Burg l Die Sommerferien sind fast vorbei, Ende August beginnt die Schule wieder im Jerichower Land. Gut eine Woche vor dem ersten Läuten hat das Bildungsministerium die Schulleiter darüber informiert, wie der angestrebte Regelbetrieb gestaltet werden soll. Fragen sind allerdings dennoch offen. „Am Donnerstag haben wir eine Schulleiterdienstberatung, ich hoffe, dort mehr zu erfahren“, sagte Thomas Dreher, Leiter des Burger Roland-Gymnasiums, gegenüber der Volksstimme. Es müsste beispielsweise geklärt werden, wie die Esseneinnahme ablaufen soll und wo das Tragen von Masken sinnvoll ist.

In den am 18. August 2020 vom Landeskabinett beschlossenen Regelungen ist festgelegt, dass an den ersten beiden Tagen des neuen Schuljahres Masken getragen werden müssen. In dieser Zeit sollen für alle Schüler Erklärungen unterzeichnet werden, dass sie die Infektionsschutzmaßnahmen zur Kenntnis genommen haben. Ob danach auch Masken, etwa auf den Fluten, getragen werden sollen, bleibt den Schulleitern überlassen.

Einbahnstraßensystem wird eingeführt

Im Unterricht hält Dreher sie für schlecht praktikabel. Die Kommunikation im Klassenzimmer habe auch etwas mit der Mimik von Lehrern und Schülern zu tun. Sollte die Maskenpflicht festgelegt werden, würde ihr natürlich nachgekommen. Er selbst habe festgestellt, wie schwierig das Sprechen mit Maske ist, als er den Eltern der neuen Fünftklässler in einem längeren Vortrag die Schule vorstellte. Die offenen Fragen würden sicherlich mit der Referentin vom Landesschulamt bei der Dienstberatung geklärt werden.

Frank Höpfner, Leiter der Sekundarschule „Carl von Clausewitz“ findet es gut, dass den Schulleitern die Möglichkeit gegeben wird, individuell Regelungen zu treffen. Schließlich sei jede Schule anders. „Auf den Fluren kann der Abstand von eineinhalb Metern nicht eingehalten werden, deshalb werden wir ein Einbahnstraßensystem einführen“, sagte er.

Dass Kohorten gebildet werden sollen, Schüler also nicht in ständig wechselnder Zusammensetzung unterrichtet werden, findet er gut. Für eine Trennung könne man auch auf dem Schulhof sorgen, das habe zum Ende des vergangenen Schuljahres auch schon gut geklappt.

Von den Erfahrungen vor den Sommerferien wird man auch in den Berufsbildenden Schulen „Conrad Tack“ profitieren. „In den Regelungen ist ja nichts richtig Neues vorgesehen“, sagte die stellvertretende Schulleiterin Susanne Röver. Masken seien dort auf den Fluren und in den Pausenbereichen aufgesetzt worden, „auch im Unterricht, wenn es zu eng geworden ist“, fügte sie hinzu. Die aktuelle Richtlinie sieht nicht vor, dass in den Klassenzimmern eineinhalb Meter Abstand eingehalten werden müssen, sieht aber regelmäßiges Lüften vor. „Damit kennen wir uns aus, weil sowohl auf der Sonnen- als auch der Schattenseite des Gebäudes hohe Temperaturen herrschen“, sagte die stellvertretende Leiterin. Fraglich sei, was bei sinkenden Temperaturen im Herbst gemacht würde.

Gesundheit hat oberste Priorität

Jetzt aber gehe es darum, den Schulstart bei Regelbetrieb vorzubereiten. Es werde aber schon darauf geachtet, dass möglichst große Abstände gehalten werden können, „wir schieben ja jetzt nicht wieder die Tische zusammen, weil die Abstandsregel nicht in der Richtlinie steht“. In allererster Linie gehe es doch darum, dass so weit wie möglich alle gesund blieben. Seien es nun die Schüler, die möglicherweise jemanden zu Hause haben, der einer Risikogruppe angehört, oder auch die Lehrer, unter denen auch Menschen sind, für die eine Infektion mit dem Coronavirus eine besonders große Gefahr bedeuten könnte.

Wie viele Lehrer im Jerichower Land zu einer Risikogruppe gehören und daher der Corona-Gefahr lieber ausweichen würden, konnte das Landesschulamt nicht beantworten. Im vergangenen Schuljahr konnten sich Lehrkräfte vom Unterricht vor den Klassen auf der Grundlage eines ärztlichen Attestes befreien lassen. Sie haben dann andere Aufgaben, etwa den Fernunterricht, übernommen.

Das ist für das kommende Schuljahr zunächst nicht vorgesehen. Lehrer, die zu einer Risikogruppe gehören, bekommen FFP-2-Masken gestellt, die auch dem Selbstschutz dienen. Sollten die Infektionen über zehn Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner steigen, ist eine Freistellung vom Präsenzunterricht möglich, allerdings nur mit einem erneuten und entsprechend begründeten Attest der Betriebsärzte möglich. „Wie viele Personen im Landesdienst in den Schulen zum kommenden Schuljahr von den dort eingeräumten Möglichkeiten Gebrauch machen werden, kann aktuell noch nicht abgeschätzt werden“, beantwortete Pressesprecher Tobias Kühne eine Anfrage der Volksstimme.