Burg l Ab Morgen steht der Alltag weitgehend still. Bundesregierung und Länder haben gemeinsam gravierende Einschränkungen beschlossen, um die Ausbreitung des Corona-Virus zu verlangsamen. Erwartet haben es die meisten seit Tagen.

Schon am Sonntag warteten Gemeindemitglieder der evangelischen Kirche in Möckern-Lühe auf Gottesdienstbesucher, um ihnen zu sagen, dass der Gottesdienst ausfallen muss. Tatsächlich machten sich – auch wegen vorangegangener Informationen – nur wenige Gläubige überhaupt auf den Weg zur St.-Ulrich-Kirche.

Gottesdienste ab sofort verboten

Das Corona-Virus hat längst auch die Kirchen erreicht. Die Landeskirche hatte am Montag strenge Handlungsvorgaben für die Pfarrer und Gemeinden erlassen. Demnach sind Gottesdienste aller Art ab sofort verboten. Gleiches gilt für kirchliche Veranstaltungen, Chor- und Bläserkreisproben. Für Trauerfeiern erging die Anweisung, dass diese im engen Familienkreis abgehalten werden können. Kirchengemeinden wurden ermuntert, die Kirchengebäude als Orte der Besinnung und des stillen Gebetes während der Corona-Krise zu öffnen. Die Handlungsanweisung sei zunächst bis 5. April gültig. Derzeit ist noch nicht sicher, ob in der Karwoche und Ostern Gottesdienste und andere Veranstaltungen durchgeführt werden können.

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Eigentlich hatte es sich Superintendentin Ute Mertens anders vorgestellt. In großen Kirchen hätten doch Gottesdienste veranstaltet werden können. Doch sie wurde durch die Entwicklung und die Entscheidung der Landeskirche überholt, die damit einer Anordnung der Bundesregierung folgte. Zusammenkünfte aller Art – eben auch in Kirchen – waren damit verboten.

Auch keine Bibelwochen und Frauenkreise

Und es sind auch alle anderen kirchlichen Veranstaltungen betroffen, ob Konfirmandenunterricht oder Frauenkreis, Christenlehre, Gemeindenachmittage, Bibelwochen all das findet bis auf Weiteres nicht mehr statt.

Doch die Superintendentin hatte im Gespräch mit der Volksstimme nicht nur trübe Nachrichten. „Was nicht ausfällt, sind die seelsorgerischen Angebote“, sagte sie. Das Gespräch mit einem Pfarrer, einer Pfarrerin oder einem Mitarbeiter der Kirchengemeinde sei nach wie vor möglich. Das Gespräch sollte telefonisch mit der Gemeinde vor Ort vereinbart werden. Man solle sich nicht scheuen, das Gespräch zu suchen.

Kirchen ohne Gottesdienst geöffnet

Die Superintendentin rief zur Nächstenliebe auf. Es komme in dieser Zeit noch mehr als sonst auf den achtsamen Umgang miteinander an. „Das kann auch ein Hilfsangebot für einen Menschen in der Umgebung sein“, nannte sie ein Beispiel. Man solle schauen, wo jemand Unterstützung gebrauchen kann.

Zum Thema Gottesdienst kann die derzeit nur auf die Gottesdienste in Funk und Fernsehen verweisen. So werde auf MDR Kultur sonntags um 10 Uhr ein Gottesdienst übertragen. Das ZDF zeigt ebenfalls jeden Sonntag um 10 Uhr einen Gottesdienst. Zudem wird im Kirchenkreis Elbe-Fläming auch an einem regionalen Projekt gebastelt.

Kirche will Menschen stärken

Mertens verbreitete Zuversicht. „Wir sehen es als Kirche als unsere Aufgabe, die Menschen zu stärken“, fasste sie zusammen.

