Burg l Die genauen Zahlen kann Bernd Hechel, Präsident des Kreisverbandes der Burger Gartenfreunde, zwar erst im Frühjahr nach allen Rückmeldungen der 46 Vereine offerieren, aber Corona habe in jedem Fall dafür gesorgt, dass viele Familien wieder den Kleingarten für sich entdeckten „und raus aus der Neubauwohnung wollten“. Nach bisherigen Schätzungen könnten bis Jahresende etwa 200 Parzellen im gesamten Verbandsgebiet neu vergeben werden. „Vorwiegend in solchen Vereinen, die eine gute Vorstandsarbeit leisten und wo das Mitgliederleben intakt ist.“

Damit könnte der Leerstand möglicherweise halbiert werden – sofern viele Interessierte, die Anfang des Jahres während des harten Lockdowns den Schritt gewagt haben, noch immer Spaß am Gärtnern haben. „Viele haben unsere wöchentlichen Sprechstunden in der Geschäftsstelle genutzt und sich über einen Garten informiert. Wir haben sie dann zu den Vereinen in Wohnortnähe vermittelt. Dieses Verfahren und erste Kennenlernen haben sich bewährt“, resümiert Hechel. Dass darunter auch Familien mit Kindern waren, stimme den Kreisverband optimistisch, um den Altersdurchschnitt weiter zu senken. Jetzt komme es nur auf ein gutes und verständnisvolles Miteinander zwischen Jung und Alt an.

Mammutaufgabe geschafft

Eine Mammutaufgabe liegt indessen hinter den Mitgliedern des Vorstandes. Das Ziel, alle Vereine zu besuchen und mit den Vorständen ins Gespräch zu kommen, konnte in Burg erreicht werden. Auch in Vorbereitung des Kleingartenkonzeptes, das die Stadt erarbeiten lässt, „war es wichtig zu erfahren, wo es am meisten hakt und was die Arbeit belastet“, sagt Vorstandsmitglied Christa Seidel. Die Probleme seien vielschichtig. Sie reichten von Gartenfreunden, die ihre Pacht nicht oder nur nach mehreren Aufforderungen zahlen, die Flächen nicht entsprechend dem Bundeskleingartengesetz bewirtschaften oder den Garten nicht an den Verein so zurückgeben, wie es in den Verträgen geregelt ist. „Manch einer denkt immer noch, der Verein oder Kreisverband ist für die Beräumung des Gartens zuständig, wenn die Pacht gekündigt wird“, stellt Hechel fest. Wie sehr diese Tatsache den Verband belastet, zeigt beispielsweise die aus 39, etwa 300 Quadratmeter großen Parzellen bestehende Anlage Rodelbahn am Burger Bismarckturm. Über Jahre haben dort immer mehr Ältere ihre Gärten aufgegeben, zum größten Teil aber weder Bungalow noch andere Teile abgebaut. Auch deshalb, weil der Vorstand keinen Einfluss ausgeübt habe.

Der Verein befindet sich nun in Auflösung, die Pacht mit der Stadt endet zum Jahresende und die Lage ist vertrackt. Während die Stadtverwaltung den Rückbau der Fläche fordert, sieht sich der Kreisverband dazu weder personell noch finanziell in der Lage. Erste Gespräche hätten zu keinem Ergebnis geführt, sagt Hechel. Das Problem: Pro Garten müssten für Rückbau und Entsorgung verschiedenster Materialien ungefähr 5000 bis 6000 Euro einkalkuliert werden. „Das Geld haben wir ganz einfach nicht“, so der Verbandspräsident. Solche Summen gebe auch der entsprechende Fonds nicht her. So hofft der Kreisverband auf „ein Stück Entgegenkommen“ und weitere Gespräche mit der Stadt. Deren Pressesprecher Bernhard Ruth sieht die Tür noch nicht zugeschlagen. „Auch wir sind an einer Lösung interessiert.“