Biederitz l Ende März in der Gemeinde Biederitz: Die Polizistin und zweifache Mutter Alexandra-Doreen Koch geht in den Supermarkt, um für ihre Familie einzukaufen. Das Corona-Virus führt weltweit zu Kontaktbegrenzungen und gerade die Ältesten der Gesellschaft gehören zur größten Risikogruppe. „Ich habe mich mit einer Seniorin unterhalten, die trotz großer Angst in den Supermarkt gehen musste, weil zuhause die Lebensmittel knapp wurden“, erklärt Koch. „Das war am Donnerstagabend. Daraufhin habe ich freitags bei der Gemeindeverwaltung angerufen und wollte mich erkundigen, wie die Nummer der Senioren-Einkaufshilfe ist. Der junge Mann am Telefon meinte aber, dass es noch nichts vergleichbares in der Region gäbe.“

Im Anschluss an den Anruf kam der Polizistin, die aufgrund ihrer zwei zu betreuenden Kinder nicht mehr am Dienst teilnehmen konnte, die Idee, eine solche Hilfsaktion zu starten. „Fünf Minuten später rief mich Bürgermeister Kay Gericke an und fragte mich, ob ich das Projekt betreuen wolle.“

50 Biederitzer bieten Hilfe an

Dann ging alles ganz schnell. In kürzester Zeit wurden Flyer gedruckt, in den sozialen Medien auf die Einkaufshilfe verwiesen und nach möglichen Unterstützern gesucht. Das war noch am Freitag. Am darauf folgenden Wochenende meldeten sich über 50 Biederitzer, die ihre Hilfe anboten. „Die Resonanz war überwältigend. Ich bekomme heute noch Gänsehaut, wenn ich daran denke, wie viele Personen in der kurzen Zeit zur Unterstützung der älteren Mitbürger zusammengekommen sind. Und dass, obwohl viele selbst in ihrem Leben durch Corona eingeschränkt sind.“

Damit meint Alexandra-Doreen Koch, dass viele Helfer selbst in systemrelevanten Berufen arbeiten oder Kinder im Haushalt betreut werden müssen. „Das beste Beispiel war eine Gruppe von fünf Jungs. Einer davon, ein 17-Jähriger aus Gerwisch, ist zu Fuß zum Supermarkt gelaufen und hat dann den Senioren ihren Einkauf gebracht. Sogar nach Heyrothsberge wollte er mit dem Bus fahren, um dort Sachen zu kaufen. Diesen Auftrag haben wir einem anderen Helfer mit einem Auto gegeben.“

Mehr als 30 Aufträge vermittelt

Wenn ein Anruf auf dem privaten Telefon von Alexandra-Doreen Koch eingeht, stellt die Polizistin den Auftrag in eine Whatsapp-Gruppe der Helfer. „Nach einer Minute gibt es die ersten Zusagen, und die anderen sind regelrecht traurig, dass sie die Nachricht erst nach zwei Minuten gelesen haben“, so Koch.

Weit mehr als 30 verschiedene Aufträge konnten so vermittelt werden. „Dazu gehören aber nicht die dauerhaften Partnerschaften der Senioren und der Helfer. Diese regeln das mittlerweile in Eigenregie.“ Weiter lobt sie die gute Zusammenarbeit mit der Gemeinde und dem Bürgermeister.

Ärzte und Apotheken helfen mit

Auch die Ärzte und Apotheken hätten laut Koch sofort mitgemacht, sodass auch Rezepte und Medikamente abgeholt und geliefert werden konnten.

Ganz uneigennützig kam die Idee wohl aber nicht. „Natürlich war ich am Anfang ein bisschen enttäuscht, weil ich keine Notbetreuung für meine Kinder hatte und somit nicht zum Dienst erscheinen konnte. Deswegen ist die Senioren-Hilfe vielleicht auch ein wenig für mein Gewissen“, sagt sie am Telefon und muss lachen.

Einkaufshilfe bleibt auch nach Coronavirus

Auf die Frage, ob die Einkaufshilfe auch nach Überstehen der Corona-Pandemie noch erhalten bleibt, gibt Alexandra-Doreen Koch eine klare Antwort. „In der Gruppe wurde schon diskutiert, ob wir die Aktion einfach noch weiter laufen lassen sollen, und alle waren sofort dafür.“

Daher wird wohl auch in Zukunft den Senioren in Biederitz und Umgebung gut bei den Einkäufen geholfen sein.

Die Einkaufshilfe für Senioren und Hilfsbedürftige ist per Telefon unter der (03929) 60341 oder per Mail kgericke@gemeinde-biederitz.de zu erreichen.