Burg/Genthin l Emanuel Conrady, Inhaber der Gaststätte „Rotfuchs“ am Magdalenenplatz in Burg, war zu Jahresbeginn noch voller Optimismus. Aber jetzt? Die Lage ist angespannt. Zwar ist noch von 8 bis 18 Uhr geöffnet, aber es kommen weniger Gäste – und vor allem: Etliche Feiern für die nächsten Tage und Wochen wurden abgesagt. „Das ist dann schon ein finanzieller Verlust“, sagt Conrady. Auch die beliebten Musikabende wurden erst einmal auf Eis gelegt. Zwar setzen die Mitarbeiter jetzt verstärkt auf Lieferservice von Speisen, dadurch könnten die Umsatzverluste aber nicht kompensiert werden. Für Conrady steht deshalb fest: „Uns helfen keine Kredite weiter, die letztlich auch bedient werden müssen, sondern am Ende nur nichtrückzahlbare Zuschüsse.“

17 Mitarbeiter wurden gekündigt

Sven Deinert, Inhaber des gleichnamigen Landgasthofes in Parchen, ist seinen Berufskollegen einen schweren Schritt voraus und hat bereits zum Freitag „den Laden dicht gemacht.“ 17 Mitarbeiter haben damit die Kündigung erhalten. In der Gewissheit, wenn es bergauf geht, wieder eingestellt zu werden. Deinert will sich beim Wort nehmen lassen. Der Gastronom, der verantwortlich zeichnet für die Essenversorgung von acht Kitas, hält eine Notversorgung aufrecht. Der Gaststättenbetrieb ruht. „Es kommen ohnehin weniger Gäste“, hat er feststellen müssen. Aufrecht erhält der Landgasthof die Außerhaus-Versorgung, die vor allem die Älteren in Anspruch nehmen. Über eine Whatsapp-Gruppe werden Angebot und Bestellung vorgenommen. Die Nachfrage wachse von Tag zu Tag. Deinert nimmt die täglichen Appelle und behördlichen Anordnungen, um die Verbreitung des Corona-Virus einzudämmen, sehr ernst. Seine Ehefrau arbeite auf der Intensivstation des Johanniter-Krankenhauses Stendal, sozusagen „an der Front“. Für Deinert steht deshalb fest: „Es ist nicht die Zeit, über dies und jene zu diskutieren. Jetzt ist zuhören wichtig. Wenn so schwerwiegende Maßnahmen ergriffen werden, hat das einen Grund.“

Vor einer ungewissen Zukunft steht auch Gastwirt Steffen Reinholz vom „Weißen Roß“ in Grabow. „Der März gehört mit zu den umsatzstärksten Monaten im Jahr. Der Ausfall ist deshalb sehr schmerzlich, denn ein anderes Einkommen oder Rücklagen habe ich nicht.“ Steffen Reinholz: „Einige Stammkunden kommen noch.“ Die Speisekarte ist noch dieselbe wie vor der Corona-Pandemie. Es gab noch keine Veranlassung, etwas zu ändern. Auch die Öffnungszeiten haben sich nicht geändert. Sollte zu Ostern ein Gaststättenverbot kommen, „werden wir die Gäste außer Haus beliefern. Anmeldungen für Feiern zu Ostern liegen genügend vor. Die für den 27. März geplante „Irish Night“, die ausverkauft ist, wurde abgesetzt und soll voraussichtlich im September nachgeholt werden. „Wir können jetzt nur abwarten“, blickt Reinholz düster in die Zukunft. Zudem sei es wichtig, auf die Hygiene zu achten: Neben Desinfektionen der Hände wurde der Mindestabstand der Tische erhöht.

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Noch strengere Hygienevorschriften

Corona macht auch vor den Gaststätten in Jerichow nicht Halt. Durchreisende lesen auf der Schiefertafel vor dem Gasthaus Heinemann in der Ortsmitte die Information „vorübergehend geschlossen“. Anders im Restaurant „Wirtshaus Klostermahl“ – hier ist die Gaststube noch geöffnet, „so lange kein endgültiges Verbot kommt“, sagt Bernd Witt, Geschäftsführer der Klosterstiftung Jerichow. Die Mitarbeiter setzen zu den ohnehin schon strengen Hygienevorschriften noch eigene Verschärfungen und desinfizieren nach dem Benutzen Handläufe, Türklinken als auch Stuhllehnen. Dazu komme, dass nur an jedem zweiten Tisch Gäste Platz nehmen dürfen, um den Abstand von zwei Metern einzuhalten. Koch Ronny Kirchner bietet auch weiterhin regionale Küche an und Servicekraft Ilona Schnitzer serviert Kaffee und Kuchen. Geschäftsführer Witt sieht jetzt schon Veränderungen in der Herkunft der Gäste, viele kommen jetzt aus der näheren Umgebung und stärken sich im Wirtshaus nach einem längeren Spaziergang durch die Elbauen. „Wir öffnen so lange es geht und freuen uns über jeden Gast“, betont Witt.

So hält es auch Stefan Lichtenberger, Inhaber der Gaststätte „Zum Ehlestrand“ in Biederitz. Er teilte seinen Gästen via Facebook mit, dass es ihm trotz Verordnung zum Coronavirus weiterhin erlaubt sei, unter gewissen Auflagen zu öffnen.