Burg/Genthin l In welchem Bundesland arbeitet die Pflegekraft? Voll- oder Teilzeit? Und welche Tätigkeit übt sie aus? An diesen Fragen der Bundesregierung hangelt sich auch die Höhe des Pflegebonus, der „Corona-Prämie“ für die Beschäftigten in der Altenpflege des Jerichower Landes entlang.

356 Mitarbeiter profitieren beispielsweise beim Regionalverband des DRK Magdeburg-Jerichower Land davon.

Verfahren unkompliziert

„Aus unserer Sicht war das Verfahren unkompliziert und die Mittel wurden zeitnah zur Verfügung gestellt“, bestätigt Vorstand Frank Ruth auf Volksstimme-Anfrage. Ein bürokratischer Mehraufwand war kaum spürbar.

Zuvor wurde die Zahl der in Frage kommenden Mitarbeiter an die Pflegekasse übermittelt. Da die Auszahlungen zeitnah an den Regionalverband überwiesen wurden, war eine Vorfinanzierung nicht nötig. So erhielt das Gros der Mitarbeiter bereits im Juli die Corona-Prämie. Ausgezahlt wurden 1 500 Euro ab 35 Wochenstunden Arbeitszeit. Wer weniger arbeitet, erhielt eine Prämie entsprechend der Anzahl der Arbeitsstunden. „Rund 27 Mitarbeiter erfüllen zudem bis zur zweiten Auszahlungsrunde im November die Bedingungen für die Corona-Prämie und werden dann berücksichtigt“, ergänzte Ruth.

Mit dem Beschluss des Pflegebonus seitens des Bundestages Mitte Mai wurde die „Corona-Prämie“ amtlich. Die Anregung dazu stammte aus dem Bundesgesundheitsministerium, in persona Jens Spahn (CDU), und von Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD).

Arbeitger muss Angestellte informieren

Der Arbeitgeber ist dafür zuständig, die Angestellten über den Bonus zu informieren und ihn an die Mitarbeiter weiterzugeben. Die finanziellen Mittel fließen nach Mitteilung des Arbeitgebers zentral durch die Pflegekasse.

Im Kern bedeutet dies zum Beispiel, dass Mitarbeiter in Teilzeit ebenfalls anteilig Anspruch auf einen Bonus haben. Auch Auszubildende, Freiwilligendienstleistende, Helfer im freiwilligen sozialen Jahr und Leiharbeiter sowie Mitarbeiter in Servicegesellschaften sollen einen Bonus erhalten.

50 Mitarbeiter erhalten Bonus

Profitiert haben zum Beispiel auch die Mitarbeiter der Johanniterhäuser Genthin-Wald und St. Laurentius zu Loburg. Insgesamt erhielten hier 50 bzw. 35 Mitarbeiter einen Pflegebonus. „Der bürokratische Aufwand hielt sich seitens des Trägers in Grenzen. Wir sind sehr dankbar für diese Unterstützung“, übermittelte Franziska Schütz vom Regionalzentrum Ost der Johanniter Seniorenhäuser GmbH.

Auch landesweit agierende Pflegedienstleister zahlen den Pflegebonus aus. 13 vollstationäre Einrichtungen betreibt zum Beispiel die AWO Soziale Dienste Sachsen-Anhalt GmbH in Jerichow, Magdeburg, Aken, Dessau, Zerbst, Bernburg, Halle, Leuna und Naumburg.

Viel Klärungsbedarf

Bis zu 655 Angestellte erhalten hier, soweit sie die Bestimmungen erfüllen, einen Pflegebonus von bis zu 1 500 Euro. „Die erste Auszahlung der Corona-Prämie an die Mitarbeitenden erfolgte am 30. Juli. Wir gehen derzeit davon aus, das fünf bis acht Prozent der Mitarbeiter ihre Prämie im Dezember 2020 erhalten“, sagt Geschäftsführerin Katrin Köppe. Allen anderen wurde der Pflegebonus mit der Gehaltszahlung Ende Juli überwiesen.

Finanzieller Bonus für die einen bedeutete am Anfang aber auch bürokratische Hürden für die anderen. Zum Beispiel bei der Zuordnung der einzelnen Mitarbeiter in die Berechtigungsstufen. „Hier gab es viel Klärungsbedarf“, schildert Köppe das Verfahren.

Erfassungsaufwand sehr hoch

Auch der Erfassungsaufwand war hoch und jede einzelne Auszahlung musste im Lohnsystem hinterlegt werden. Für die zweite Beantragungsrunde für Mitarbeiter, die bis zum 31. Oktober die Voraussetzungen erfüllen, erhoffen sich die zuständigen Bearbeiter Entlastung, da sich der Umfang an Berechtigten minimiert.

„Die Zahlungen wurden von den Mitarbeitern mit Freude erwartet und mit großer Freude entgegengenommen“, bestätigt Köppe .

161.100 Euro in der 1. Runde

Auch in Burg profitieren Mitarbeiter in der Altenpflege von der Einmalzahlung. Zum Beispiel insgesamt 215 Angestellte des Corneliuswerkes.

In der ersten Runde gehen mit dem Augustgehalt insgesamt rund 161.100 Euro an die Mitarbeiter, die bis zum 31. Mai die Bedingungen für den Pflegebonus erfüllt hatten. Davon stammen 107.400 Euro vom Bund und eine Summe von 53.700 Euro kam als Aufstockung vom Land.

Bonus hängt vom Umfang und Arbeit ab

Wie hoch der Pflegebonus für den Einzelnen ausfällt, hängt, wie von der Bundesregierung festgesetzt, vom Arbeitsumfang und Tätigkeitsbereich ab.

Der Großteil der Mitarbeiter in der Pflege hat bereits den Pflegebonus erhalten. Weitere erhalten ihn im Oktober bzw. November und einige wenige am Jahresende.

Enge Antragsfristen

Bürokratisch gesehen bedeutete dies für die Verwaltung des Corneliuswerkes einen enormen Aufwand. „Jeder Mitarbeiter musste individuell mit seiner Beschäftigungssituation in den Blick genommen werden. Auch gab es eng gesetzte Fristen zur Antragseinreichung. „Wir gehen derzeit davon aus, dass Ende des Jahres ein vergleichbarer Aufwand betrieben werden muss“, sagt Geschäftsführer Andreas Bethge. Eine Auszahlung für alle gleichermaßen mit dem Dezembergehalt hätte den Prozess sicher vereinfacht und nun notwendige Korrekturen wären ausgeblieben. „Angesichts des positiven Auswirkens der Prämie für die Mitarbeiter war dieser Aufwand aber gerechtfertigt und vertretbar“, so Bethge.

Mit dem Pflegebonus erreicht die Pflegekräfte, nach dem Applaus der Bevölkerung während des Lockdowns, nun auch ein in Zahlen messbarer Dank für ihre Arbeit während des bisherigen Höhepunktes der Corona-Pandemie.