Zu Wort meldete sich auch Pfarrer Peter Gümbel, nachdem nun auch die Kirchen in dieser Zeit alle Veranstaltungen, Gruppen und Gottesdienste absagen müssen, um niemanden in Gefahr zu bringen. Trotz all der Veranstaltungsausfälle habe die Kirche eine Verantwortung, gerade in der Krise Menschen zu unterstützen und an der Seite derer zu sein, die sich Sorgen machen oder in Not sind. „Deshalb öffnen wir an den nächsten Wochenenden, sonnabends und sonntags, von 10 bis 17 Uhr die Kirche Unser Lieben Frauen in Burg“, schrieb er in einer Presseinformation. Wer möchte, kann dort beten, eine Kerze anzünden oder im Gespräch mit einer Mitarbeiterin oder einem Mitarbeiter die Seele entlasten. Zwischendurch spielt auch die Orgel. Um Ansammlungen von Besuchern zu einem Zeitpunkt zu vermeiden, geben wir keine Uhrzeit für Gesprächsangebote oder Orgelspiel bekannt. Wer jedoch sicher gehen will, dass ein Gesprächspartner in der Kirche ist, könne im Pfarramt anrufen: 03921/94 44 30.

Gespräche können vereinbart werden

Dieses Angebot, für Gespräche zur Verfügung zu stehen, gilt ausdrücklich für alle Dörfer des Pfarrbereichs St. Nicolai und Unser Lieben Frauen. Es kann dazu jederzeit im Pfarramt angerufen werden. Wir werden jedoch auf den Dörfern Detershagen, Ihleburg, Gütter und Parchau die Kirchen im Moment geschlossen halten. „Wer eine Kerze anzünden oder ein Gebet in einer Kirche sprechen möchte, ist herzlich in die Oberkirche Unser Lieben Frauen eingeladen“ so Gümbel.

Auch in der evangelisch-reformierten Petrigemeinde in Burg mussten alle Veranstaltungen abgesagt werden, sagte Pfarrer Jürgen van Wieren. „Bei uns läuft gar nichts mehr“, sagte er im Gespräch mit der Volksstimme. Der Internationale Kinderclub sei abgebrochen worden, um die Kleinen zu schützen, der Seniorenkreis bleibe ebenfalls zu Hause. Ob das Trauercafé unter der Leitung von Elke Fenger-Schwindack stattfinden wird, stehe allerdings noch nicht fest. Aber auch er macht das Angebot, miteinander ins Gespräch zu kommen. „Das geht am Telefon oder auch persönlich“, meinte er. Da werde sich ja eine Variante finden lassen, in der nicht gleich so viele Menschen auf einmal zusammenkommen.

Genthiner Kirche dennoch offen

Die Genthiner Kirchengemeinde ist natürlich ebenso wie die anderen Gemeinden im Jerichower Land von der Anweisung der Landeskirche betroffen. Aber dennoch ist der Veranstaltungskalender nicht ganz leer. „Wir planen am kommenden Freitag die Trinitatiskirche in der Zeit von 10 bis 15 Uhr zu öffnen“, sagte Gemeindekirchenratsvorsitzende Silke Koerth-Bauer im Gespräch mit der Volksstimme. Am kommenden Sonntag, 22. März, fällt zwar der Gottesdienst aus, aber auch dann soll die Kirche geöffnet werden, in der Zeit von 10 bis 11 Uhr. „Das ist für ein stilles Gebet gedacht“, sagte die Gemeindekirchenratsvorsitzende. Es werde auch die Orgel in dieser Stunde erklingen.

In der katholischen St.-Johannes-Gemeinde wurde gestern ein Flyer für Menschen, die Hilfe brauchen, entwickelt. „Und wir stellen einen Pool von Helfern zusammen“, sagte Pfarrer Richard Perner. Am kommenden Sonntag werde er in der Gommeraner Kirche einen Gottesdienst ohne Gemeinde feiern. Es wird Glockengeläut geben, „dann sind wir im Geiste verbunden“.