man sich ganz locker über Chemie unterhalten kann“, freute er sich im Gespräch mit der Volksstimme.

Tatsächlich habe ihm die Bearbeitung der Aufgaben großen Spaß gemacht, auch wenn er hin und wieder ein mulmiges Gefühl gehabt habe. Auch der experimentelle Teil des Wettbewerbs begeisterte ihn.

„Da ich kaum praktische Erfahrung habe, konnte ich beim gemeinsamen Experimentieren mit meinem Team viel dazulernen. Mit meinem Teamkollegen Timo Hülße (Anm. der Red. Schüler aus Hamm in Nordrhein-Westfalen) konnte ich dann auch einen Lösungsweg finden, um das unbekannte Salz, welches wir untersuchen sollten, zu identifizieren.“

Jan Bandemer, Pressesprecher der Chemie-Olympiade, ist viel daran gelegen, „Chemie-Laien“ zu vermitteln, dass mit den Aufgaben des Wettbewerbes in der Finalrunde „richtig harte Nüsse“ zu knacken waren. Selbst Chemie-Studenten des 1. Studienjahres würden an die Aufgaben aufgrund ihres Schwierigkeitsgrades respektvoll herangehen, sagt er.

Bandemer scherzt, wenn er sagt, dass vielleicht ein Mathematiker sich auf sein logisches Denkvermögen verlassen und deshalb etwas lockerer Aufgaben bewältigen könne, ein Chemiker müsse hingegen mit großem Fleiß und ernsthaft an sich arbeiten, um zum Erfolg zu kommen. Diese Voraussetzungen bringe der Genthiner Gymnasiast mit.

Sebastian Witte, plaudert Bandemer aus dem Nähkästchen, habe in Merseburg eine Aufgabenstellung mit besonderer Bravour gelöst. Chemie-Freaks aufgepasst, Jan Bandemer erläutert: „Schwarze Flecken auf Silberbesteck? Davon hat doch bestimmt jeder schon einmal gehört. Die Flecken entstehen vor allem, wenn man mit dem Besteck eierhaltiges Essen isst. Und wie man die Flecken wieder wegbekommt, das ist auch ein alter Hut: Man umschließe das Silberbesteck in Alufolie und lege es dann in heißes Essigwasser. Die schwarzen Flecken verschwinden.

Doch welche Chemie hinter dem angelaufenen Silber steckt, das weiß nicht jeder. Denn bei den Flecken handelt es sich nicht etwa um mit Sauerstoff oxidiertes Silber, so wie etwa bei rostigem Stahl. Sondern um Silbersulfid, eine Verbindung aus Silber und Schwefel. Kein Wunder: Vom Schwefel gibt es reichlich in eierhaltigen Speisen. So sind es die Schwefelverbindungen, die faule Eiern so übel riechen lassen. Die Reaktionen, die dann zwischen dem Silber und dem Schwefel in den Eiern oder dem Aluminium ablaufen, die sind dann gewöhnliche „Redoxchemie“ - wie jeder Gymnasiast sie in der Sekundarstufe 1 kennengelernt hat.“

Diese Zusammenhänge zwischen Silber, Eiern und Aluminium habe Sebastian Witte im Rahmen einer vierstündigen, sehr anspruchsvollen Klausur so gut wie kaum ein anderer erkannt, weiß Jan Bandemer zu berichten.

Für die Zukunft lässt Sebastian Witte der Ehrgeiz nicht locker und avisiert eine Teilnahme an der Internationalen Chemie-Olympiade (IChO) an. „Sich dafür zu qualifizieren, ist richtig schwer“, sagt Jan Bandemer. Von 1000 Bewerbern würden es nur vier in die Nationalmannschaft schaffen.“ Die Chemie-Olympiade „Chemie - die stimmt“ bereite die Schüler über drei Jahre auf das Niveau dieses Internationalen Vergleichs vor, und es spreche für Sebastian Witte, bereits jetzt in Richtung Abiturstufe zu schauen.

Von der Chemie wird sich Sebastian so auch in den bevorstehenden Ferien keine Auszeit nehmen. So nimmt er an der zweiwöchigen Landesschülerakademie in Köthen teil. „Hier kann ich intensiv Erfahrungen sammeln“, sagt er. „Meine Chemie-Bücher werden ohnehin meine ständigen Begleiter sein, schließlich will ich ja an der Internationalen Chemie-Olympiade teilnehmen.“